Die Pickwickier. Menschen ändern sich eben doch nicht.

Wem der Name nichts sagt: Pickwickier ist der erste Roman von Charles Dickens – ja, dem englischen Schriftsteller, der vor zweihundert Jahren ein literarischer Superstar war und der erst kürzlich durch Dogder, dem neuen Roman von Terry Pratchett – der heute der literarische Superstar Englands ist – in mein Bewusstsein rückte. Klingt etwas chaotisch? Klar. Stammt ja auch aus dem selben Land, das uns Monty Phyton und Doctor Who bescherte.

Mr. Pickwick ist ein etwas weltfremder, aber äußerst selbstverliebter Gentleman, der den Anspruch erhebt, ein Förderer und selbst auch ein begnadeter Wissenschaftler zu sein – die Pickwickier sind sein Fanclub. Treu ergebene Männer mittleren Alters mit nur loser Verbindung zum Leben in der Realität. Diese Männer gehen auf Expedition. Da ferne Länder zu anstrengend sind, entscheidet man sich für das nahe Land, quasi das Stück Erde vor der Haustür. Der Ausflug der weltfremden Gestalten in die Niederungen des wirklichen Lebens brachte Dickens den Durchbruch – und das vollkommen zu recht. Zu lesen, wie diese Gelehrten an den einfachen Aufgaben des Alltags scheitern, ist heute noch genauso amüsant wie damals.

Wirklich bewusst geworden ist mir das bei der Beschreibung des Wahlkampfs in einem kleinen Örtchen. Die Blauen und die Gelben sind hoffnungslos verfeindet – jeder Vorschlag des Gegners wird niedergemacht, jede Aktion sabotiert. Das könnte auch vor vierzehn Tagen irgendwo in Deutschland passiert sein. Gut, vielleicht auch nicht, wir sind hier wohl zu unaufgeregt. Aber in England wäre das schon möglich – heute wie vor zweihundert Jahren.

PS: Ich empfehle die eBook-Version; 600 Seiten sind etwas sperrig für die Jackentasche.

Der Autor: Matthias Czarnetzki begann als Banker, wurde Journalist und studierte Informatik, bevor er feststellte, dass Schriftsteller mehrere Leben führen können, aber nur für eins Steuern zahlen müssen. Er ist unabhängiger Autor und unterstützt andere Indie-Autoren dabei, den gleichen Respekt zu erlangen wie Indie-Musiker und Indie-Filmemacher, so dass sie ihren traditionell verlegten Kollegen in nichts nachstehen. Noch Fragen?

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