Menschen machen Fehler – Fehler machen menschlich

Ich habe vor langer Zeit von einem Autorenkollegen mal folgendes gehört:

Meine Gedichte sind nie fertig. Aber irgendwann entscheide ich, sie zu verlassen.

So lange wir leben, lernen wir, verbessern uns, sammeln Erfahrung. Ein Buch zu schreiben nimmt eine lange Zeit in Anspruch – auch in dieser Zeit verändern wir uns. Das Buch, das wir beenden, ist vielleicht nicht ganz das, was wir begonnen haben. Vielleicht sind wir nicht ganz zufrieden mit dem, was wir geschaffen haben. Wenn uns das schon zur Hälfte des Buches passiert – sollten wir dann aufgeben? Nein. Wenn es nach dem ersten Entwurf so weit ist – sollten das Manuskript dann in der Schublade verschwinden? Nein. Wenn es nach der ersten oder zweiten Überarbeitung immer noch nicht perfekt ist, sollte es dann verbrannt werden? Nein.

Irgendwann ist der Zeitpunkt gekommen, das Buch loszulassen. Auf einen Leser. Wenn er sagt, es ist Mist – dann ist es Mist. Aber lass ein Buch nicht am eigenen Perfektionismus scheitern.

Ich glaube, es gibt keinen Schriftsteller, der jemals über sein eigenes Buch gesagt hat, es ist perfekt und es gibt nichts – absolut nichts – was daran noch verbessert werden könnte.

Was mir beim Schreiben sehr oft weiterhilft, ist ein Tweet, der ab und zu als Schreibtipp durch die Timeline schwirrt:

Der erste Entwurf muss nicht perfekt sein. Der einzige Zweck des ersten Entwurfs ist: zu existieren.

Dann tippe ich über Formulierungsschwierigkeiten hinweg – die werden in der ersten Überarbeitung korrigiert. Gibt es dann noch Fehler? Wahrscheinlich – die findet das Korrektorat in der zweiten Überarbeitung. Ist es dann perfekt? Nein. Denn Bücher werden von Menschen geschrieben. Und Menschen machen Fehler. Das ist kein Grund aufzugeben.

PS: Das Menschen Fehler machen ist aber keine Entschuldigung für einen schlechten Text, Rechtschreibfehler und schwache Grammatik. Unsere Leser verdienen die bestmöglichen Bücher, also geben wir ihnen unser Bestes – nicht weniger. Auch wenn es nicht perfekt ist.

Der Autor: Matthias Czarnetzki begann als Banker, wurde Journalist und studierte Informatik, bevor er feststellte, dass Schriftsteller mehrere Leben führen können, aber nur für eins Steuern zahlen müssen. Er ist unabhängiger Autor und unterstützt andere Indie-Autoren dabei, den gleichen Respekt zu erlangen wie Indie-Musiker und Indie-Filmemacher, so dass sie ihren traditionell verlegten Kollegen in nichts nachstehen. Noch Fragen?

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Ein Kommentar zu “Menschen machen Fehler – Fehler machen menschlich
  1. Ein wunderschöner Beitrag, der mir aus der Seele spricht. Das ist genau auch meine Erfahrung, vor allem mit meinem Debüt-Roman. Ihn jetzt, wo ich meine Fähigkeiten weiterentwickelt habe, ändern zu wollen, ist wie wenn man ein fertig gebautes Haus hinterher total umbauen möchte. Eine Riesen-Schweinerei und am Ende siehts doch nicht besser aus.
    Wenn die Geschichte stimmt und die Gefühle der Leserinnen angesprochen werden, kann/muss ich mit gewissen baulichen Unterentwicklungen leben.

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