Lies mehr schlechte Bücher!

…damit du bessere schreiben kannst.

Schlechte Bücher machen dich besser?

Was wie ein Widerspruch klingt, lässt sich leicht erklären: Während sich bei der Lektüre guter Bücher leicht Minderwertigkeitskomplexe einstellen (die sich bei großartigen Büchern durchaus zu mittelschweren Depressionen ausweiten können), sind schlechte Bücher ein guter Lehrmeister. Vor allem Bücher, die so schlecht sind, dass du sie nicht mal zu Ende liest.

Analyse ist der Schlüssel

Natürlich nützt es nichts, diese Papierbeschmutzung einfach in die Ecke zu werfen und so schnell wie möglich aus dem Gedächtnis zu verdrängen. Wirklich lernen kannst du nur, wenn du das Gelesene analysierst.

  • Warum war das Buch so schlecht?
  • Was hat dich gestört?
  • An welcher Stelle hat der Autor dich (als Leser) verloren?
  • Stimmte etwas nicht an der Wortwahl, dem Satzbau, der Szenenbeschreibung, den Charakteren, der Handlungslogik?

Es gibt viele Dinge, die in einem Buch falsch gemacht werden können – je mehr du davon kennst, desto mehr kannst du vermeiden.

Autoren lesen anders

Als Leser reicht es, mit einem unguten Gefühl im Bauch das Buch zu zuklappen und sich dem nächsten zu widmen.

Als Autor solltest du deine Zweifel exakt benennen können. Was genau hat dein Kollege falsch gemacht? Denn erst wenn du das weißt, kannst du diesen Fehler vermeiden.

 

Und jetzt los: Schreiben! Zeig der Welt, dass in dir ein gutes Buch steckt!

Veröffentlicht in Schreiben
Ein Kommentar zu “Lies mehr schlechte Bücher!
  1. Interessanter Aspekt. Vielen Dank für diesen Artikel, den ich allerdings nicht unkommentiert lassen möchte:

    Die Betonung liegt für mich im Titel auf dem „mehr“ und mE wäre hier ein „öfter mal“ oder „ab und zu“ noch besser angebracht.
    Denn wer hier zu schnell drüber liest und dann die Einleitung, könnte schnell zu dem Schluss kommen, man solle grundsätzlich aus schlechten Büchern lernen.
    So absolut muss ich dann aber heftig wiedersprechen.

    Ich stimme zu, dass die Analye eines schlecht geschriebenen Buches sehr viel dazu beitragen kann, seinen eigenen Schreibstil zu verbessern. Manchmal können sie direkt Augenöffner für eigene Schwächen sein. Wenn das Buch einfach nicht spannend ist, man auf Distanz bleibt, obwohl da doch schwarz auf weiß steht, dass sich da gerade jemand ganz wahnsinnig freut, fürchterlich Angst hat usw. Insofern können schlechte Bücher ohne Frage eine Bereicherung beim Entwickeln des eigenen Schreibstils sein.

    Und möglicherweise können sie auch Mut machen, so wie sehr gut geschriebene Bücher den einen oder anderen womöglich entmutigen können.
    Doch bereits hier würde ich sagen: Dass da jemand nachhaltig entmutigt wird, wird sich eher in Grenzen halten und die mittelschwere Depression kann auch heilsam sein, denn vermutlich ist sie gar keine echte Depression, sondern ein bisschen Demut, dass da jemand was Großartiges geleistet hat. Und die kann manchmal nicht schaden bzw. auch heilsam sein.

    Denn so wie die Analyse des schlechten Buches hilft mir ja auch die Analyse des guten Buches. Man sollte nicht nur verstehen, warum ein Text schlecht ist, sondern gerade auch, warum ein anderer besser, richtig gut, vielleicht sogar genial ist.

    Wir alle brauchen zum Lernen die Vorbilder, diejenigen, die über uns stehen, damit wir uns an ihnen reiben, ihnen nacheifern können.
    Besser zu schreiben, als jemand, der schlecht schreibt ist vielleicht schnell passiert. Was aber kommt dann?
    Fehlervermeidung macht noch lange keinen guten Text. Etwas höher zu springen als jemand der grottig geschrieben hat, macht noch lange lange keine gute Geschichte.
    Und hier lauert dann eine andere Gefahr: Wer sich überwiegend an schlechten Texten orientiert, könnte nämlich auch zu früh aufhören, zu lernen, sich zu schnell selbst großartig finden.
    Doch besser als schlecht, ist in Noten ausgedrückt auch die 4.

    Ich bin fast sicher, dass genau das im Grunde hier gemeint war. Aber dann ist es als zu selbstverständlich zwischen den Zeilen verpackt.

    Auf diese Weise gerade gerückt, kann ich aber alles andere unterstreichen: Schmeisst schlechte Texte nicht mit dem Gefühl weg, es sei Zeitvergeudung sie zu lesen. Analysiert sie und lernt aus den Fehlern anderer. Das ist auf jeden Fall eine weitere Lernquelle, eine Bereicherung für die Textanalyse, eine Erweiterung des Blickwinkels und schon hat sich auch dieser Kauf gelohnt!

    Viele Grüße

    Rosemarie
    http://www.rosemarie-benke-bursian.de

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