Interview mit Caroline Benett – Newcomerin auf dem Weg zum Bestsellerstatus

Durch mein Angebot, Manuskripte in eBooks zu konvertieren, habe ich einige interessante neue Autoren kennengelernt. Um Anfängern und Wagemutigen zu zeigen, was in der heutigen Umbruchszeit alles möglich ist, möchte ich diese Autoren hier in loser Reihenfolge vorstellen.

Beginnen möchte ich mit einer jungen Frau, deren Erfolg mich selbst überrascht hat – dabei war ich bei ihrer „eBook-Karriere“ von Anfang an dabei.

Caroline Benett ist Ende Dreißig, deutsch-englischer Herkunft und lebt in Yorkshire. Als ich sie mir das Manuskript „Ein Haus in Yorkshire“ schickte mit der Bitte, es für den Kindle zu konvertieren, sah ich gleich: Frauenliteratur. Nichts, was ich mir im Laden näher angesehen hätte. Aber da ich Buch nun einmal hatte und sowieso die Qualität kontrollieren musste, las ich die erste Seite, dann die zweite… und war bald durch. Locker und leicht geschrieben, witzig und in einer Landschaft angesiedelt, die ich noch von meinem Studium kannte. Eine schöne Unterhaltung für ein paar Stunden Auszeit vom Alltag. Das müssen viele andere auch so gesehen haben: seit der Veröffentlichung im Dezember marschiert „Ein Haus in Yorkshire“ in der Bestsellerliste nach oben und ist anderthalb Monate später in den Top 20 der Liebesromane angekommen. UPDATE: Es geht weiter aufwärts. Am 17.01.2012 steht „Ein Haus in Yorkshire“ auf Platz 6 der Liebesromane und auf Platz 63 der Gesamtbestsellerliste.

 Waren Sie überrascht vom eigenen Erfolg?

Absolut! Und warte eigentlich Tag für Tag darauf, dass kein Mensch mehr mein Buch kauft. Was sich aber Gott sei Dank bisher nicht bewahrheitet hat. Wobei man in absoluten Zahlen den Erfolg nicht zu hoch bewerten sollte – letztlich habe ich bisher „nur“ ein paar hundert Exemplare verkauft. Das reicht noch nicht für den Ferrari, aber für ein paar schöne, neue Schuhe allemal. Und wenn der Erfolg etwas anhält, wäre das ein echt schöner Nebenverdienst.

Hinsichtlich des Erfolges war ich schon deswegen so skeptisch, weil ich vor Jahren mal ein Kinderbuch geschrieben habe. Ich habe es damals an jeden erreichbaren Verlag geschickt – alle haben mit Standardschreiben abgelehnt. Inzwischen weiß ich, dass viele deutsche Verlage nur eine bestimmte Anzahl von Neuerscheinungen pro Genre und Jahr vornehmen und davon große Anteile für Übersetzungen von englischen oder amerikanischen Top-Autoren reservieren. Das ist billiger und leichter als einen unbekannten deutschen Autoren bewerben zu müssen. Es ist daher sehr, sehr schwierig, einfach so als Newcomer einen Verlag zu finden.

Ich habe daher das Manuskript meines Buches, nachdem mein Partner es gelesen und etwas von „nettes Buch“ gemurmelt hatte, erst einmal ins Regal gepackt. Und dann noch einer profaneren Verwendung zugeführt: der Ordner hat genau die richtige Höhe, um die Matratze unseres Sohnes anzuheben, wenn er mal wieder seinen Husten hat. Mehr zufällig kam ich dann auf die Idee, es als e-book zu veröffentlichen. Und als Technikidiot war ich froh, dass Herr Czarnetzki das Technische für mich übernommen hat. Sonst würde das Manuskript vermutlich auf ewig unter der Matratze meines Sohnes liegen.

Was für ein Schreibtyp sind Sie?

Ich bin ein „Aufschreiber“. Das heißt, in meinem Kopf spinne ich die Geschichte, die Szenen und Wendungen bis hin zu einzelnen Dialogen und Formulierungen. Das geht so den ganzen Tag. Setze ich mich dann an den Computer, muss ich es eigentlich nur noch aufschreiben.

 Welche Empfehlung würden Sie jemanden geben, der heute ein Buch veröffentlichen will?

Puh, als ob ich da viel Ahnung hätte…..

Der Vertriebsweg über e-book ist sicher einfacher und schneller als der Versuch – s.o. – einen Verlag zu finden. Für ganz wichtig halte ich folgenden Gedanken: wenn ich durch einen Buchladen gehe – welche Bücher schaue ich mir an? Wäre mein Buch darunter? Letztlich ist es wie bei jeder Sache, die man verkaufen will –  man muss den Kunden neugierig machen. Bei einem Buch hat man nur die Chance mit dem Titel und dem Titelbild zu punkten. Der erste Eindruck zählt. Deswegen habe ich ein paar Euro (ca. 60) investiert, um ein wirklich gutes, ansprechendes Titelbild professionell layouten zu lassen. Und wenn dann noch die Zusammenfassung des Textes neugierig macht, hat man vielleicht eine Chance, dass es jemand kauft.

Letztlich ist der Erfolg dann (auch) Zufall. Wird das Buch direkt am Anfang ein paar Mal verkauft, wird es im Kindle-Shop zum Kauf empfohlen („Leute, die das gekauft haben, haben auch das gekauft“ oder „Das könnte Sie interessieren“). Im besten Fall kommt dadurch eine erstaunliche Entwicklung in Gang. Hätte sich mein Buch also anfangs nicht verkauft – vermutlich wäre es jetzt schon in den Fluten der Neuerscheinungen untergegangen.

 Vielen Dank für die Antworten – und nun zurück an den Schreibtisch! Neue Bücher wollen geschrieben werden…

Wer neugierig geworden ist – „Ein Haus in Yorkshire“ gibt es für den Kindle und demnächst auch auf beam-ebooks.de.

Der Autor: Matthias Czarnetzki begann als Banker, wurde Journalist und studierte Informatik, bevor er feststellte, dass Schriftsteller mehrere Leben führen können, aber nur für eins Steuern zahlen müssen. Er ist unabhängiger Autor und unterstützt andere Indie-Autoren dabei, den gleichen Respekt zu erlangen wie Indie-Musiker und Indie-Filmemacher, so dass sie ihren traditionell verlegten Kollegen in nichts nachstehen. Noch Fragen?

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Ein Kommentar zu “Interview mit Caroline Benett – Newcomerin auf dem Weg zum Bestsellerstatus
  1. S.Krumm sagt:

    Vielen Dank für das interessante Interview,

    es ist schön zu sehen, wie auch aus „Newcomern“ Bestsellerautoren werden können und das ohne großartigen Aufwand. Vor allem im Zeitalter der Digitalisierung und Kindle hoffe ich, dass wir in Zukunft öfter solche Beiträge und Interviews lesen können.
    Ich persönlich habe mich noch dafür entschieden auf dem klassischen Wege ein Buch zu veröffentlichen wobei ich mir vorstellen könnte, dass das nächste Buch auch als eBook erscheinen wird 🙂

    Schöne Grüße
    S. Krumm

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