Weniger Leser sind mehr.

Im Kommentar zu meinem Post Warum Schach für Autoren gut ist. stellte Cina Bard vollkommen zu recht fest, dass es aber auch Leser gibt, die einen epischen oder ruhigen Anfang bevorzugen. Wie kann der Autor nun seinem Stil treu bleiben und trotzdem Leser erreichen?

Die Lösung ist einfach: er kann es nicht. Das ist aber auch nicht schlimm. Jeder Autor hat seine spezielle Leserschaft. Für die sollte er schreiben. Dann kann auch der Anfang gemächlich sein – wenn es das ist, was seine Leser möchten, wird er damit Erfolg haben.

Dazu muss der Autor nur genau wissen, wer seine Leser sind. Meine Leser sind Fans von Tom Sharpe, Terry Pratchett und allem dazwischen. Deren Bücher fangen schnell und zuweilen chaotisch an, deshalb werden sie auch Bücher mit schnellen und chaotischen Anfängen lesen.

Andere Leserschaften haben es eben gern episch und ruhig; diese werden mit meinen Anfängen nicht zurecht kommen. Dafür aber mit langen Einführungen, die für mich ein K.O.-Kriterium darstellen.

Da es wesentlich weniger Autoren als Leser gibt, wird es jeden Autor eine mehr oder weniger große Leserschaft geben. Deshalb muss man sich als Autor nicht zu sehr verbiegen. Dem ominösen Markt hinterher zu schreiben ist eine Taktik, die ich sowieso nicht mag. Ein vernünftiges Qualitätsbewusstsein vorausgesetzt, kann jeder Schriftsteller Leser finden. Der größte Fehler, den er machen kann, ist, so zu schreiben, dass es allen gefällt. Das gefällt dann nämlich niemandem.

Der Autor: Matthias Czarnetzki begann als Banker, wurde Journalist und studierte Informatik, bevor er feststellte, dass Schriftsteller mehrere Leben führen können, aber nur für eins Steuern zahlen müssen. Er ist unabhängiger Autor und unterstützt andere Indie-Autoren dabei, den gleichen Respekt zu erlangen wie Indie-Musiker und Indie-Filmemacher, so dass sie ihren traditionell verlegten Kollegen in nichts nachstehen. Noch Fragen?

Veröffentlicht in Schreiben Getagged mit: ,
2 Kommentare zu “Weniger Leser sind mehr.
  1. Cina sagt:

    Hi Matthias,

    ein sehr interessanter Artikel, aber oha, ich hoffe nicht, dass es da zu Missverständnissen kam: natürlich sollte niemand den Inhalt seiner Bücher um jeden Preis dem Massengeschmack unterwerfen. Ich finde es aber durchaus wichtig und richtig, sich zuweilen mit den Wünschen seiner Leserschaft auseinanderzusetzen oder zu schauen, warum beispielsweise mehrere Werke desselben Genres unterschiedlich gut ankommen.

    Es stimmt, man sollte sich nicht untreu werden. Mehr als ein Leser hat mir beispielsweise zu große Dialoglastigkeit ‚vorgeworfen‘. Es wäre nicht schlau, über aller Kritik zu stehen und nicht ab und an mal zu schauen, ob diese nicht vielleicht teilweise berechtigt ist. Gut, viele Dialoge – das ist mein Stil. Ich finde sie wichtig, sie machen mir Spaß, es gibt viele andere Leser, die genau diese mögen und loben und ich werde immer eine große Anzahl davon in meinen Werken haben. Darüber hinaus kann ich kann mich aber durchaus hinsetzen und schauen, ob sie nicht an einigen Stellen tatsächlich ein wenig zu lang sind. Das wiederum verändert meinen Stil aber nicht grundlegend.

    Du schreibst: >Ein vernünftiges Qualitätsbewusstsein vorausgesetzt, kann jeder Schriftsteller Leser finden.<
    Kann, ja. Muss aber nicht. Es klingt ein wenig so, als wäre das Vermarkten eines guten Buches ganz einfach und das ist es leider nicht. Natürlich liegt die Zahl der Autoren unter der der Leserschaft, das wiederum ist aber auch in vielen Berufen so (z.B. Manager eines Unternehmens vs. restliche Belegschaft) und trotzdem bekommt nicht jeder seinen Traumjob.
    Ich habe viele gute Bücher gesehen, die auf den untersten Rängen dahinsiechen und viele weniger gute, die in den hohen Rängen stehen und in manchen Fällen konnte ich mich nicht mal mehr mit ‚über Geschmack lässt sich nicht streiten‘ zufriedengeben.
    Um zu wissen, wer seine Leser sind, muss der Autor zumindest ein, meist mehrere Sachen veröffentlicht haben. Die wenigsten, die ihr Geschriebenes tatsächlich zum Verkauf anbieten, tun das nebenbei und nur aus Spaß und jeder, der sich wirklich Mühe gibt, weiß, wie schwer und zeitaufwendig es ist, ein Buch so zu korrigieren, lektorieren und editieren, dass es dann auch in präsentabler Form herauskommt. Natürlich hofft man auf Erfolg. Natürlich möchte man eine große Leserschaft. Und dazu muss man sich natürlich auch kritisch mit sich selbst und seinem Stil auseinandersetzen – ohne diesen, wie bereits gesagt, aus reiner Gefallsucht heraus zu verfälschen, um ihn etwas anzupassen, hinter dem man nicht steht.

    PS: Ich bekomme beim Senden des Kommentars jedes Mal eine Seite mit Fehlermeldungen – ich hoffe nicht, dass mein Kommentar in Folge des erneuten Sendeversuchs dann doppelt und dreifach bei Dir eingeht.

  2. Ich muss gestehen, dass ich mir da noch nie wirklich Gedanken drüber gemacht habe … Ich lese lieber Bücher, in denen es gleich (oder zumindest schnell) zur Sache geht, also schreibe ich auch so.

    Und was das Lesen angeht: Wenn mich ein Buch (vor allem, wenn es sich um einen Autor handelt, den ich noch nicht kenne) nach max. 10 % noch nicht gepackt hat, dann lege ich es weg. Wenn ich dann die nächsten Tage keine Lust verspüre, doch noch weiterzulesen, war’s das …

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*