Sind Leser ohne die Hilfe der Verlage einer Menge Schrott von Indie-Autoren ausgeliefert?

Die Antwort gibt es in dem Artikel Günstige E-Books für den Kindle – Independent Literatur und lautet:

Ein holpriger Stil, mangelnde Rechtschreibkenntnisse und ähnliche Probleme zeigen sich schon auf den ersten Seiten der Leseprobe. Kein Problem also für mündige Leser, sich hier zu entscheiden.

Der Autor: Matthias Czarnetzki begann als Banker, wurde Journalist und studierte Informatik, bevor er feststellte, dass Schriftsteller mehrere Leben führen können, aber nur für eins Steuern zahlen müssen. Er ist unabhängiger Autor und unterstützt andere Indie-Autoren dabei, den gleichen Respekt zu erlangen wie Indie-Musiker und Indie-Filmemacher, so dass sie ihren traditionell verlegten Kollegen in nichts nachstehen. Noch Fragen?

Veröffentlicht in ePublishing, Lesen, Schreiben, Verlegen Getagged mit: , , ,
8 Kommentare zu “Sind Leser ohne die Hilfe der Verlage einer Menge Schrott von Indie-Autoren ausgeliefert?
  1. Grundsätzlich stimme ich Dir zu. Aber ich sehe immer noch das grundsätzliche Problem der knappen Zeit: Wenn ein Leser erstmal seine kostbare Zeit mit zehn Schrott-Leseproben von Indie-Autoren vergeudet hat, ist seine Neigung, sich noch eine elfte Leseprobe runterzuladen vermutlich eingeschränkt. Es gibt halt unendlich viele Machwerke, die zu Recht von Verlagen abgelehnt wurden. Mehr als dass es die versteckten Perlen gibt.

    Ich glaube, die Funktion des Qualitätssiegelers, die die Verlage bisher (in unterschiedlichen Maße) inne hatten, muss in Zukunft jemand anderes übernehmen. Vielleicht Literaturblogger, die aus Spaß an der Freud auf Perlenfang gehen und nicht davor zurückschrecken einhundertundelf Leseproben anzuschauen.

    • Hallo Stefanie,

      ich habe mal in einem Artikel über die „neue“ Qualitätssicherung den Begriff von der „Weisheit der Masse“ gehört. Danach steigt die Bedeutung von Leserrezensionen, Buchbloggern und Empfehlungen von Freunden. Das Problem ist nur, dass das eben auch nur Menschen sind – und ich möchte nicht wissen, wie viele Literaturblogger aufgeben, weil sie in zu viel Müll ersticken.

      Ich habe aber auch bei mir festgestellt, dass ich Kindle-Leseproben nicht mehr bis zum Ende lese. Wenn es mich nach zwei oder drei Seiten nicht gepackt hat, dann lasse ich es lieber sein. Denn ich halte meine Lebenszeit für äußerst wertvoll 😉

  2. tinius sagt:

    Es gibt keine Weisheit der Masse, somit auch keine Qualitätssicherung. Die meisten Buchblogger – von ein paar rühmlichen Ausnahmen abgesehen – verfügen weder über genügend Bildung, noch ausreichende Belesenheit, um Bücher auch nur annähernd adäquat beurteilen zu können. Zudem generiert das Self – Marketing über Soziale Networks Zustimmung aus reinen Loyalitätsgründen. Es braucht Verlage – die allerdings sind auf der Suche nach Bestsellern auch keine Qualitätsgaranten mehr – und das Feuilleton.

  3. Tom sagt:

    Also während meiner Arbeit bei http://www.frieling.de/
    habe ich gemerkt, dass sich nur wenige Autoren die Mühe machen eine wirklich schlechte Thematik so lange zu behandeln, bis sie ein Manuskript erstellt habe. Daher denke ich, dass der Anteil des Schrotts bei dieser Vorstellung wohl mit dem Anteil an interessanten Büchern, die heute aufgrund ihrer potenziell schlechten verkaufskraft gleich bleiben würde.

  4. Die Überschrift hört sich reichlich provokativ an, denn
    1- kann der Leser den Demo-Bereich lesen, im Bücherladen blättert er auch
    2- ich habe in meinem Bücherregal eine Menge Bücher von namhaften Verlagen mit Druckfehlern schon im Klappentext, mit weiteren Fehlern im Buch.
    3- ich besitze eine Menge Bücher von sehr bekannten Autoren, wo ich mir auf Seite 50 sagte -na ja – und es beiseite gelegt habe. Und das, obwohl ich geblättert hatte.
    Ich habe manchmal den Eindruck, dass man den Selfpublishern etwas abverlangt, was man von den Verlagen sich niemals getraut hat.

  5. Zunächst möchte ich hier einmal etwas zur „Weisheit der Masse“ sagen. Natürlich gibt es sie! Da muss man sich nur einmal Wikipedia anschauen, um zu verstehen, dass es ein System ist, das funktionieren kann (auch wenn es das noch nicht immer tut). Außerdem muss ich hier eine Lanze für die Buchblogger brechen. Es stimmt nicht, dass sie zu einem großen Teil unqualifiziert sind. Viele sind Studenten oder Auszubildende aus der Buchbranche. Ich selbst bin auch Buchbloggerin und verfüge über mehrere Ausbildungen, die mich dazu „qualifizieren“ eine Meinung zu Büchern zu haben. Davon abgesehen sind Empfehlungen Vertrauenssache. Schüler lassen sich lieber Bücher von anderen Schülern empfehlen als von „qualifiziertem“ Fachpersonal – so funktioniert die Blogosphäre. Aber das ist ein anderes Thema.
    Nun zum eigentlichen Artikel. Selfpublishing kann eine super Sache sein. Doch leider besteht zur Zeit (noch) eine zu geringe Auseinandersetzung mit dem traditionellen Buchmarkt. oft habe ich das Gefühl, dass hier Welten aufeinander prallen. Das fängt schon bei dabei an, dass viele nicht wissen, wie Verlage auf ihre Preise kommen, wie du ja richtig in deinem Artikel sagst. Es stimmt aber nicht, dass Verlage Bücher einfach nur teuer machen, um möglichst viel aus ihren Autoren herauszuholen. Die Preispolitik des Verlagswesens ist viel komplizierter. Das fängt bei der Mischkalkulation am einen Ende an und hört bei der Preisbindung, die in Deutschland herrscht auf. Ebooks sind nur wenig günstiger als gedruckte Bücher, weil sie nur bis zu 20% (wenn sich die Zahl in den letzten Jahren nicht geändert hat) günstiger sein dürfen. Das günstige Anbieten von selbstverlegten Büchern könnte man als Advocatus Diaboli auch als Dumping bezeichnen…
    Auf einem meiner beiden Literaturblogs (petitsalon.tumblr.com) beschäftige ich mich gerade mit dem Thema der deutschen Indie-Literaturszene und tatsächlich fallen einem als Leser erhebliche Qualitätsunterschiede auf, die nicht unbedingt in kurzen Leseproben ersichtlich werden. Bisher habe ich eine Skala feststellen können, auf der die Bücher ganz oben rangieren, deren Autoren mit einem Lektor zusammengearbeitet haben. Das merkt man als Leser einfach. Danach kommen Bücher, die in einer Art „Autoren-helfen-Autoren“-Verbund mit gegenseitigem Gegenlesen veröffentlicht wurden. Auch, wenn man einen guten Schreibstil hat und sicher in Rechtschreibung ist, schafft man es kaum, ein Buch allein zu redigieren. Autoren, die das versuchen fallen einfach durch schlechten Stil auf.
    Insgesamt denke ich, dass die Indie-Literaturszene und die traditionelle Verlagswelt sich etwas mehr annähern sollten. Als Autor sollte man selbst schauen, was dem eigenen Werk gut tut. gerade bei der höheren Beteiligung lohnt sich die Investition in einen Lektor in meinen Augen ungemein. Solange diese Annäherung nicht passiert, werden Verlage weiterhin ihre Funktion als Qualitätshüter der Literatur vertreten können.
    Übrigens findet die Annäherung der Verlage an Selfpublisher inzwischen schon langsam statt. Eine Plattform wie Neobooks ist z.B. an einen traditionllen Verlag angeschlossen. Auch Ebook-Segmente werden immer weiter ausgebaut. Ganze Ebook-Verlage entstehen.
    Ich selbst bin der Indie-Literatur gegenüber sehr aufgeschlossen und ich habe das Gefühl, dass auch Verlage das häufig sind. Die Toleranz von Indie-Autoren gegenüber dem klassischen Verlagswesen ist allerdings noch ausbaufähig. Eine „das-können-wir-auch-alleine“-Mentalität wird sich auf Dauer kaum durchsetzen.

    • Hallo Mareike,

      danke für deinen ausführlichen Kommentar. Es stimmt, dass in den letzten ein, zwei Jahren die Verlagswelt lockerer geworden ist und die neuen Möglichkeiten, die digitale Veröffentlichungen bieten, besser nutzt. Dadurch werden aufstrebenden Talenten neue Möglichkeiten durch die Verlage eröffnet. Dieses Umdenken weg vom Gatekeeper hin zum Partner des Autoren tut beiden Seiten gut.

      Das Selfpublishing ist zur Zeit in Deutschland einem rasanten Wachstumsprozess unterworfen – nicht nur was die Menge der Publikationen betrifft, sondern auch was die Qualität und das Verhältnis dem Leser gegenüber angeht. Ich schaue mir da viel von den englischen Selfpublishern ab und lerne von ihren Erfahrungen. Zum Beispiel lasse ich keins meiner Bücher mehr ohne ein Profi-Korrektorat an die Öffentlichkeit.

      So weit ich sehe, funktioniert Selfpublishing dann am Besten, wenn sich die Selfpublisher als Ein-Mann-Verlage sehen und den gleichen professionellen Anspruch an sich selbst stellen, den Leser auch bei Verlagen haben. Das liegt nicht jedem und ich kann dann nur empfehlen, sich an einen Verlag zu wenden – die Türen sind ein großes Stück weiter aufgegangen.

      Gruß aus Leipzig
      Matthias

  6. betty sagt:

    Das schlechteste Buch, das ich seit langen gelesen habe, ist bei einem großen Verlag erschienen. Und es sind auch nicht nur die Rechtschreibfehler, die ein Buch ’schlecht‘ machen. Ich denke, die Verlage verlegen nur noch das, wo sie ‚Geld drin sehen‘ (Filmzitat aus: Inside Llewyn Davis) und das ist vor allem Mainstream. Wenn ein Autor nun nicht grade Mainstream ist, bleibt ihm/ihr oft nichts andres übrig, als sich selbst zu verlegen, um überhaupt von irgendwem gelesen zu werden. Viele ‚Perlen‘ gehen da einfach in der Masse unter. Der Anspruch der Verlage, ‚Qualitätshüter‘ zu sein, ist meiner Meinung nach überhaupt nicht mehr gerechtfertigt, da es wie gesagt, nur um Auflage = Geld geht. Da wird schlechter Stil, eine unlogische Geschichte und falsches Deutsch veröffentlicht, Hauptsache eine 2Ojährige Heldin wird von einem irgendwie geheimnisvollen und sowieso gutaussehenden Typen in irgendetwas verwickelt. Die Geschichten unterscheiden sich dann nur noch durch die Kostümierung.
    Gähn.
    Ja, es wäre schön, wenn es irgendwo noch um Qualität ginge, egal, ob geself- oder verlagspublished.
    Vielleicht muß auch der Begriff ‚Qualität‘ erstmal neu definiert werden.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*