Wenn eBooks Zombies werden. Und warum das Sinn macht.

Interview mit Corinna Rindlisbacher, Foto von Frank Bierstedt

Irgendwann im Sommer bin ich über Twitter auf etwas Seltsames gestoßen: Die Zombie-Strategie für eBooks. Klang seltsam aber interessant. Und da ich steigenden Absatzzahlen meiner Bücher gegenüber nicht abgeneigt bin und ständig nach neuen Ideen suche, die ich selbst umsetzen kann, habe ich mich für den ebokks-Newsletter angemeldet und bekam Anfang September das gleichnamige eBook. Die beschriebene Strategie war einfach, effizient und – was nicht zu unterschätzen ist – auch hier in Deutschland gut umsetzbar (Ich will nicht zu viel verraten – nur, dass es sich lohnt, das Buch zu lesen.  Zumindest für mich hat sich die leicht abgewandelte Version des Zombies gelohnt.)

Ein paar Wochen später landete der nächste Ratgeber im eMail-Postfach: Blogspiration. Auch hier gilt wieder: einfach, vernünftig, umsetzbar. Zeit, sich mit dem Kopf dahinter zu beschäftigen. Der gehört Corinna Rindlisbacher, Germanistin mit Verlagsausbildung und Gründerin von ebokks.de.

Hallo Corinna, was hat dich veranlasst, ebokks.de zu gründen? Oder anders gefragt: Warum hast du dir keine Stelle in einem etablierten Verlag gesucht, um dort relativ sicher und behütet die Zeit bis zur Rente rumzubringen?

Hallo Matthias. Die Idee zu ebokks kam mir, als ich den ersten eReader in der Hand hatte. Ich war absolut begeistert und habe eine Menge eBooks verschlungen. Darunter waren auch selbstverlegte Titel, wovon einige leider nicht sehr schön layoutet waren. Von typografischen Zeichen, wie Anführungszeichen und Spiegelstrichen, über irritierende Absatzabstände und -einzüge, mir blutete das Herz. Da ich aus Erfahrung weiß, was mit einem Manuskript im Verlag passiert, bis ein eBook herauskommt – das habe ich früher selbst in einem internationalen Fachverlag gemacht –, dachte ich, diesen Service müsste man auch unabhängigen Autoren anbieten. Und zwar so, dass jeder nur für die Leistung bezahlt, für die er auch wirklich Unterstützung braucht. Manch einer kann selbst wundervolle Cover gestalten, dafür hapert es an dem Gespür für das Textlayout, oder umgekehrt.

Als Selbstständige habe ich schon während des Studium und darüber hinaus gearbeitet. Mir gefällt es, mein eigener Boss zu sein, auf Ereignisse schnell reagieren zu können und neue Ideen kurzerhand umzusetzen. Dabei bin ich ja nicht allein – ich arbeite immer mit freien Mitarbeiten aus unterschiedlichen Bereichen zusammen. Denn nicht jedem Grafiker liegen Fantasy-Motive und nicht jeder Lektor kann sich für Krimis begeistern. Auch wenn ich meist der erste Ansprechpartner für unsere Kunden bin, bekommen diese also immer den bestmöglichen Profi für ihr Anliegen.

Was erwartest du von der Entwicklung des ePublishings in den nächsten fünf Jahren?

Ich gehe zunächst davon aus, dass es immer mehr Menschen geben wird, die mit ihrem eReader unterwegs sind, um in Bus, Bahn oder Cafés zu lesen. Das eBook wird das Buchsortiment als weitere Variante zu Hardcover und Taschenbuch ergänzen – im Grunde hat es das ja schon. Hier erzähle ich also nichts Neues.

Ich denke aber auch, dass es immer mehr Unternehmer geben wird, die das Selfpublishing-Modell für sich beruflich nutzen. Also gar nicht so sehr diejenigen, die davon träumen, als freier Schriftsteller leben zu können – obwohl ich mich immer sehr über den Erfolg von selbstverlegten Romanen freue. Sondern vielmehr die Selbstständigen, die das ePublishing als zusätzliches Angebot für ihre eigenen Kunden nutzen und Halbzeit-Autor werden. Zum Beispiel Coaches, Berater, Dienstleister jeglicher Art. Das eBook als Ratgeber und gleichzeitiges Werbe- und Akquisemittel wird sich stärker etablieren, denn gerade die Selbsthilfesparte ist bei Lesern heiß begehrt und bei Autoren erfolgsversprechend. Wer wirklich vom Schreiben und Selbstverlegen leben will, sollte über ein zweites Standbein in diesem Genre nachdenken. Das schließt ja den gelegentlichen Roman nicht aus.

Der Plan, als Selfpublisher genug Aufmerksamkeit zu erregen und dann eventuell doch noch von einem Verlag aufgegriffen zu werden, wird in den nächsten Jahren vielleicht für immer mehr Autoren aufgehen. Dennoch, fürchte ich, wird es eher die Ausnahme bleiben. Da rate ich lieber jedem engagierten Schriftsteller, der an sich und seine Texte glaubt, selbst eine unternehmerische Haltung einzunehmen, sich ein Grundwissen in Marketing anzueignen und sein eigenes Glück in die Hand zu nehmen. Das beinhaltet wiederum, nicht alles selbst machen zu wollen, sondern solche Aufgaben abzugeben, die ein Profi in kürzerer Zeit besser erledigen kann. Schließlich geht es auch um das eigene Schriftsteller-Image. Das ist immer gut investiertes Geld.

Nachdem ich bisher fast alles selbst gemacht habe – vom Korrekturlesen über Covergestaltung bis zur eBook-Konvertierung – neige ich mittlerweile dazu, das, was nicht zum Schreiben gehört, Experten zu überlassen. Nicht zuletzt, nachdem mir eine in Rechtschreibung und Grammatik bewanderte Leserin mir in meinem fünf Mal selbst korrigierten Manuskript einen Fehler nach dem anderen gezeigt hat. Deshalb empfehle ich jedem Autoren, seine Texte durch einen unabhängigen Profi prüfen zu lassen. Doch: wie finde ich jemanden, der gut ist und zu mir passt? Hast du da ein paar Tipps?

Wenn ich mich im Internet umschaue, z. B. in Foren oder Facebook-Gruppen, denke ich, dass selbstverlegende Autoren gut vernetzt sind und immer gern Auskunft über ihre Erfahrungen geben. Wer hat das Cover gemacht? Kennt jemand einen guten/günstigen/schnellen eBook-Konvertierer? (Spontane Anmerkung: Ich kenne einen guten/schnellen/günstigen eBook-Konvertierer: hier. OK, das klingt jetzt ein wenig nach Eigenwerbung…) Auch für ein Lektorat oder Korrektorat gibt es da sicherlich viele Empfehlungen.

Wichtig ist, dass viele Lektoren genreabhängig sind. Am besten also gleich gezielt nach einem Lektor für Krimis, Fantasy oder Sci-Fi etc. fragen.

Wer sich zu den Empfehlungen auch noch eine eigene Meinung bilden will – und das empfehle ich sehr –, der sollte bei der entsprechenden Person nach einem Probelektorat fragen. Das heißt, erst mal mit den ersten fünf oder zehn Seiten antesten, bevor er die ganzen 300 des Romans in die Mangel nimmt. Dadurch sieht der Autor, wie die Kommunikation zu dem Lektor ist, was er eigentlich an Datei zurückbekommt und ob er mit dem gesamten Ablauf zufrieden ist.

Ein ganz wichtiger Tipp noch zum Schluss: Lektoren setzen ihren Preis oft an der Schwierigkeit des Textes an. Wenn es sich also um einen komplizierten Text handelt, kann es durchaus etwas teurer pro Seite werden. Aber auch viele Rechtschreibfehler können den Preis erhöhen. Es ist definitiv von Vorteil, nicht alles blind dem Lektor in die Hand zu drücken, sondern vorher bereits ein, zwei Testleser die gröbsten Fehler herausfischen zu lassen.

Über Corinna Rindlisbacher

Corinna Rindlisbacher, Foto von Frank Bierstedt

Corinna Rindlisbacher, Foto von Frank Bierstedt

 

Corinna Rindlisbacher ist Unternehmerin mit Verlagshintergrund. Als Germanistin hat sie u. a. einen eigenen Kleinverlag geleitet, arbeitete als Lektorin und Korrektorin von Deutschland und Australien aus und war Copy Editorin für deutsch- und englischsprachige Fachpublikationen in Indien.

2011 beschloss sie, ihre derzeitige Tätigkeit als Cross-Media-Spezialistin aufzugeben, um im Bereich eBook-Publishing ein Startup-Unternehmen zu gründen. Dafür wurde sie mit dem regionalen Preis „Idee 2011“ ausgezeichnet.

www.ebokks.de
corinna@ebokks.de
Tel.: 0531 38 91 58 05

Der Autor: Matthias Czarnetzki begann als Banker, wurde Journalist und studierte Informatik, bevor er feststellte, dass Schriftsteller mehrere Leben führen können, aber nur für eins Steuern zahlen müssen. Er ist unabhängiger Autor und unterstützt andere Indie-Autoren dabei, den gleichen Respekt zu erlangen wie Indie-Musiker und Indie-Filmemacher, so dass sie ihren traditionell verlegten Kollegen in nichts nachstehen. Noch Fragen?

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3 Kommentare zu “Wenn eBooks Zombies werden. Und warum das Sinn macht.
  1. Florence sagt:

    Liebe Corinna Rindlisbacher,
    vielen Dank für diesen informativen Artikel. Ich schreibe gerade mein erstes Buch und möchte gerne bei einem Verlag unterkommen. Ich finde ein professionelles Lektorat sollte immer vorgenommen werden, auch wenn man sein Buch selbst verlegt. Ansonsten wird der Buchmarkt nämlich in Zukunft an Authentizität verlieren, denn durch die Generation eBooks und Print-on-Demand haben Autoren zwar die Möglichkeit ihre Bücher ganz einfach und mit geringem Kostenaufwand selbst zu publizieren und zu vermarkten, aber die Bücher werden nicht geprüft. So werden nicht nur viele Bücher mit Tipp-und Rechtschreibfehlern auf den Markt geworfen, sondern auch einige mit inhaltlichen Unstimmigkeiten. Ich sehe darin eine große Gefahr, obwohl ich an sich nichts gegen eBooks und Selpublishing habe. Ich werde diese Möglichkeiten selbst in Anspruch nehmen, wenn ich es nicht schaffe bei einem Verlag unterzukommen. Ich habe mich bereits ein wenig über Verlage informiert und der Frieling Verlag in Berlin ist z.B. einer der Verlage, der mir sehr gut gefällt. http://www.frieling.de Er bietet ein kostenloses Lektorat an und die Seite wirkt sehr professionell. Vielleicht haben Sie als Lektorin noch einige Tipps für mich?

    Ganz Liebe Grüße
    Florence

    • Liebe Florence,

      danke für den Kommentar, dem ich voll und ganz zustimme!

      Ein professioneller Verlag übernimmt natürlich das Lektorat (und somit auch die Kosten). Denn er will ja an dem Titel mitverdienen und hat daher ein sehr großes Interesse daran, dass dieser einen guten Eindruck macht.

      Dennoch sollten Sie keinem Verlag oder Lektor blind vertrauen. Es ist Ihr Buch – in erster Linie wird Ihr Name damit verbunden.

      Lassen Sie sich nach dem Lektorat nicht nur das fertig korrigierte Manuskript geben, sondern eine Datei, in der alle vorgenommenen Änderungen angezeigt werden. Nehmen Sie sich die Zeit, diese auch wirklich anzuschauen.

      Mit anderen Worten: Nach dem Lektorat lesen Sie am besten Ihr Manuskript noch einmal von vorne bis hinten durch. Wenn Sie währenddessen Änderungen vornehmen, markieren Sie sie, damit der Lektor nicht noch einmal von vorne anfangen muss.

      Ich wünsche Ihnen viel Erfolg mit Ihrem Buch!

      Viele Grüße
      Corinna

  2. silver price sagt:

    Numi Teusch: Ja, und nicht nur jungen AutorInnen. Wenn man sich die amerikanischen Erfolgsgeschichten anschaut, sind das ganz oft Leute, die jahrelang vergeblich versucht haben, ihre Sachen bei Verlagen unterzubringen, um dann mit einem selbstpublizierten Buch großen Erfolg zu haben. Die Vorteile sind: Du musst nicht durch diesen Trichter aus Agenten und Verlagslektoren, die wahrscheinlich nur versuchen, die angesagtesten Publikumsinteressen zu erraten. Du kannst sagen, ich schreibe das, weil es mich interessiert, und wenn es mich interessiert, dann könnte es ja auch jemand anderen interessieren. Du kannst alles selbst bestimmen, den Satz, das Cover, den Preis! Du hast die zeitlichen Abläufe in der Hand, musst nicht darauf warten, dass ein Agent den Stoff gelesen hat und dann ein Verlag und dann kommt er nächstes Jahr ins Programm oder auch erst übernächstes, wenn deine Geschichte vielleicht schon gar nicht mehr state-of-the-art ist oder jemand anderes eine ähnliche Idee hatte. Du hast eine Kontrolle über die Verkäufe und ein direktes Feedback von den Lesern. Aber leider haben ja erst ganz wenige Leute einen eReader. Die anderen erreiche ich nicht, das ist schade. Es macht ja keinen Spaß, ein ganzes Buch auf dem Computer, iPad oder Smartphone zu lesen, das möchte ich niemandem zumuten. Wobei ich mir langfristig schon vorstelle, dass der Trend zum eReader geht, auf jeden Fall für unterwegs – und zu Hause holt man sich das Buch noch mal gedruckt fürs Regal und fürs Gefühl. Als eBook-Autor wird man auch noch nicht richtig ernst genommen, keine Einladungen, keine Preise, keine Lesungen, keine Autorenzusammenschlüsse, kein VG-Wort … Außerdem liegt das Buch nicht im Laden und ich habe ein ganz schlechtes Gewissen, weil ich meinen sympathischen Buchhändlern ein Stück vom Kuchen wegnehme. Und ich muss mich natürlich auch um die Vermarktung kümmern. Das mache ich nicht so gerne. Wer verkauft sich schon gerne selber?

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