Amazon KDP Select – ein Zwischenbericht

Nachdem Amazons KDP Select vor gut einem Monat gestartet ist, wird es Zeit für einen kurzen Zwischenbericht.

Ich habe drei Kurzgeschichten, die ich schon bisher nur für den Kindle als eBooks angeboten hatte, für KDP Select angemeldet. Damit konnte ich das für Nicht-US-Autoren einzig sinnvolle Feature des Programms nutzen: einen fünftägigen Aktionszeitraum, in dem die Bücher kostenlos heruntergeladen werden können.

Da Amazon für die Select-Laufzeit von 90 Tagen die exklusiven Veröffentlichungsrechte verlangt, habe ich die Onlineversionen der Kurzgeschichten zur Zeit vom Netz genommen. Diese Exklusivität ist auch der Grund, warum ich mit meinen „richtigen“ Büchern nicht an KDP Select teilnehme – die werden auch über andere eBook-Shops angeboten. Die Exklusivität würde mich 2/3 meiner Verkäufe kosten.

Nun aber zur Gratisaktion: Über die Feiertage 2011 – vom 24.12. bis zum 28.12. – hatte ich den Preis der eBooks auf €0,00 gesenkt. Ich bin davon ausgegangen, dass viele frischgebackene Kindle-Besitzer auf der Suche nach neuem Lesestoff sind und Gratisangebote dabei gern genutzt werden. Um auf die Aktion aufmerksam zu machen, habe ich auf Facebook eine Veranstaltung geplant und meine Kontakte dort zum kostenlosen Download eingeladen. Die wichtigsten Bekanntmachungen liefen aber über Twitter. Dort habe ich regelmäßig die Aktion und den Link zum Download getweetet. Dabei habe ich aber meine Follower unterschätzt: ich dachte, dass zwischen den Jahren kaum einer vorm Rechner sitzt. Statt dessen gab es viele Retweets, die die Reichweite der Aktion stark vergrößert haben. An dieser Stelle noch einmal vielen Dank an alle fleißigen Retweeter!

Die Ergebnisse

  • Die Besucherzahlen auf meinem Blog sind während der Aktion gestiegen. Am ersten Tag waren es doppelt so viele, bis zum 29.12. dann ca. 50% mehr als sonst. Mittlerweile haben sich die Besucherzahlen wieder auf dem üblichen Niveau eingepegelt.
  • Die Downloadzahlen
    Titel Amazon.com Amazon.de
    Das Flusspferd, das Posaune blies 2 38
    Fristende 3 74
    Kapitän Nük und die Suche nach Nirgendwo 6 55
  • Für Fristende habe ich von Sigrid Wolgemuth eine Fünf Sterne Rezension bekommen, was mich persönlich sehr freut.
  • Fristende hat es zum Schluss auf Platz 6 der SciFi-Bestseller geschafft. Aber: in der Kategorie kostenlose Bücher. Nach Ende des Aktionszeitraums wanderte die Geschichte zurück in die Kategorie bezahlte Bücher – und dort war die Platzierung in der Zwischenzeit natürlich abgestürzt. Für eine langfristige Besserplatzierung ist KDP Select daher ungeeignet.

Fazit

178 Downloads. Das sind im besten Fall 178 Leser, die sich für meine Werke interessieren. Da jedes eBook auch eine Leseprobe auf ein anderes meiner Bücher enthält, habe ich fast 200 Leser neugierig gemacht. Ob es sich später in den Verkaufszahlen niederschlägt, wird sich zeigen.

Wahrscheinlicher ist aber, dass nur ein kleiner Teil der eBooks überhaupt gelesen wird. Als ich meinen Kindle bekam, habe ich auch erst Mal alles heruntergeladen, was gratis war – mittlerweile mache ich das nicht mehr, sondern bin wählerisch geworden, womit ich meine Zeit verbringe und achte mehr auf die Qualität der Bücher statt auf den Preis (in einem gewissen Rahmen).

Deshalb werde ich die Teilnahme an KDP Select nicht verlängern. Statt dessen werde ich ab 07.03.2012 die Texte auf meiner Website wieder kostenlos online zugänglich machen – und in die eBooks einen entsprechenden Hinweis einfügen, der Neugierige auf meine Homepage führt. Das halte ich für einen nachhaltigeren Weg der Autorenpromotion.

 

Der Autor: Matthias Czarnetzki begann als Banker, wurde Journalist und studierte Informatik, bevor er feststellte, dass Schriftsteller mehrere Leben führen können, aber nur für eins Steuern zahlen müssen. Er ist unabhängiger Autor und unterstützt andere Indie-Autoren dabei, den gleichen Respekt zu erlangen wie Indie-Musiker und Indie-Filmemacher, so dass sie ihren traditionell verlegten Kollegen in nichts nachstehen. Noch Fragen?

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2 Kommentare zu “Amazon KDP Select – ein Zwischenbericht
  1. Annemarie sagt:

    Matthias, das ist ziemlich genau das Ergebnis, was ich erwartet habe.
    Ich denke, du hast allen AutorInnen einen großen Gefallen getan, die mit dem Gedanken an eine Teilnahme spielen.

    Überdies: In Zusammenhang mit dieser Mehrwertsteuer-Umstellung hab ich die diversen Hilfe-Seiten auf kdp nochmal durchstöbert. Dabei habe ich gesehen, dass jetzt auch auf den deutschen Seiten der „Trick“ aufgeführt ist, den die amerikanischen Kolleginnen schon lange anwenden, um ihre Bücher für ein paar Tage auf Amazon kostenlos zu kriegen: über den Umweg, sie auf Smashwords und Barnes&Noble auf 0 zu setzen.
    Der Nachteil an diesem Trick ist, dass man nicht genau kontrollieren kann, wann und wie lange das Buch kostenlos ist. Dafür braucht man es nicht aus anderen Shops rausnehmen.

  2. Jo sagt:

    Hallo Matthias,

    ein wirklich interessanter und guter Artikel. Ich möchte dieses Jahr selbst ein erstes ebook bei Amazon einstellen, da sind solche Erfahrungsberichte im Vorfeld einfach mehr als Gold wert.

    Hm, dass Amazon gleich die Exklusivität draufknallt ist mal wieder typisch. Dafür haben sie wenigstens Reichweite.

    LG
    Jo

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