Ist Print on Demand etwas für dich? – Taschenbücher per Createspace, Lulu & Co

Was macht eigentlich ein Selfpublisher?
Ist Print on Demand etwas für mich? – Taschenbücher per Createspace, Lulu & Co

Auf’s eBook kam ich 2010 eher durch Zufall. Bis dahin hieß ein Buch für mich: Papier. Erst durch KDP und ein paar Monate später durch meinen eigenen Kindle bin ich auf den eBook-Geschmack gekommen. Und seitdem dabei geblieben.

Das eBook bietet meiner Meinung nach für Selfpublisher die wesentlich besseren Chancen: es fallen keine Druckkosten an, die Verteilung erfolgt über Online-Shops, also entfallen Lager- und Transportkosten. Ein Leser, einmal überzeugt, hat Sekunden später das Buch auf dem Lesegerät. Die niedrigeren Kosten bieten gerade bei einer preisbewussten Leserschaft einen immensen Vorteil gegenüber dem klassischen Verlagswesen (die Preisgestaltung von eBooks und PoD-Büchern ist ein eigenes Kapitel, zu dem ich nächste Woche kommen werde). Beim eBook ist nichts in Stein gemeißelt. Bei Fachbüchern kann ich geändertes Wissen sofort ins Buch schreiben und die neue Version hochladen; bei gedruckten Exemplaren muss die gedruckte Auflage eingestampft oder verrammscht werden. Print on Demand ist da ein Kompromiss: ein Buch wird erst zu genau dem Zeitpunkt gedruckt, zu dem es bestellt wurde. Auch hier wird nach dem Hochladen einer geänderten Druckvorlage sofort das neue Exemplar hergestellt.

Das Verhalten meiner Leser scheint mir Recht zu geben; ein halbes bis ein Prozent meiner Bücher werden pro Jahr als Printausgabe gekauft. Da ich aber hauptsächlich über Social Media Kanäle bekannt bin und somit Menschen anspreche, die sowieso neuer Technik gegenüber aufgeschlossen sind, können diese Zahlen schlicht und einfach ein Spiegel meiner Marketingstrategie sein.

Ist Print nicht tot?

Bei den vielen Vorteilen des eBooks, sollte sich ein Selfpublisher da überhaupt noch mit Print on Demand beschäftigen?

Fakt ist, dass digitale Leser in Deutschland eine Minderheit sind. Der durchschnittliche Leser greift zum gedruckten Buch und der bekommt durch Print on Demand die Möglichkeit, auch meine Krimis zu lesen.

Bevor du nun losstürmst und deine Druckvorlage erstellst, solltest du dir die Konditionen der verschiedenen Anbieter genau ansehen.

BoD, die in Deutschland lange Zeit die Vorreiterrolle im Bereich Selfpublishing inne hatten, bestand zum Beispiel auf einer mindestens fünfjährigen Vertragslaufzeit mit einem vom Leistungsumfang abhängigen Paketpreis und regelmäßig anfallenden Datenhaltungsgebühren und einer relativ hohen Ablöse, falls man eher aus dem Vertrag raus wollte. Das hat sich erst vor einigen Monaten auf Druck des Marktes geändert – leider nur für Neuverträge. Bestandskunden bleiben weiterhin an den Anbieter gebunden.

Auf der anderen Seite des Spektrums liegt Createspace. Die Erstellung der Bücher ist relativ leicht, eine ISBN wird kostenlos dazu gegeben, die Herstellungskosten sind niedrig und als Selfpublisher kann man selbst mit einem preiswerten Taschenbuch noch etwas verdienen. Nachteil: Createspace ist eine Tochter von Amazon. Die Bestellung und Auslieferung der Bücher erfolgt über diese Firma – und nicht alle mögen deren Geschäftsgebaren. Der Buchhandel hat Schwierigkeiten, Createspace-Bücher zu bestellen, denn die zugeteilte ISBN gehört zum amerikanischen Nummernkreis. Für deutsche Buchhandlungen entspricht daher die Bestellung eines Createspace-Buchs einer Auslandsbestellung, auch wenn die Bücher in Leipzig gedruckt werden. Also viel Arbeit für wenig Geld; das mag nicht jeder.

Dazwischen liegen eine Reihe anderer, meist kleinerer Anbieter. Lulu.com war der erste PoD-Anbieter, der sich rein über eine Umsatzbeteiligung am verkauften Buch finanzierte, aber wie Createspace den Nachteil hat, sich hauptsächlich auf den englischen Teil der Buchwelt zu konzentrieren. So distributiert Lulu zwar die dort veröffentlichten eBooks auch über itunes – aber nur, wenn sie auf englisch geschrieben sind. Solche kleinlichen Sprachschranken sind in einer globalisierten Welt nur noch unverständlich.

Shaker-Media ist ein deutscher Anbieter. Der Vorteil liegt hier in der Zuteilung einer deutschen ISBN, so dass dein Buch dann im normalen Buchhandel ohne Schwierigkeiten zu bestellen geht, aber die Herstellungskosten sind höher, so dass die fertigen Taschenbücher oft über dem Preis eines Hardcovers liegen und so nur schwer Leser finden.

Bei mir ist die Lösung vom Pragmatismus bestimmt: Ich lasse meine Printbücher über Createspace herstellen, da es das beste Preis-Leistungs-Verhältnis hat und die Qualität akzeptabel ist (die Qualität gefällt mir bei Lulu besser, aber dort kostet ein Buch im gleichen Umfang fünfzig Prozent mehr). Außerdem habe ich einige Exemplare zu Hause vorrätig, denn es kommt durchaus vor, dass die eine oder andere Buchhandlung bei mir ein Exemplar anfragt.

PoD in Praxis – die Herstellung der Druckvorlagen

Bei den Druckvorlagen für die PoD-Dienstleister zahlt sich die penible Beachtung der Vorgaben aus – ansonsten kann es sein, dass die Vorlage abgelehnt wird oder das Buch nur über den Online-Shop des Anbieters erhältlich ist, nicht über Partnershops wie Amazon. Diese Vorgaben sind überall anders. Das hängt mit der Art der eingesetzten Maschinen zusammen, da müssen bestimmte Seitenränder eingehalten werden, die Seitenanzahl des Buchblocks muss durch 4, 8 oder 16 teilbar sein und so weiter.

Aus diesem Grund werden bei PoD meist feste Formatgrößen vorgegeben. Hier lohnt es sich, die Herstellungskosten vorher zu kalkulieren. Je näher dein Buchformat einer der Standardgrößen A5 oder A4 kommt, desto kostengünstiger (da weniger Verschnitt anfällt) lässt es sich herstellen. So ist ein Buch im A5-Format bei gleicher Seitenanzahl wesentlich günstiger in der Herstellung (und damit auch im Endpreis) als ein gleich dickes Buch in einer „krummen“ Taschenbuchgröße.

Außerdem gibt es bestimmte formale Vorgaben. Bei einigen Anbietern muss die letzte Seite frei bleiben (dort werden dann bestimmte Druckangaben eingefügt), andere fügen die Angaben automatisch auf dem Rückcover ein, bei wieder anderen musst du es selbst tun.

Bei den meisten Anbietern kannst du dir eine Word-Vorlage herunterladen und deinen Text einfügen. Nachdem du deinen Text eingefügt und so formatiert hast, wie er dir gefällt, ist es am besten, das Ergebnis als PDF abzuspeichern (was OpenOffice seit Ewigkeiten kann und Word der Legende nach seit kürzestem auch, vorausgesetzt, du findest die Funktion in den Ribbons) und diese Datei hochzuladen, denn damit hast du die beste Kontrolle über das Endergebnis.

Nachdem der Buchblock (also der Innenteil) fertig ist, kommt das Cover dran. Sogar Amazon/Createspace haben mittlerweile Covercreator-Programme an Bord. Mit denen wird das Frontcover und das Rückcover gestaltet und ein Text eingegeben, der auf den Buchrücken kommt. Das ganze geschieht online und es liegt in der Natur dieser Sache, dass das Ergebnis „nicht individuell“ ausfällt. Es muss nicht schlecht sein, und manchmal ist einfach auch genau richtig. Aber mein Ding ist es nicht.

Ich bevorzuge Vollflächencover. Das heißt, anhand der Dicke des Buchblocks, die von Seitenzahl und Papiersorte abhängt, werden die Maße für den Umschlag berechnet und der als eine Datei bearbeitet. Da muss man ziemlich aufpassen, denn dazu kommt noch ein Verschnittrand, ein Sicherheitsbereich, in dem nichts gedruckt werden darf/sollte und irgendwo (beziehungsweise nicht irgendwo, sondern millimetergenau da, wo die Vorgaben es haben wollen) musst du selbst noch den Strichcode für deine ISBN einfügen. Entweder du hast Erfahrung oder (was die bessere Variante ist) einen Designer, der dir sowieso schon dein Cover entworfen hat und dir anhand der Vorlage das passende Vollflächencover zusammenbaut.

Falls du dir trotzdem die Erfahrung aneignen willst: für die Coverbearbeitung benutze ich entweder Scribus oder InkScape; beides OpenSource-Programme die kostenlos verfügbar sind, in ihrem Funktionsumfang aber alle Grundbedürfnisse eines angehenden Coverdesigner erfüllen. Außer in manchen Fällen das Bedürfnis nach einfacher Bedienbarkeit.

Die Dateien für den Buchblock und das Cover brauchen nur noch hochgeladen zu werden und die technische Prüfung zu überstehen, dann könntest du anfangen, die Werbetrommel zu rühren. Ich empfehle aber vorher dringend, dir selbst ein gedrucktes Exemplar, eine Proof Copy, zu bestellen. Bei manchen Anbietern (z.B. Createspace) ist dieser Schritt optional, bei anderen (z.B. Lulu.com) nicht. Selbst wenn es optional ist, und selbst wenn die Versandkosten höher sind als die für’s Buch und die Lieferzeit Wochen beträgt – tue es trotzdem. Besser, du entdeckst einen Fehler und korrigierst ihn, als das ein Leser ihn entdeckt und dein Buch verreißt.

Soweit erst einmal zur Druckvorlage. Es gibt noch ein paar formale Aspekte zu beachten, deshalb geht es nächste Woche doch noch nicht um die Preisgestaltung, sondern um den korrekten Aufbau eines Taschenbuchs und eines eBooks. Bis dahin!

Wie immer zum Schluss der Rat: bleibt per RSS oder eMail am Ball! Und bei Fragen: einfach rein in die Kommentare damit – ich kümmere mich drum. Versprochen.

Der Autor: Matthias Czarnetzki begann als Banker, wurde Journalist und studierte Informatik, bevor er feststellte, dass Schriftsteller mehrere Leben führen können, aber nur für eins Steuern zahlen müssen. Er ist unabhängiger Autor und unterstützt andere Indie-Autoren dabei, den gleichen Respekt zu erlangen wie Indie-Musiker und Indie-Filmemacher, so dass sie ihren traditionell verlegten Kollegen in nichts nachstehen. Noch Fragen?

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