Ab wann ist man ein „richtiger“ Autor?

Ab einer Auflage von 100.000 Exemplaren?

Ab einer Auflage von 50.000 Exemplaren?

Ab einer Auflage von 10.000 Exemplaren?

Ab einer Auflage von 1.000 Exemplaren?

Ab einer Auflage von 500 Exemplaren?

Ab einer Auflage von 100 Exemplaren?

Ab einer Auflage von 10 Exemplaren?

Sobald man einen Verlagsvertrag hat?

Wenn sie es schaffen, mit ihrer Geschichte einen Leser zum Lachen zu bringen oder zum Weinen, zum Nachdenken oder zum Handeln zu bewegen. Wenn sie ihn mit ihrer Geschichte berühren, dann sind sie für diesen Leser ein richtiger Autor.

Alles andere ist optional.

UPDATE: Als Antwort auf die Frage im Titel hat @grafipolitisch folgendes getwittert:

„Dann wenn andere einen Autor nennen. Fremdwahrnehmung geht bei kreativen Berufen vor Selbstwahrnehmung bzw. Wunschdenken.“

Die Definition gefällt mir.

 

Der Autor: Matthias Czarnetzki begann als Banker, wurde Journalist und studierte Informatik, bevor er feststellte, dass Schriftsteller mehrere Leben führen können, aber nur für eins Steuern zahlen müssen. Er ist unabhängiger Autor und unterstützt andere Indie-Autoren dabei, den gleichen Respekt zu erlangen wie Indie-Musiker und Indie-Filmemacher, so dass sie ihren traditionell verlegten Kollegen in nichts nachstehen. Noch Fragen?

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9 Kommentare zu “Ab wann ist man ein „richtiger“ Autor?
  1. Larry GaGa sagt:

    Sehr ermutigend. Habe gerade damit begonnen, ein Buch zu schreiben.

  2. Das ist wie in dem Märchen von der Chinesischen Nachtigall.
    Als die Nachtigall vor dem Kaiser singt, ist dieser so bewegt, dass er weint. Als er sie daraufhin mit Gold überschütten will, lehnt sie ab und sagt: „Deine Tränen waren mir mehr wert als alles Gold.“

    Ich habe mich das erste Mal als Schriftstellerin gefühlt, als eine alte Dame auf einer Lesung meine Geschichte unbedingt haben wollte und – da die Geschichte unveröffentlicht war – glücklich mit meinem Ausdruck davonzog.

  3. Uwe Kullnick sagt:

    @Matthias Du solltest unbedingt lesen. Du weißt gar nicht was Dir entgeht. Ich liebe es, wenn ich sehe, wie meine Texte wirken und vor allem wenn ich aus meinen Kindergeschichten vorlese. Das Strahlen und Lachen und Erschrecken und die vielen Fragen der Kids hinterher.
    Lies und Du bist ein bisschen zufriedener – wenn nicht sogar glücklich.

  4. Schön gesagt, Matthias. Und auch wenn es ein Klischee ist: Jede Reise beginnt mit einem Schritt. Das Schreiben ist eine wundervolle Reise.

  5. Ich wusste nicht, dass es einen qualitativen oder sonstwie feststellbaren Unterschied gibt zuwischen „echten“ und „unechten“ Autoren.
    Der Begriff Autor lässt zunächst einmal nur den Rückschluss zu, dass einer einen text verfasst hat, egal, welcher Natur: Bedienungsanleitung, Weihnachtskarte, Gedichte, Romane, Novellen, Essays, Werbeplakate, etc … Während also das Wort Autor lediglich die Urheberschaft an einem Text zuordnet, umfasst der Begriff Schriftsteller wesentlich mehr, nämlich die selbstbestimmte Entscheidung eines Menschen, sein Leben un Tun dem Schreiben zu widmen, unabhängig davon, ob veröffentlicht wurde oder wird, und unabhängig von der Qualität des Verfassten.

    lg/Peter

    • Heyne,Eberhard (EberHy) sagt:

      Das Wort Autor hat etwas mit Urheber zu tun, aber ich glaube das der allgemeine Sprachgebrauch mehr in Richtung Schriftsteller geht, also jemand, der Texte veröffentlicht und damit freigibt. Darunter verstehe ich, dass der Text sich nicht nur an einen genau bestimmt Leser richtet, wie den Empfänger eines Briefes oder Lehrer als einzigen Leser eines Schulaufsatzes. Einem Text, der irgendwo kursiert, kann man keine Erläuterung hinterher schicken, wenn etwas falsch aufgefasst wird, trotzdem wird man daran gemessen und muss sich Kritiken gefallen lassen. Für mich machen diese Konsequenzen den Autor aus, die Bereitschaft, zu dem zu stehen was man geschrieben hat und sogar die Meinung anderer darüber zuzulassen warum man diesen Text geschrieben hat.

      • Das ist eine sehr interessante Unterscheidung, was einen Autor/Schriftsteller von jemandem unterscheidet, der einfach nur etwas schreibt. Ich hatte bei meinem Artikel eher das Argument im Hinterkopf, dass nur jemand, der über einen Verlag veröffentlicht, sich als „richtiger“ Autor bzw. Schriftsteller bezeichnen dürfte – das ist aber jetzt hinfällig.

        Für die Unterscheidung zwischen Autor und Schriftsteller habe ich übrigens bei Elizabeth George eine feinsinnige Definition gefunden. In ihrem Buch schreibt sie, dass ein Autor ein Typ ist, der schreibt, um veröffentlicht zu werden, um lukrative Verlags- und Filmverträge und Ruhm zu bekommen und der aufgibt, wenn ihm das nicht gelingt. Schriftsteller dagegen sind Typen, die schreiben, weil sie nicht anders können. Letztere sind für mich „richtige“ Autoren.

        Viele Grüße,
        Matthias

  6. Christine sagt:

    Ich halte mich an Steven Pressfield:
    „A writer is a writer when she says she is.“
    Eine Autorin ist eine Autorin, wenn sie sagt, dass sie eine ist.

    Ich sehe den Sinn von Einstiegshürden und Bewährungsproben nicht. Wenn einer Person das Schreiben so wichtig ist, dass sie sich als Autorin betrachtet, ist das gut genug für mich.
    Ich denke nicht, dass bei all dem Elitismus, der so im Kulturbetrieb herrscht, die ‚Gefahr‘ besteht, dass sich Leute inflationär als ‚Autorin‘ bezeichnen und ‚den Begriff verwässern‘, oder dass sich Nicht-Autorinnen heimlich in Autorinnenkreise einschleichen, oder was auch immer der Grund dafür ist, das Wort als eine Art Ehrenabzeichen zu behandeln.

    Schreiben ist etwas wundervolles, großartiges, erfüllendes, das jedem Menschen offenstehen sollte, unabhängig von der ‚Qualität‘ oder Quantität seines Outputs, und wer sich dann Autorin nennen will, darf das meinetwegen gerne tun.

1 Pings/Trackbacks für "Ab wann ist man ein „richtiger“ Autor?"
  1. […] UPDATE – Im Lauf der Zeit hab ich einiges dazugelernt: Ab wann ist man ein “richtiger” Autor? […]

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