Lesetipp: Die unglaubliche Pilgerreise des Harold Fry

Mein Gott, schon lange hat mit kein Buch mehr so emotional berührt!

Das ist eins von diesen Büchern, die sich so langsam in die Gedanken schleichen und sich dort festsetzen, bevor sie ihre Wirkung entfalten. Denn die Geschichte ist kein Reißer: Harold bekommt Morgens einen Brief von seiner alten Arbeitskollegin Queenie und will eigentlich nur die Antwortzeilen in den nächsten Postkasten werfen.

Doch etwas ist vor zwanzig Jahren passiert. Seit zwanzig Jahren redet Harold kaum noch mit seiner Frau, vor zwanzig Jahren ist Queenie verschwunden, vor zwanzig Jahren hat er zum letzten Mal mit seinem Sohn geredet.

Harold entscheidet sich, den Brief persönlich zu überbringen. Von der Südküste Englands bis nach Schottland – die Karte ist erst am Ende des Buches, die sollte man sich vorher ansehen, um zu wissen, was genau er sich da vorgenommen hat.

Und während er läuft, hat er viel Zeit nachzudenken. Über sich, sein Leben, seine Fehler. Das, was schiefgelaufen ist. Warum Maureen nur noch mit ihm redet, wenn sie ihn verletzen kann, obwohl sie doch vor langer Zeit einmal das schönste Mädchen im Raum war. Wann sie ihr Lachen verloren haben und Kälte und Einsamkeit in ihr Heim eingezogen sind.

Und ich kam nicht daran vorbei, selbst nachzudenken. Denn eine wunderbare und großartige Ehe kommt nicht von allein. Sie erfordert Arbeit. Und vor allem darf man sie nicht selbstverständlich nehmen.

Ich frage mich manchmal, wie es andere Ehepaare schaffen, sich nach fünf Jahren schon soweit auseinandergelebt zu haben, dass Scheidung der einzige Ausweg erscheint. Ich bin jetzt 13 Jahre verheiratet – aber es kommt mir viel weniger vor. Trotzdem ist es kein Selbstläufer. Eine gute Ehe bedeutet, den Partner nicht für selbstverständlich zu nehmen, sondern ihn Tag für Tag neu zu entdecken und zu überraschen.

Harolds Pilgerreise war auch eine Reise in mein eigenes Leben. Und führte zur Entdeckung dessen, was wirklich wichtig ist.

Dieses Buch ist ein Lesetipp für jeden, der an mehr als einer Wegwerf-Partnerschaft interessiert ist.

So, und jetzt muss ich den Typen finden, der immer mit dem Satz: „Wolle Rose kaufen?“ durch die Gegend rennt. Es wird Zeit, mal wieder meine Frau zu überraschen!

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