Amazon KDP Select – der große Wurf oder Rohrkrepierer?

Seit dem 08.12.2011 können Kindle-Autoren ihre eBooks für das Amazon KDP Select – Programm anmelden. Worum geht es dabei? Und bringt es deutschen Autoren was?

Worum es geht.

Das in den USA angebotene Amazon Prime unterscheidet sich signifikant vom deutschen Angebot. Während wir hier für €29,- pro Jahr nur eine schnellere Lieferung bekommen, zahlen Amerikaner $79,- pro Jahr und bekommen damit eine Art digitale Flatrate. Mit der Markteinführung des Kindle Fire wird die Stärke dieses Programms deutlich: US Prime Kunden haben ohne weitere Kosten Zugriff auf Filme, TV-Serien, Musik und Bücher – sofern die Rechteinhaber ihren Content dafür freigegeben haben.
Genau das bedeutet die Teilnahme an Amazons KDP Select Programm: sie geben ihre Bücher in den Pool der für Kunden kostenlos verfügbaren Bücher. Amazon stellt jeden Monat ein Budget bereit (im Dezember 2011 $500.000), welches unter allen Rechteinhabern, deren Content genutzt wurde, aufgeteilt wird.

Nachteile für deutschsprachige Autoren

Erster und größter Nachteil: Exklusivität. Die ist nie gut. Amazon verlangt, das die am Programm teilnehmenden Bücher für die Zeit von 90 Tagen nirgendwo anders erhältlich sind. Konkret heißt das in meinem Fall: ich dürfte meine Bücher nur für den Kindle anbieten – da ich aber den größten Teil meiner Einnahmen auf anderen Shops erziele, ist Exklusivität das Ausschlusskriterium.
Zweitens: das volle Amazon Prime Programm steht bisher nur US-Kunden zur Verfügung. Und wie oft die deutsche Bücher lesen kann man an einer Hand abzählen. Es ist daher davon auszugehen, das deutschsprachige Bücher in diesem Programm nicht der Renner werden.

Vorteile

Wer eine Flatrate hat, ist eher geneigt, Neues auszuprobieren. Und Amazon zieht eine Kundschaft an, die hungrig auf neue Bücher in ungeahntem Ausmaß ist. Wer in diesem Pool schwimmt, hat eine höhere Chance entdeckt zu werden, als jemand, der nur in seinen eigenen Teich paddelt.

Fazit

Ich habe mich zu einem Test entschlossen: drei meiner Kurzgeschichten habe ich in eBook-Form gepackt und für das KDP Select Programm angemeldet. Was daraus wird? Keine Ahnung. Nicht viel, nehme ich an. Aber das ist das Gute am Pessimismus: ich kann nur positiv überrascht werden.
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Der Autor: Matthias Czarnetzki begann als Banker, wurde Journalist und studierte Informatik, bevor er feststellte, dass Schriftsteller mehrere Leben führen können, aber nur für eins Steuern zahlen müssen. Er ist unabhängiger Autor und unterstützt andere Indie-Autoren dabei, den gleichen Respekt zu erlangen wie Indie-Musiker und Indie-Filmemacher, so dass sie ihren traditionell verlegten Kollegen in nichts nachstehen. Noch Fragen?

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6 comments on “Amazon KDP Select – der große Wurf oder Rohrkrepierer?
  1. Ich habe mich mit 15 Kindles entschlossen, an KDP Select teilzunehmen. Den größten Stolperstein dabei sollte man aber schon nennen: Das ist die an sich geniale Möglichkeit, jedes der Bücher an fünf Tagen kostenlos anzubieten, um Werbung zu machen. Diese Maßnahme verbietet sich für deutsche E-Book-Autoren, da es sich um einen Verstoß gegen die vermaledeite Preisbindung handeln würde, der abmahnfähig wäre.

    • vielen Dank für ihren Kommentar. Ich habe darüber nachgedacht und glaube, dass deutsche Autoren die Möglichkeit nutzen können, ihre Bücher für fünf Tage kostenlos anzubieten. Die Buchpreisbindung fordert nur, dass jedes Buch zu einem bestimmten Zeitpunkt überall zum gleichen Preis angeboten werden muss und die Teilnahme am Select-Programm Exklusivität voraussetzt, ist diese Bedingung erfüllt. Zwar darf der Preis nicht beliebig oft schwanken – aber es ist jederzeit erlaubt, Werbeexemplare kostenlos zu verschenken.

      Und genau als das sehe ich die Bücher in diesem Zeitraum an: kostenlose Werbegeschenke. So muss es wohl auch der DuMont-Verlag gesehen haben, der kürzlich Murakamis 1Q84 für einen Tag kostenlos über Amazon abgegeben hat; damit ist bereits ein Präzedenzfall vorhanden.

  2. Lieber Matthias, das ist ein hoch interessanter Aspekt, den ich so noch nicht gesehen habe. Im Preisbindungsglossar finde ich leider keinen Hinweis auf das jederzeit erlaubte (befristete) Verschenken von Werbeexemplaren – hast Du vielleicht eine Quelle?

  3. Ich finde, dass das keine schlechte Sache ist.
    Ist wie mit der Probierpizza im Supermarkt.
    Und am Ende zahlt Amazon noch ein paar Klümchen ‘raus.

  4. Daniel sagt:

    Dies Verschenk-Aktionen bietet Amazon eigentlich regelmäßig an. Auch Kobo hat um Weihnachten herum drei Ecos für lau rausgegeben. Offenbar verstößt das nicht gegen die Buchpreisbindung, wenn der Verlag die Aktion für alle Händler anbietet und nicht an zusätzliche Bedingungen knüpft.
    Anders verhält es sich wohl, wenn man einen durch den Kunden frei bezifferbaren Preis anbietet, siehe

    http://netzpolitik.org/2012/verlag-verschenkt-ebook-und-wird-abgemahnt/

    http://www.spiegel.de/netzwelt/web/buchpreisbindung-verlag-wegen-kostenlosem-e-book-ermahnt-a-815659.html

    http://www.versandhandelsrecht.de/internetrecht/rechtsnews/micro-recht-blog-2012/buchpreisbindung-0–eur-fuer-ebook.php

    Warum nun die kostenlose Abgabe rechtens ist, lässt sich für einen Laien aus dem Gesetzestext nicht erkennen.

    Gruß
    Daniel

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