Beurteile ein Buch nicht nach seinem Cover – schön wär’s!

Was macht eigentlich ein Selfpublisher?
Beurteile ein Buch nicht nach seinem Cover – schön wär’s!

Menschen sind Augenwesen. Und das erste, war ein zukünftiger Leser von deinem Buch sieht, ist sein Cover (und in den meisten Fällen: eine briefmarkengroße Version davon). Nicht die spannende Geschichte, die faszinierenden Charaktere, ihre tiefen Abgründe, die geschliffene Sprache, der brillante Humor – sondern das Bild vorn drauf.

Dieses Bild entscheidet, ob er sich das Buch ansieht oder anklickt und einen zweiten Blick riskiert.

Dein Cover macht vielleicht neunzig Prozent deines Erfolges aus. Klingt – für einen Schreiber – deprimierend, ist aber so.

Nichts verrät auf einen Blick schneller, ob es sich um die Arbeit eines Amateurs oder eines Profis handelt. Wenn du es dir leisten kannst, dann beauftrage einen Designer. Einen mit Erfahrung. Und nein – deine Schwester/Frau/Tante zählt nicht, auch wenn sie die Wohnung so schön dekoriert hat. Coverdesign hat ganz eigene Regeln und du braucht jemanden, der diese Regeln kennt. Ein guter Designer kennt sie – und er schafft in wenigen Stunden das, wofür du vielleicht Tage oder Wochen brauchst.

Aber ich möchte dich nicht davon abhalten, es selbst auszuprobieren. Im Lauf der Zeit habe ich einige der Punkte erkannt, die ein gutes von einem schlechten Cover unterscheiden. Hier sind meine Erkenntnisse:

Als ich gegen Ende der Neunziger begann, mich mit Selfpublishing zu beschäftigen, war das kaum mehr als ein Synonym für Print on Demand. Die Vorderseite wurde so gestaltet, dass sie einem Verlagserzeugnis möglichst nah kam. Ausgefeilte Grafik, Details, Schriftkunst. Es gibt da nur ein kleines Problem:

Bei einer Taschenbuchgröße von 17 x 13 cm und 300dpi stehen 7830708 Pixel zur Verfügung. Bei einem ebook-Cover sind es 800 x 600 = 480.000 Pixel. Das klingt immer noch nach viel – ist aber ein Irrtum. Denn der erste Eindruck, den der Leser vom Buch bekommt, wird mit höchster Wahrscheinlichkeit das 68 x 90 Pixel große Icon sein, welches in der Ergebnisliste von Amazon angezeigt wird. Damit sind es nur noch 6120 Pixel, die zur Verfügung stehen, um die Aufmerksamkeit des Lesers zu fesseln.

UPDATE: Hier muss ich mich korrigieren. DieDesignerin von www.coveria.de hat in den Kommentaren darauf hinwiesen, das das Vorschaubild in der Ergebnisliste von Amazon 115 x 160px – damit stehen 18400 Pixel zur Verfügung. Das ist zwar das dreifache von meinem Wert – aber im Vergleich zum vollflächigen Cover immer noch verschwindend wenig.

Deshalb lautet Empfehlung 1:

1. Entwirf dein ebook-Cover in Icon-Größe.

Ein Cover auf Taschenbuch-Größe zu entwerfen und anschließend zu verkleinern wird zu einem unleserlichen Icon führen. Zumindest der Titel sollte auch auf Icon-Größe noch deutlich zu lesen und die Grafik mehr als ein bunter Klecks.

Manche Cover verzichten vollständig auf die Grafik und verwenden nur die Schrift, so wie ich es bei meinen Kurzgeschichten getan habe:

Das Flusspferd, das Posaune blies (Kurzgeschichte) (Kindle Edition)


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Kapitän Nük und die Suche nach Nirgendwo (Kurzgeschichte) (Kindle Edition)


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Heute haben sich aber grafisch gestaltete Cover durchgesetzt.

2. eBook-Cover sind kein Platz für Feinheiten

Serifenschriften, Details, Farbnuancen – all das geht verloren, wenn ein Cover verkleinert wird. Falls dir dennoch daran liegt, dann entwirf zwei Cover:

  1. Eins, das ins eBook eingebunden wird. Hier musst du nur damit leben, dass es auf eink-Geräten nur Schwarz-Weiß dargestellt wird.
  2. Ein zweites, das als Marketingbild im Shop verwendet wird – und das MUSS auf Icon-Größe umwerfend aussehen.

3. Die Hintergrundfarbe der meisten eBook-Shops ist weiß

Ich bin als Informatiker ein notorischer Faulpelz. Im beruflichen Umfeld wird das als Nutzung von Synergieeffekten als Vorteil verkauft, denn es bedeutet nichts anderes, als dass ich ein Problem nur einmal löse und diese Lösung später wiederverwenden kann (obwohl sie zwei Mal in Rechnung gestellt wird 😉 ).

Ähnlich bin ich mit meinen Büchern vorgegangen. Wie erwähnt, gab es eBooks noch nicht, als meine ersten Cover entstanden. Ich hatte ein sich ständig wiederholendes Grundlayout, das den Wiedererkennungseffekt ausnutzte und dazu noch gut aussah. Dabei habe ich auf eine weiße Grundfläche gesetzt (ein wohltuender Kontrast zu den weit verbreiteten Vollbild-Covern). Diese Cover habe ich auch als Cover für die ebook-Ausgaben benutzt:

Lutetia Stubbs: KellerLeichen (Neuausgabe) (Taschenbuch)


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gebraucht ab: EUR 8,24 Auf Lager

Ich denke, das Problem ist offensichtlich: genauso wie Schneehasen auf Schnee nahezu unsichtbar sind, ist dieses Cover sagen wir: unauffällig.

Um sich – zumindest vom Hintergrund – abzuheben, reicht manchmal eine leichte Einfärbung. Alles, bloß nicht weiß. Oder zumindest ein Rahmen, der das Bild vom Hintergrund abgrenzt.

Diese Tipps helfen erst einmal die gröbsten Fallen zu umgehen – sicher gibt es noch mehr zu sagen.

Ähnlichkeiten nutzen

Erfahrungen aus dem Buchhandel zeigen, dass Leser Bücher schon anhand der Cover in eine mentale Schublade stecken. Romanzen haben meist einen muskelbepackten Mann, der aus mysteriösen Gründen kein Hemd, dafür eine optisch makellose Frau im Arm hat. Chick-Lit hat Wolken, Vampirromane Zähne (daher die interne Bezeichnung Wolkenbücher und Nackenbeißer) oder religiöse Symbole mit Blut. Das ändert sich, genau wie die Mode, von Saison zu Saison. Wenn du dich mit deinem Buch an den Erfolg der etablierten Bestseller anhängen möchtest, dann schau dir ihre Cover an und gestalte deins so ähnlich (Aber nicht bloß kopieren, das gibt Ärger mit dem Urheberrecht!). Das hat nichts mit Mangel an Kreativität zu tun – sondern mit den so oft beschworenen Synergieeffekten.

Ein Plan muss sein

Bevor du dich nun an die Erstellung deines Covers machst, überleg genau, was du damit erreichen willst. Denn auch hier gilt der alte Spruch: Für den ersten Eindruck gibt es keine zweite Chance.

Ein Foto auf dem Cover deutet für mich auf eine realistische Geschichte hin – etwa ein Liebesroman oder eine Biografie, die sich wirklich so zugetragen haben könnte. Meine Lutetia-Stubbs Romane könnten sich zwar so auch in der Realität abspielen, sind aber derartig überzeichnet (mit Absicht!), dass ich dort comicartig verfremdete Bilder verwende (Zur Information: der Ausgangspunkt für diese Grafik war ein Foto der Skyline von Passau).

Mit Bilddatenbanken hatte ich mich in der Vergangenheit nicht abgegeben – in dem Irrglauben, dass ein fremder Fotograf wohl kaum den Spirit meiner Bücher einfangen könnte. Vor allem, wenn er sie nicht einmal kennt. Dann kam mir das Buch Mia und die Langschläfermützen von Christina Flettner unter.

Mia und die Langschläfermützen (Kindle Edition)


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Das Cover und alle im Buch vorhandenen Grafiken stammen aus der Bilddatenbank fotolia und passen so gut zusammen, als hätten Grafiker und Autorin Hand in Hand zusammengearbeitet.

Wenn du also auf der Suche nach einem guten Motiv bis (egal ob fürs Cover oder für den Innenteil) lohnt sich ein Blick in die größeren Bilddatenbanken.

Achte dabei exakt auf die Lizenzbedingungen. Viele stellen ihre Werke unter eine Creative Commons Lizenz, erlauben also ihre Verwendung. Zu welchen Bedingungen ist unterschiedlich. Manche Werke sind vollständig freigegeben, andere dürfen nicht verändert werden. Meist ist die Namensnennung des Künstlers Pflicht, andere wollen eine (geringe) Gebühr. Halte dich daran. Genauso, wie du deine Urheberrechte respektiert haben möchtest, solltest du die der anderen respektieren.

Soweit mein Ausflug ins Thema Coverdesign – aber mein Tipp lautet wirklich: lass es jemanden machen, der sich damit auskennt. Und wenn du es dir nicht von vorn herein leisten kannst, dann lass ein neues Cover gestalten, sobald du mit deinem Buch etwas Geld verdient hast – dein Erfolg wird es dir danken.

Nachdem du jetzt die Verpackung fertig hast, geht es an den Inhalt. Damit meine ich diesmal nicht die Geschichte, sondern die notwendigen eBook-Dateien oder Druckvorlagen. Mit deren technischen Feinheiten beschäftige ich mich nächste Woche.

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Der Autor: Matthias Czarnetzki begann als Banker, wurde Journalist und studierte Informatik, bevor er feststellte, dass Schriftsteller mehrere Leben führen können, aber nur für eins Steuern zahlen müssen. Er ist unabhängiger Autor und unterstützt andere Indie-Autoren dabei, den gleichen Respekt zu erlangen wie Indie-Musiker und Indie-Filmemacher, so dass sie ihren traditionell verlegten Kollegen in nichts nachstehen. Noch Fragen?

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2 Kommentare zu “Beurteile ein Buch nicht nach seinem Cover – schön wär’s!
  1. Ein schöner Beitrag über ebook-Cover. Wer gut schreiben kann, ist noch lange kein/e gute/r Coverdesigner/in. Aber da gibt es ja viele Möglichkeiten, externe Dienstleister zu beauftragen oder ein premade-Cover zu kaufen, wie ich sie anbiete.

    Eine kleine Anmerkung noch zu den Bildgrößen: Das Vorschaubild in der Ergebnisliste von Amazon misst 115 x 160px und ist damit doch ein klein wenig größer als du geschrieben hast.

  2. Danke für den Hinweis – ich hab’s gleich im Artikel korrigiert. Ist doch immer wieder gut, wenn ein Profi mitliest!

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