Steampunk-Lesetipp: Anja Bagus – Aetherhertz

Ich bin vor zwei Wochen aus heiterem Himmel auf die Idee gekommen, mich neuen literarischen Welten zu widmen und kam dabei auf Steampunk.

Steampunk kannte ich bisher nur aus Computerspielen, besonders Thief – The Metal Age und Thief – Deadly Shadows. Falls du dich fragst, was Steampunk ist: laut Wikipedia spielt es meist in der viktorianischen Zeit, doch die technologische Entwicklung ist wesentlich weiter fortgeschritten als im realen Zeitraum um 1870. Die Dampfmaschine ist der Antrieb aller Dinge und fast alle Erfindungen basieren auf Mechanik statt Elektronik. Dieses Setting ist nicht in Stein gemeißelt und wird in unzähligen Varianten behandelt.

Ich habe also auf Twitter rumgefragt, wer gute Steampunk-Bücher kennt und bekam schnell den Tipp, mir mal die Annabelle-Rosenherz-Serie von Anja Bagus anzusehen. Und da auf Twitter nichts verborgen bleibt, hat Anja Wind davon bekommen und mir den ersten Teil der Serie als Rezensionsexemplar angeboten.

Um es vorwegzunehmen: Aetherhertz erfüllt genau das, was ich mir unter Steampunk vorgestellt hatte.

Baden-Baden 1910 (Der Zeitrahmen ist bei Steampunkt nicht in Stein gemeißelt. Hab ich doch gesagt!): Seitdem in den Flüssen Aether aufgetaucht ist, lässt sich der technologische Fortschritt nicht mehr aufhalten. Aether ist alles: Energiequelle, Werkzeug, Welle und Teilchen ;-). Leider ist Aether auch gefährlich und verändert die, die ungeschützt damit Kontakt haben. Weil sie die Substanz aus dem Wasser filtern zum Beispiel. Und das führt zu Mutationen, die nicht immer ganz appetitlich anzuschauen sind. Was das Militär nicht daran hindert, mit Aetherblitzen auf Gegner zu schießen.

Die Mutanten gehen schon in Richtung Fantasy-Gestalten, ohne dabei das Genre zu wechseln. Schließlich gibt es für die Veränderungen eine wissenschaftliche Erklärung und übernatürliche Kräfte hat kaum eins dieser Wesen. Die menschliche Gesellschaft muss sich nun den Fragen stellen, inwieweit sie die Wesen akzeptiert. die hier plötzlich auftauchen und wie sie mit dem gewaltigen technologischen Fortschritt fertig wird, den der Aether mit sich bringt.

Aber von all dem ist Annabelle Rosenherz weit entfernt, als ihr der Familienanwalt Falkenberg vorschlägt, den verschwundenen Vater endlich für tot erklären zu lassen, um das Familienvermögen besser verwalten zu können. Und um gleichmal Nägel mit Köpfen zu machen, seinen Sohn Paul ins Haus schickt, der die Kunstsammlung schätzen soll. Armer Kerl, dieser Paul. Da Annabelle den erfinderisch-träumerischen Kunsthistoriker ja per Definition eigentlich gar nicht leiden dürfte. Aber die Romantik kommt nicht zu kurz – und ich muss zugeben, das gefällt mir auch.

Es ist also von allem was dabei: Fantasie, Romantik, Philosophie – von nichts zu viel und von nichts zu wenig. Genau diese Mischung habe ich gesucht und – da es noch zwei weitere Teile der Annabelle-Rosenherz-Reihe gibt – einen Vorrat gefunden, der für lange Lesenächte reicht.

Der Autor: Matthias Czarnetzki begann als Banker, wurde Journalist und studierte Informatik, bevor er feststellte, dass Schriftsteller mehrere Leben führen können, aber nur für eins Steuern zahlen müssen. Er ist unabhängiger Autor und unterstützt andere Indie-Autoren dabei, den gleichen Respekt zu erlangen wie Indie-Musiker und Indie-Filmemacher, so dass sie ihren traditionell verlegten Kollegen in nichts nachstehen. Noch Fragen?

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