Der Tod des Buchhandels – oder wenn die Kleinen die Fehler der Großen ausbaden müssen.

Am Wochenende erschienen zwei Blogposts über die Überlebenschancen des Einzelhandels. Leider muss ich sagen, Thomas Boley hat mit seinem Artikel Der verdiente Tod des Einzelhandels recht. Es geht dabei nicht um den Einzelhandel generell – sondern die Servicewüste, durch die wir Kunden tagtäglich stolpern.

Das Traurige: motivierte Mitarbeiter können nichts daran ändern.

Das ist mir bewusst geworden, als meine mich liebende (ansonsten geistig aber vollkommen gesunde) Ehefrau den Wunsch äußerte, sich ein Tablet zuzulegen. Das große Tolino-Modell hatte gute Bewertungen und einen vernünftigen Preis, also machten wir uns auf zum nächstgelegenen Einkaufszentrum, dessen Thalia-Filiale – wie ich wusste – einen umfangreichen Stand mit Vorführmodellen unterhielt. An dem waren auch alle gängigen eReader-Modelle vorhanden und auch das kleine Tablet, nicht aber das gewünschte Premiummodell. Da außer der Dame an der Kasse kein anderer Mitarbeiter aufzutreiben war, fragten wir dort nach. Das große Modell sei auf Lager, wurde uns beschieden. Aber kein Vorführmodell. Wir mögen uns die kleine Version anschauen.

Nun habe ich etwas dagegen, die Katze im Sack zu kaufen. Nach einigen schlechten Erfahrungen habe ich mir das Motto zu eigen gemacht: wenn ich es einem Verkäufer nicht wert bin, dass er mich ordentlich berät, dann ist der Laden es auch nicht wert, dass ich dort einkaufe.

Also sind wir ein paar Meter weiter gegangen. Dort betreibt Weltbild seine Filiale. Dort sind zwar keine Vorführmodelle vorhanden, aber auf kurze Nachfrage stürmte die Verkäuferin gleich ins Lager, um uns das gewünschte Modell zu holen und vorzuführen. Sie hätte selbst so einen (und so, wie sie mit dem Gerät umging, glaube ich ihr das sogar) und wenige Minuten später war der Deal perfekt.

Das gleiche Gerät, der gleiche Preis – einzig und allein die Beratung hat den Unterschied gemacht, sodass ich nicht nur dieses Gerät, sondern all meine Buchbestellungen jetzt in dieser Weltbild-Filiale abgewickelt habe.

Das traurige Ende

Und nun das traurige Ende: Am Freitag erhielt ich den Newsletter über den großen Ausverkauf – gerade jene Weltbild-Filiale wird zum 4.12. geschlossen.

Motivierte, freundliche Mitarbeiter haben diesen Laden zu meiner Lieblingsfiliale gemacht – Missmanagement der Konzernleitung bedeutet ihr Ende.

Ich werde nicht zum Ausverkauf gehen. Es hätte mir den Nachgeschmack von Leichenfledderei.

Veröffentlicht in Ansichtssachen, Verlegen

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