Kampf den eBook-Piraten – oder den Windmühlen? Wie ein Selfpublisher der eBook-Piraterie begegnet.

Musst du dir als Selfpublisher einen riesigen Kopf über ebook-Piraterie machen? Wahrscheinlich nicht. Oder mit den Worten von Cory Doctorow ausgedrückt: Das Problem eines jungen Autors ist nicht die eBook-Piraterie, sondern seine Unbekanntheit.

Nach Ansicht der Verlage und Buchhändler ist die eBook-Piraterie der Grund für den Untergang der abendländischen Kultur. Überhaupt würde ja jedes Buch, sobald es digitalisiert ist, von circa vier Milliarden Menschen raubkopiert und kostenlos gelesen, wenn es nicht durch technische Finessen kopiergeschützt wäre.

OK, da schwingt viel Polemik mit. Davon solltest du dich nicht anstecken lassen, sondern ganz ruhig einen Moment darüber nachdenken. Und dann entscheiden, ob du deine Bücher per DRM schützen lässt oder nicht.

Natürlich ist es so, dass ein digitales Buch sich ohne jegliche Qualitätsverluste kopieren lässt. Ein eBook, dass hundertmal kopiert wurde, hat noch die gleiche Qualität wie das Original – das hättest du früher mal mit einer Kassette probieren sollen! Die Gefahr, dass dein Buch kopiert und ohne Bezahlung weitergegeben wird, existiert. Sie ist ungefähr genauso groß wie die Gefahr, dass der Computer, den du dir gekauft hast, gestohlen und ohne Bezahlung von jemand anderem verwendet wird.

Es kommt vor, aber es ist nicht die Regel.

Warum die Verlage und Buchhändler davon ausgehen, dass der durchschnittliche Leser eine ungeahnte kriminelle Energie entwickelt und sich Bücher lieber klauen als kaufen will, weiß ich nicht. Vielleicht schließen die zuständigen PR-Manager und BWLer von ihrem eigenen Gebaren auf das ihrer Kunden.

Ich habe aber festgestellt, dass der normale Leser ein ziemlich gemütlicher Mensch ist, der es gern bequem hat. Und der nichts dagegen hat, für diese Bequemlichkeit einen vernünftigen Preis zu bezahlen – besonders, wenn er die Person hinter den Büchern kennt. Auch da hat ein enger Autor-Leser-Kontakt seine Vorteile.

Ein Buch mit DRM (was übrigens die Abkürzung für Dont Read Me ist…) gegen eventuelle Raubkopierer zu verriegeln, zeugt von einem gestörten Verhältnis zu deinem Leser. Verzichte lieber darauf – denn im Extremfall kann es dazu führen, dass dein Leser das Buch, für das er Geld bezahlt hat, nicht mal lesen kann. Das ist mir schon passiert – mit dem Ergebnis, dass ich Produkte des entsprechenden Verlages nun konsequent meide.

Zweitens ist DRM das digitale Äquivalent zu einem Vorhängeschloss. Es hält die Tür zu, verhindert vielleicht ein paar Gelegenheitsdiebstähle – aber für einen richtigen Einbrecher ist es kein Hindernis. Im Netz finden sich haufenweise Programme, die mit leicht zu bedienender Benutzeroberfläche das Entfernen des Kopierschutzes zum Kinderspiel machen.

Zeig lieber deinem Leser, dass du ihm vertraust und verzichte auf DRM. Denn ich glaube, dass sich dieser Vertrauensvorschuss in der Zukunft für dich auszahlen wird.

Falls du einen Blick in diese Zukunft werfen willst: schau auf die Musikindustrie. Seit man endlich dazu übergegangen ist, DRM-freie MP3s zu verkaufen, die der Hörer auf jedem seiner Geräte abspielen kann, seit diesem Zeitpunkt erholen sich die Verkaufszahlen wieder.

Warum Buchhändler und Verlage trotzdem auf Kopierschutz bestehen und genau den gleichen Fehler wiederholen möchten, an dem die Musikindustrie fast kaputt gegangen wäre, lässt sich nur mit einer gewisse Lernresistenz erklären. Aber zum Glück bist du Selfpublisher und darfst deinen eigenen Kopf gebrauchen.

Die Entscheidung liegt bei dir.

Der Autor: Matthias Czarnetzki begann als Banker, wurde Journalist und studierte Informatik, bevor er feststellte, dass Schriftsteller mehrere Leben führen können, aber nur für eins Steuern zahlen müssen. Er ist unabhängiger Autor und unterstützt andere Indie-Autoren dabei, den gleichen Respekt zu erlangen wie Indie-Musiker und Indie-Filmemacher, so dass sie ihren traditionell verlegten Kollegen in nichts nachstehen. Noch Fragen?

Veröffentlicht in ePublishing, Verlegen Getagged mit: , , ,

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*