Was nix kostet, ist auch nix wert – Preisgestaltung für Selfpublisher

Was macht eigentlich ein Selfpublisher?
Was nix kostet, ist auch nix wert – Preisgestaltung für Selfpublisher

Die Preisgestaltung für Selfpublisher ist ein heikles Thema. Der richtige Preis kann das Sprungbrett zu hohen Verkaufszahlen und einem festen Platz in der Bestsellerliste sein, der falsche dagegen dein Buch wie ein Bleigewicht immer tiefer in die niedrigsten Regionen der Verkaufscharts zerren.

Wenn du also den Preis für dein Buch festlegst, dann gibt es einige Blickwinkel, aus denen man die Angelegenheit betrachten kann. Ich möchte hier ein paar zeigen – welcher für dich passend ist, musst du aber selbst entscheiden.

Wieso überhaupt ein Preis? Ich möchte bekannt werden – kann ich es da nicht einfach verschenken?

Ich glaube, die vorigen Teile dieser Serie haben schon gezeigt, wie viel Arbeit es bedeutet, ein wirklich gutes Buch zu erschaffen. Warum einige Leser auf die Idee kommen, dass eBooks nichts oder noch weniger kosten sollten, ist mir unverständlich. Denn bloß, weil es sich ohne Kosten vervielfältigen und verbreiten lässt, steckt doch sehr viel Zeit und Kraft darin.

Stell dir vor, du bringst dein Auto in die Werkstatt und schließlich ist es wieder repariert und funktionstüchtig. Würdest du auf die Idee kommen, dass der Werkstattmeister es umsonst macht? Schließlich kann ja jeder ein paar Schrauben lockermachen und später wieder anziehen.

Warum solltest du als Autor also das Ergebnis deiner Arbeit verschenken? Bloß weil ein paar andere behaupten, Wörter auf Papier schreiben kann ja jeder? Es stimmt. Schreiben kann jeder. Gut schreiben – das können nur wenige.

Und wenn du gut schreiben kannst – dann hab den Selbstrespekt, dich für deine Arbeit auch bezahlen zu lassen.

Preisschranken – und die Grenzen, die sie ziehen

Preisgestaltung hat ziemlich viel mit Psychologie zu tun. Den Spruch aus der Überschrift, „Was nix kostet, ist auch nix wert“, habe ich von einer Kunstgewerbehändlerin gehört, die ihn als eine Grundregel in ihrer Ausbildung gelernt hat.

Der Preis steuert auch die Erwartungshaltung gegenüber einem Produkt. Stell dir vor, du kaufst dir eine Flasche Wein für 35 Euro im Weinhandel und eine für 1.99 beim Aldi. Welcher Wein schmeckt besser? Und könntest du den Unterschied wirklich immer herausfinden, wenn du von jedem einen Plastebecher voll zum Geschmackstest gereicht bekommst? Einschlägige Studien zeigen, dass es meist nicht so ist.

Bestimmte Preise wecken bestimmte Assoziationen. Einen bestimmten Preis zu wählen steckt dein Buch in eine bestimmte Kategorie – die Frage, die du dir nun stellen musst, lautet: Möchte ich wirklich dorthin gehören? Deshalb folgen hier nun meine Überlegungen und Argumente für und wider die häufigsten Preiskategorien und beziehen sich auf Bücher. Eine 3-Seiten-Kurzgeschichte für einen Preis zu verkaufen, für den ein Leser normalerweise ein Buch erwartet, wird immer schiefgehen. Nicht zuletzt, weil sich der Leser da arglistig getäuscht vorkommen dürfte.

Dabei beziehen sich meine Überlegungen vor allem aus eBooks aus der Unterhaltungsliteratur – Sach- und Printbücher kommen weiter unten dran.

Kostenlos

Muss nicht immer schlecht sein. Wenn du im Rahmen einer Werbeaktion deine Bücher verschenkst – und dafür Aufmerksamkeit bekommst, die auch später noch anhält, dann kann es sich lohnen. Leider wird dieses Mittel zu oft eingesetzt – als Leser kann man sich in den Amazon-Gratis-Charts mit mehr Lesestoff eindecken, als man schaffen kann. Denn Gratis ist ein starkes Lockmittel – viele nehmen mit, was sie kriegen können, weil sie es eben können. Gelesen wird später davon nur das wenigste. Da muss ich sagen: schade drum.

Eine Konstellation, bei der kostenlos Sinn macht, sehe ich noch bei Serien: der erste Teil ist kostenlos (der Leser wird angefixt), die späteren Teile muss er kaufen (denn da ist er schon abhängig). Geht mir bei Perry Rhodan so. Diese Serien sind aber auch so geschrieben, dass der Cliffhanger den nächsten Teil sozusagen zur Pflichtlektüre macht.

0.99

Die 99-Cent-Schranke steht für Drive-By-Downloads. 99 Cent sind nicht viel Geld, da kann man schon mal was kaufen und wenn es ein Fehlgriff war, dann tut er auch nicht weh. Vergleichbar finde ich das mit den Ramschbücher-Kisten, die in Buchhandlungen und Supermärkten stehen. Dort habe ich schon einige Schriftsteller entdeckt, von denen ich später auch mehr gelesen habe.

Dadurch, dass es eben nicht ganz kostenlos war, landet das Buch dann aber nicht in der „heruntergeladen und vergessen“-Kategorie, sondern wenn man für etwas Geld ausgibt, dann will man wenigstens was davon haben. Was ich bezahlt habe, schaue ich mir zumindest genauer an.

Aus dem Grund habe ich einen Kurzkrimi zur Lutetia-Stubbs-Reihe geschrieben, der für 99-Cent verkauft wird (beziehungsweise kostenlos ist, wenn sich der Leser hier für meinen Newsletter anmeldet).

Ein eBook-Segment, das für diese Preiskategorie wie geschaffen ist, sind Kurzgeschichten. Diese Textform ist aus dem klassischen Verlagswesen und Buchhandel nahezu vollständig verschwunden – und das nicht aus irgendwelchen künstlerischen und kulturellen Erwägungen heraus, sondern aus rein technischen und wirtschaftlichen Erwägungen. Ganz abgesehen davon, dass ein bestimmter Mindestumfang notwendig ist, um ein richtiges Buch herzustellen, lohnt sich schlicht und einfach nicht – denn kaum ein Leser dürfte bereit sein, den Preis zu bezahlen, der die Kosten so eines Mini-Buches deckt, wenn er vielleicht für 50 Cent mehr einen „richtigen“ Roman bekommen kann, der ihm ein paar Stunden Unterhaltung verspricht.

Kurzgeschichten in digitaler Form verursachen dagegen kaum Kosten. Aber sie dir sicher – wenn du für eine Kurzgeschichte Geld verlangst, wird es immer den einen oder anderen Leser geben, der darüber meckert. Es hat sich noch nicht bei allen herumgesprochen, dass Bücher nicht nach Preis pro Wort berechnet werden. (Stell dir die neuste Amazon Werbung vor: Sonderangebot – 100.000 Worte für nur 3 Euro! Dürfen es noch 10.000 Worte mehr sein? Dann bekommen Sie die Kurzgeschichte XY für nur 20 Cent dazu!)

2.99

2.99 ist der geringste Preis, ab dem Amazon die 70%-Tantiemen zahlt und deshalb ein beliebter Preis für Selfpublisher-Bücher. Da die Qualität in diesem Bereich aber schon ziemlich gut ist, erwarten die Leser hier auch schon eine ganze Menge – Korrektorat, ein ordentlicher Umfang, professionelles Cover – das ist in diesem Preissegment für den Leser schon selbstverständlich. Wer drunter liegt, kann schnell durch schlechte Rezensionen abgestraft werden.

5.99

Diese Preisschranke stellt meiner Meinung nach die obere Preisgrenze für eBooks dar. Warum? Weil bei ungefähr 6.90 schon die ersten gedruckten Taschenbücher angeboten werden. Da man sich beim eBook Druck-, Lager- und Lieferkosten spart, sollte ein eBook schon günstiger als ein Druckbuch sein, sonst kommen Leser sich veralbert vor. Die sind schließlich mit dem Kauf eines eReaders schon in Vorleistung gegangen und das nicht, um den Verlagen einen Gefallen zu tun, damit die höhere Gewinne einstreichen können. (Leser unterscheiden zwischen guten und schlechten Büchern, nicht zwischen Verlags- und Selfpublishing-Büchern. Deshalb hängt der Selfpublisher in der gleichen Argumentationsfalle – sorry.)

9.99

Bis hierhin zahlt Amazon die 70 Prozent; bei teureren Büchern werden es wieder 35 Prozent. Damit steuert der Konzern sehr effektiv den Preisbereich, in dem Bücher für den Kindle angeboten werden.

Wenn eBooks für diesen Preis angeboten werden, dann müssen sie schon eine Menge Mehrwert bieten – oder es handelt sich um Sammelbände, die mehrere Bücher in einem Band zusammenfassen. Nach Möglichkeit mit einer Preisersparnis im Gegensatz zu den Einzelbüchern; das kommt bei Lesern gut an.

14.99 und jenseits

14.99 für ein eBook? Das kann ich nicht nachvollziehen und der Grund, warum manche Verlage solche Mondpreise für ihre Neuerscheinungen verlangen, erschließt sich mir nicht. Es handelt sich dabei um reine Gewinnmitnahmen, bei denen wirtschaftliche Erwägungen eine Rolle spielen, nicht der Leser.

Als Leser boykottiere ich daher solche „Angebote“ und warte entweder auf das günstigere Taschenbuch (die wenigsten Bücher sind so gut, dass man gleich am Erscheinungstag eine Ausgabe braucht) oder gehe in die Bibliothek.

Die Sache mit den Sachbüchern

Bis hierhin bin ich davon ausgegangen, dass es sich bei deinem Buch um Unterhaltungsliteratur handelt. Bei Sachbüchern stellt sich die Sache anders dar. Was macht denn den Wert von Fachliteratur aus? Es ist nicht der Wortwitz, die sprachliche Brillanz, der geschliffene Ausdruck, sondern einzig und allein die Information, die darin enthalten ist.

Angenommen, dein Buch löst ein Problem, für das dein Leser ansonsten einen teuren Spezialisten konsultieren, oder einen Experten beauftragen müsste? Durch dein Buch hat er eine Menge gespart – da ist es nur fair, wenn du deinen Teil daran verdienst.

Wie viel die Information in deinem Buch wert ist, musst du selbst wissen. Das kommt sichr auf den Fachbereich an, auf die Nachfrage und vor allem die Qualität und Einzigartigkeit deiner Informationen.

Für ein paar schnell aus dem Internet zusammenkopierte Seiten – oder einfach aus Wikipedia konvertierte Einträge, wie es zu Anfang des eBook-Booms vorgekommen ist – Geld zu verlangen, ist dagegen eine Frechheit, die für mich sogar schon in Richtung Betrug geht (selbst wenn es der juristischen Definition nicht genügt).

Print on Demand – Wie viel soll ich für meine Druckausgaben verlangen?

Die Preisgestaltung für Taschenbücher ist nicht ganz so frei wie bei eBooks – denn hier kommen schließlich die Herstellungs- und Transportkosten des Dienstleisters und sein Honorar dazu.

Als Faustregel habe ich für mich festgelegt, dass ich beim gedruckten Buch ein in etwa gleich hohen Honorar erreichen möchte, wie beim eBook. Dann schaue ich nach, was der nächst übliche Buchpreis ist und nehme den. Wenn die Druckversion also nach meiner Faustregel 11.13 kosten müsste, dann runde ich auf 10.90 ab. Ich muss dazu aber sagen, dass Printbücher für mich eher ein Randgeschäft sind – weniger als 2 Prozent meiner Bücher werden als Druckausgaben verkauft. Daher meine Regeln in diesem Bereich nicht durch Experimente oder Erfahrungen abgesichert, sondern durch Bauchgefühl. Auf der anderen Seite: Bauch habe ich genug 😉

Vielleicht hat ja einer von euch noch eine Idee – dann ab in die Kommentare damit. Ich bin für neue Erkenntnisse immer offen.

Wie geht es weiter?

Nachdem wir nun unser Buch draußen in der großen, weiten Welt haben, gibt es nur ein Problem: niemand weiß davon! Deshalb wird es in den nächsten Artikeln ums Buchmarketing gehen – welche Wege es gibt und welche Erfahrungen ich gemacht habe. Ich hoffe, ihr bleibt dran per RSS oder eMail. Bis dahin!

Der Autor: Matthias Czarnetzki begann als Banker, wurde Journalist und studierte Informatik, bevor er feststellte, dass Schriftsteller mehrere Leben führen können, aber nur für eins Steuern zahlen müssen. Er ist unabhängiger Autor und unterstützt andere Indie-Autoren dabei, den gleichen Respekt zu erlangen wie Indie-Musiker und Indie-Filmemacher, so dass sie ihren traditionell verlegten Kollegen in nichts nachstehen. Noch Fragen?

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2 Kommentare zu “Was nix kostet, ist auch nix wert – Preisgestaltung für Selfpublisher
  1. Weshalb sind Verlags-E-Books oft so teuer? Die Frage habe ich mir auch gestellt. Die einzige Erklärung für mich ist die: Diese Bücher werden meist auch nicht bei KDP Unlimited angeboten. Demzufolge werden sie auch bei anderen Online-Shops verkauft. Und dort gibt es oft diese Amazon-Regelung nicht mit 35%/70% Tantiemen. Gewisse Distributoren geben auch durchs Band 50 oder gar 60% Tantiemen weiter, egal wieviel die einzelnen Shops abwerfen.

    Aus dieser Überlegung heraus rentiert es sich, Mondpreise zu verlangen, weil dann in den Nicht-Amazon-Shops höhere Tantiemen erzielt werden können.

    Meine Bücher kosten jedenfalls 2.99, weil dies einfach der Marktpreis für Liebesromane ist. 3.99 würde vielleicht auch noch gehen, bei 4.99 kauft niemand mehr. Erst in Kombination mit KDP Unlimited würde dies vielleicht die Ausleihen befeuern und an denen verdient man gerade mal soviel, wie ein Preis von 2.99 hergibt.

    Interessant wäre die Erfahrung von verschiedenen Selfpublishern zu hören, wie sie ihre Preise gestalten und welche Erkenntnisse sich daraus ableiten lassen.

    Herzlichst
    Dein Martin Fischer

    • Hallo Martin,

      die Antwort hat zwar etwas länger gedauert, dafür ist sie aber auch etwas ausführlicher ausgefallen. Aber weil du gefragt hast, wollte ich ein paar Gedanken zu meinen Überlegungen der Preisgestaltung aufschreiben.

      Als erstes müssen Verlagsbücher (zumindest die Printausgaben) so teuer sein, da eine ganze Menge Leute mitverdienen wollen. Herstellung, Lagerung, Verkauf kosten Geld und müssen bezahlt werden. Würden Verlage ihre eBooks zu den Preisen anbieten, die rein kostendeckend sind, dann wäre die Befürchtung, dass innerhalb kürzester Zeit ihre gedruckten Bücher überhaupt nicht mehr verkauft würden – weil sich alle auf die digitalen Varianten stürzen. Natürlich findest du im Netz Beispielrechnungen von Verlegern, die auf Euro und Cent nachweisen, dass ein eBook in der Herstellung nicht billiger ist als ein Taschenbuch – überzeugen konnte mich mit der Argumentation aber bisher niemand.

      Außerdem hat ein Verlag auf jeden Fall höhere Kosten als ein Selfpublisher: Mieten für Büroräume, Gehälter für zusätzliches Personal – all das kostet und muss über die Verkaufspreise mit erwirtschaftet werden. Ein Verlagsbuch wird also immer teurer sein als das Buch eines Selfpublishers. Ob es auch besser ist, ist eine andere Frage – die sich nicht immer mit einem klaren Ja beantworten lässt.

      Als ich begann, mir Gedanken um die Preisgestaltung meiner Bücher zu machen, habe ich mir die gängigen Tantiemensätze von Verlagsautoren angeschaut und mir gesagt: Das will ich auch an jedem verkauften Buch verdienen. Also habe ich die Wunschtantieme genommen, die dreißig Prozent von Amazon draufgeschlagen und bin bei 2.99 als Verkaufspreis gelandet. Sowas passiert, wenn die ganzen Zwischenstationen entfallen und dort niemand mehr bezahlt werden muss.Zu dem Zeitpunkt habe ich meine Bücher aber auf Basis von Gegenseitigkeit korrigieren lassen, das Cover selbst gestaltet und ähnliche Sparmaßnahmen ergriffen, so dass keine weiteren Kosten anfielen. Später bin ich aber dazu übergegangen, meine Manuskripte professionell korrigieren zu lassen. Das war besser für das fertige Buch. Damals habe ich den Preis für die meisten meiner Bücher auf 3.99 hochgesetzt. Seitdem verkaufe ich zwar signifikant weniger als für 2.99, aber ich wollte auch für mich ein Zeichen setzen, dass die Bücher viel Arbeit kosten und viel Herzblut in ihnen steckt und es kein Billigprodukt ist.

      Wahrscheinlich würde ich mit Preisaktionen und günstigeren Preisen mehr verkaufen – aber wie so vieles in der Buchwelt läuft auch das hier über Bauchgefühl und eine gewisse Sturheit mir selbst – und ja: auch meinen Lesern – gegenüber.

      Viele Grüße aus Leipzig
      Matthias

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