Der kleine Unterschied im Aufbau von Printbüchern und ebooks

Was macht eigentlich ein Selfpublisher?
Der kleine Unterschied im Aufbau von Printbüchern und ebooks

Es gibt eine Sache, die Printbücher dem eBook voraus haben: eine rund fünfhundertjährige Geschichte. In dieser Zeit hat sich beim Leser eine gewisse Vorstellung festgesetzt, wie ein „richtiges“ Buch auszusehen hat. Während beim eBook noch alles neu und offen ist, also Experimente ohne weiteres möglich sind, gibt es beim Printbuch Regeln, die ein Selfpublisher berücksichtigen sollte – wenn er will, dass sein Buch von Lesern gemocht wird.

Der formelle Aufbau eines Printbuchs lautet:

  • Schmutztitel
  • Leerseite
  • Titel
  • Impressum
  • Text

Mittlerweile gibt es auch bei Verlagsbüchern einige Abweichungen davon, gehen wir also durch die einzelnen Punkte und sehen wir, wie die Seiten optimal genutzt werden können.

Der Schmutztitel

…hat seinen Namen aus einer Zeit, als die fertigen gedruckten Bücher von der Druckerei zum Buchbinder transportiert wurden – noch ohne Buchumschlag. Das ist heute nicht mehr notwendig, aber ab und zu kann es vorkommen, dass der Umschlag mit dem ersten Blatt des Buchblocks durch überschüssigen Leim verklebt ist. Damit durch so einen Fehler die Titelseite nicht verloren, hat so ein Schmutztitel auch heute noch seine Existenzberechtigung. Aus dem gleichen Grund sollte auch die letzte Seite des Buchblocks leer sein. Manche PoD-Dienstleiste drucken dorthin auch ihre Werbung, aber das braucht uns nicht zu stören.

Die (nicht ganz so leere) Leerseite

Die Seite nach dem Schmutztitel sollte nicht für allzu Wichtiges genutzt werden. Sie kann frei bleiben oder aber für eine Autorenbiografie, den Verweis auf andere Werke, Widmungen und Ähnliches herhalten

Titel

Der Titel muss ganz einfach auf einer ungeraden, beziehungsweise beim aufgeschlagenen Buch, einer rechten Seite beginnen. Autor, Titel und eventuell eine Widmung haben hier ihren Platz und sollten auch ansprechend designt sein.

Impressum

Das Impressum hat den Zweck, den Urheber eines Werkes kontaktieren zu können. Daher steht hier der Name und Anschrift des Verlags oder des Autoren, auch die Credits für andere Beteiligte, zum Beispiel den Fotografen des Coverbilds, den Layouter, Grafiker haben hier ihren Platz. Das sind aber die offizielen/juristischen Credits – für die Danksagungen richtet lieber ein paar persönliche Worte in einem eigenen Kapitel nach dem Text ein.

Der ganze Rest

Jetzt kommt der eigentliche Inhalt des Buches. Auch er beginnt auf einer ungeraden/rechten Seite – und auch hier sollte erst die Seitennummerierung angezeigt werden. Wenn ihr euch an den hier gegebenen Aufbau orientiert, ist das Seite Nummer 5.
Wie genau der weitere Aufbau des Buches aussieht, kann euch ein Buchlayouter sagen – ein leider aussterbender Beruf, aber wenn ihr mit eurem Druckbuch Eindruck schinden wollt, dann versucht einen zu finden.

Damit nun die ganze Sache rund wird, widmen wir uns nun dem Aufbau eines eBooks.

Was gehört wohin im eBook – und warum?

Hier ist mein Vorschlag zum Aufbau eines ebooks, angelehnt an die Empfehlungen von Joe Konrath.

  • Cover – das sollte klar sein. Ist beim Printbuch ja genau so.
  • Titelseite – Begründung wie 1.
  • Klappentext – ein ebook kann man nicht einfach umdrehen und hinten die Zusammenfassung lesen. Und wer eine Menge ebooks auf seinem Reader hat, wird eine schnell zu findende Zusammenfassung zu schätzen wissen. Wenn möglich, hier hin die Startposition des ebooks setzen.
  • (Nur bei Sachbüchern!) Das Inhaltsverzeichnis – es gibt einen guten Überblick über die behandelten Themen. Damit weiß der potenzielle Leser, was ihn im Buch erwartet.
    Bei Romanen sollte das Inhaltsverzeichnis jedoch erst nach dem Text eingefügt werden. Warum? Weil die automatisch erzeugte Leseprobe bei Amazon&Co meist die ersten 5-10% des Buches umfasst. Bei Belletristik sollte der Leser mit dem Text überzeugt werden. Von Büchern, bei denen die Leseprobe nach Impressum und Inhaltsverzeichnis bereits endet, kann ich mir als Leser keinen Eindruck verschaffen. Und das ist zumindest bei mir ein Ausschlusskriterium.
  • Der Text – ohne wäre irgendwie sinnlos.
  • (bei Romanen!) Das Inhaltsverzeichnis.
  • Das Impressum – muss ja auch irgendwo hin. Da soll es wenigstens nicht den wertvollen Leseprobenplatz verschwenden.
  • Weitere Bücher/Leseproben vom gleichen Autor – oder von befreundeten Schriftstellern. Schließlich will man ja den Leser auf die eigenen Bücher aufmerksam machen und ihn nicht auf einige zufällig von Amazon ausgewählte Werke verlieren.

Als ich diesen Vorschlag auf meinem Blog veröffentlicht habe, gab es noch ein paar Kommentare dazu. Einige Anregungen können auch für dich ganz nützlich sein, daher hier die Zusammenfassung:

Ein Personenregister vor dem Text: eine kurze Vorstellung der handelnden Personen – ist vielleicht noch aus dem Deutschunterricht bekannt. Bei Dramen ist das üblich. Ob es das auch beim Roman ist, muss dein Bauchgefühl entscheiden. Ich merke mir Personen besser, wenn ich sie und ihre Bedeutung im Lauf der Handlung kennenlerne und einordnen kann, andere kommen mit dieser Referenz besser zurecht.

Ein Wort an den Leser nach dem Text: Das ist eine wichtige Sache. Leserfeedback und Mundpropaganda sind für einen Indie-Autoren lebensnotwendig. Da die wenigsten Leser sich dessen bewusst sind, ist es wirklich vorteilhaft, gleich nach dem Ende des Texten ein paar Worte an ihn zu richten, um eine Rezension zu bitten oder auf die eigene Website hinzuweisen, auf der er weiterem Lesestoff finden kann. Das sollte in keinem Buch fehlen (egal ob digital oder analog)

Ein Glossar nach dem Text: Das betrifft nicht nur Sachbücher. Wer zum Beispiel historische Romane schreibt oder Handlungen, die an fernen Orten spielen, hat das eine oder andere Fremdwort, dass erklärungsbedürftig ist. Damit der Leser nicht gleich aufspringen und zum nächsten Duden rennen muss, fügt ein Glossar mit den notwendigen Hintergrundinformationen ein. Das beugt Missverständnissen vor.

So, nachdem das alles geklärt ist, widme ich wie versprochen im nächsten Beitrag der Preisgestaltung von Taschenbüchern und eBooks.

Wie immer: bleibt dran per RSS oder eMail!

Der Autor: Matthias Czarnetzki begann als Banker, wurde Journalist und studierte Informatik, bevor er feststellte, dass Schriftsteller mehrere Leben führen können, aber nur für eins Steuern zahlen müssen. Er ist unabhängiger Autor und unterstützt andere Indie-Autoren dabei, den gleichen Respekt zu erlangen wie Indie-Musiker und Indie-Filmemacher, so dass sie ihren traditionell verlegten Kollegen in nichts nachstehen. Noch Fragen?

Veröffentlicht in ePublishing, Verlegen Getagged mit: , , ,

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*