Wie sieht Lutetia aus? – Warum sich Protagonisten so schwer beschreiben lassen.

Die Antwort: Ich weiß es nicht.

Ich bin kürzlich in einer Kritik zu Herz aus Stein darauf gestoßen worden, dass man selbst nach dem Ende des Buches keine Ahnung hat, wie Lutetia eigentlich aussieht.

Dafür gibt es zwei Erklärungen.

1. Erklärung – die gut klingt und für einen hohen künstlerischen Ansprucht steht, aber nicht der Wahrheit entspricht

Ich könnte sagen – und wenn irgendein Literaturmagazin mit hohem Anspruch kommt und mir diese Frage stellt, dann werde ich das auch tun – dass ich der Phantasie des Lesers so viel wie möglich Freiraum lassen will. Für jeden soll Lutetia so sein, wie er sie sich vorstellt. Wer bin ich, dass ich als kleines Schriftstellerwürstchen meinen Lesern vorschreiben will, wie sie sich Lutetia vorzustellen haben?

Klingt gut, zeugt von Demut und Bescheidenheit, ist aber nicht wahr.

2. Erklärung – die banal ist, dafür aber richtig.

Wer Leipzig kennt, weiß, dass die Stadt berühmt für zwei Dinge ist: einen Schriftsteller, der einen viel gelesenen Blog betreibt und eine faszinierende, geheimnisvolle und schlagfertige/-kräftige Dame auf ungelöste Todesfälle loslässt (Lösungshinweis: es handelt sich um mich) und das Wave Gothic Treffen, welches jährlich zu Pfingsten in Leipzig statt findet.

Ursprünglich hatte ich eine genaue Vorstellung von Lutetia. Unter anderem, dass sie ziemlich groß ist. 1,80m um genau zu sein, denn sie sollte sich mit mir auf einer Augenhöhe unterhalten können.

Nun lief mir beim WGT doch tatsächlich eine junge Dame über den Weg, die direkt aus meinen Büchern gestiegen sein könnte – Lutetia in Fleisch und Blut. Und 1,56m. Dahin war mein Bild einer elegischen Schönheit; fortan schlich sich ein Kampfzwerg durch meine Phantasie. Das hat einen gewissen Charme, passt aber nicht zu meinem immer noch vorhandenen Bild von Lutetia.

Vielleicht wird sich eines Tages eine Gelegenheit ergeben, bei der Lutetia ihre Größe preisgibt. So lange bleibt zumindest dieser Aspekt ihres Aussehens ein Rätsel – auch für mich.

Der Autor: Matthias Czarnetzki begann als Banker, wurde Journalist und studierte Informatik, bevor er feststellte, dass Schriftsteller mehrere Leben führen können, aber nur für eins Steuern zahlen müssen. Er ist unabhängiger Autor und unterstützt andere Indie-Autoren dabei, den gleichen Respekt zu erlangen wie Indie-Musiker und Indie-Filmemacher, so dass sie ihren traditionell verlegten Kollegen in nichts nachstehen. Noch Fragen?

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