Muss es wirklich immer das Neuste sein? Nachhaltigkeit bei eBooks. Und ihren Lesegeräten.

Die Herbstrunde für dieses Jahr ist vorbei: Kobo, Sony, Amazon und Apple haben die Vorstellung ihrer neusten Geräte abgeschlossen. Fantastisch.

Der Kindle blättert jetzt noch schneller um. OK, selbst das „alte“ Modell (von vor zwei Jahren) blättert schneller um, als ich eine Seite im guten alten Taschenbuch umschlagen konnte. Trotzdem wird diese Errungenschaft gefeiert, als wäre das Lesen bisher unerträglich gewesen.

Und die Darstellung ist 62% schärfer (wegen der höheren Pixeldichte) – obwohl ich selbst beim Kindle 3 es bisher noch nicht geschafft habe, mit bloßem Auge ein einzelnes Pixel auszumachen.

Zwei Monate Akkulaufzeit – das klingt gut. Aber ich neige nicht dazu, die Zivilisation so lange zu verlassen, um diesen Zeitraum überbrücken zu müssen.

Die Beleuchtung klingt nicht schlecht – lesen können, ohne den Partner im Bett zu stören. Allerdings ist die Dunkelheit und ein gelegentlicher Ellenbogenstoß von besagtem Partner der Hinweis der Natur, dass Menschen ab und zu auch etwas Schlaf brauchen.

Trotzdem führen die von den Marketingabteilungen propagierten Vorteile regelmäßig dazu, dass bei Amazon die Bestellserver ihre Lastgrenzen austesten und sich vor den Apple-Läden Schlangen bilden, die früher nur Gerüchte über eine Bananenlieferung erzeugen konnten.

Aber ist das wirklich nötig? Ein Bericht der ct (Computerfreaks wissen Bescheid, die anderen: es ist ein Technikmagazin) stellte fest, dass bei der Herstellung neuer, sparsamerer Geräte mehr Energie verbraucht wird, als während ihrer Lebensdauer eingespart werden kann. Und eine Berechnung aus den Anfangszeiten der digitalen Bücher stellte fest, dass eBooks nur dann die Umwelt entlasten, wenn die eReader mindestens vier Jahre genutzt werden.

Falls sich jemand fragt, warum ich so einen Artikel verfasse: ich wollte meine Argumente gesammelt wissen, wenn ich wieder bei Amazons Paperwhite hängen bleibe – denn ehrlich: auch ich bin nicht gegen Marketing immun und das Gerät ist wirklich schnuckelig. Und leider verfüge ich nicht über Lutetias eiserne Disziplin und Selbstbeherrschung (die sich angesichts solcher Schwächen wohl gerade an den Kopf greift – sie IST immun gegen psychologische Tricks), so dass ich mich auf diese Art konstant an meine guten Vorsätze erinnern muss.

PS: Falls hier jemand Kommentare „Pro Kindle“ hinterlässt, braucht er sich nicht zu wundern, wenn er demnächst Besuch von einer schwarzgekleideten Dame mit Baseballschläger bekommt.

Der Autor: Matthias Czarnetzki begann als Banker, wurde Journalist und studierte Informatik, bevor er feststellte, dass Schriftsteller mehrere Leben führen können, aber nur für eins Steuern zahlen müssen. Er ist unabhängiger Autor und unterstützt andere Indie-Autoren dabei, den gleichen Respekt zu erlangen wie Indie-Musiker und Indie-Filmemacher, so dass sie ihren traditionell verlegten Kollegen in nichts nachstehen. Noch Fragen?

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Ein Kommentar zu “Muss es wirklich immer das Neuste sein? Nachhaltigkeit bei eBooks. Und ihren Lesegeräten.
  1. Sadako sagt:

    Top Artikel, lässt sich natürlich auch auf eine Menge anderer Dinge anwenden, doch deine Anmerkungen zum Buch /Taschenbuch und die einzelnen Punkte des readers, sind einfach zu wahr und hebeln so ziemlich alle großen Argumente „Für ereader“ aus, bis auf die Platzersparnis. Danke, sehr wertvoll.

    Liebste Grüße

    Sada

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