Eine Rezension, die fast nicht erschienen wäre

Eines der Dinge am Menschen, das mich immer wieder erschreckt, ist der grenzenlose Hass, zu dem er fähig ist. Ich erinnere mich an eine TV-Dokumentation über das Leben der verschiedenen Bevölkerungsgruppen in Jerusalem – und wie Palästinenser ganz natürlich darüber sprachen, dass man jeden Juden umbringen müsste, damit es wieder Frieden gäbe. Gleiches war auch von israelischer Seite zu hören (es geht nicht um das, was Politiker bei offiziellen Anlässen sagen, sondern den Mann auf der Straße).

Als in der Amazon-URL die Worte Araber und Schwein auftauchten, schaltete bei mir alles auf Ablehnung. Aber ich hatte versprochen, mir die Geschichte wenigstens mal anzuschauen.

Alexander Tsukernyks Buch heiß vollständig: Araber braten Schweine besser. Nicht Schwein als Beschimpfung, sondern Schwein, wie wir es vom Schnitzel kennen. Denn Karim ist begnadeter Koch, Afghane und seit neuestem WG-Partner von Alex, einem russischen Juden. Diese Konstellation könnte eine lebenslange traditionelle Feindschaft begründen (so wie die palästinensischen Kinder den Hass auf ihre Nachbarn eingetrichtert bekommen, bevor sie einen Juden zum ersten Mal zu Gesicht kriegen).

Aber Alex und Karim verstehen sich und gehen – Schritt für Schritt – aufeinander zu. Manchmal wieder einen zurück.

Aber zum Schluss (Achtung: Spoiler!) kommt es zu einer bewegenden Szene: Karim hilft Alex beim Braten seiner Schweinefleischwürstchen.

OK, klingt jetzt nicht so doll für einen Europäer, der alles isst, was ihm vorgesetzt wird. Aber der Genuss von Schweinefleisch ist für Moslems tabu – aber das ist für Karim kein Hinderungsgrund, seinem Freund zu helfen. Und dieser einfache Satz ist es, der dieser ganzen Geschichte eine tiefere Dimension verleiht.

Der Autor: Matthias Czarnetzki begann als Banker, wurde Journalist und studierte Informatik, bevor er feststellte, dass Schriftsteller mehrere Leben führen können, aber nur für eins Steuern zahlen müssen. Er ist unabhängiger Autor und unterstützt andere Indie-Autoren dabei, den gleichen Respekt zu erlangen wie Indie-Musiker und Indie-Filmemacher, so dass sie ihren traditionell verlegten Kollegen in nichts nachstehen. Noch Fragen?

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