Das Mehrwertsteuerprinzip der Autorenpromotion

Wir alle kennen solche Autoren. In jedem Satz, jedem Atemzug, jedem Tweet und jedem Facebook-Eintrag geht es nur um ein Thema: mein Buch – und der angehängte Link führt zur Kauf-mich-jetzt-Seite. Solche Typen nerven. Und fliegen bei nächster Gelegenheit aus der Timeline/Freundesliste/Kreisen.

Nun ist ein Autor ohne Eigenwerbung auch nicht viel besser dran: Kein Mensch kauft sein Buch, da keiner von dessen Existenz weiß.

Viele Selfpublisher haben das begriffen und liefern auf ihren Blogs, per Twitter oder Facebook Fakten, Hintergrundartikel, Erfahrungsberichte und Tutorials mit dem Ziel, für Kollegen hilfreich und für Leser interessant zu sein. Und erhalten wütende Kommentare, weil im Text oder am Ende ein Affiliate-Link oder Werbung auftaucht.

Gar keine Werbung geht natürlich auch nicht. Ein Autor lebt davon, das irgendwo am Ende der Kette jemand sein Werk kauft. Deshalb ist Werbung im wahrsten Sinne des Wortes lebensnotwendig.

Wo ist das richtige Maß? Wer mit seinem Blog oder seinen Kommentaren einen Mehrwert liefert, sollte auch eine „Mehrwertsteuer“ draufschlagen dürfen – die Werbung für seine Bücher.

Wer nur wirbt, verlangt 100% Aufmerksamkeit von seinem Leser, ohne eine Gegenleistung zu erbringen. Das ist das gleiche, als würde er 100% Steuern verlangen. Und wir alle wissen, dass das schief geht. Wer aber wertvollen Content liefert, dem seien 10% Steuer gegönnt. (Ja ich weiß, Mehrwertsteuer ist 19% – aber wir alle wissen in unserem Herzen, dass es 10% sein sollten 😉 )

Der Autor: Matthias Czarnetzki begann als Banker, wurde Journalist und studierte Informatik, bevor er feststellte, dass Schriftsteller mehrere Leben führen können, aber nur für eins Steuern zahlen müssen. Er ist unabhängiger Autor und unterstützt andere Indie-Autoren dabei, den gleichen Respekt zu erlangen wie Indie-Musiker und Indie-Filmemacher, so dass sie ihren traditionell verlegten Kollegen in nichts nachstehen. Noch Fragen?

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7 Kommentare zu “Das Mehrwertsteuerprinzip der Autorenpromotion
  1. Hallo Matthias,

    das ist ein sehr schöner Vergleich! Und ein guter Hinweis, „Mehrwert“ zu bieten. Ich werde dran arbeiten Vielen Dank!

    Mörderische Grüße, Kriminalinski

  2. Bea Milana sagt:

    Hi Matthias,

    ich stimme Dir zu: Die Leute, die nur Werbung machen nerven fürchterlich (Branche dabei egal) und etwas mehr Mehrwert wäre schön. Doch es gibt sehr wohl auch die, die sich mit Twitter positionieren, ihre Meinungen kund tun, indem sie selbst etwas posten oder retweeten. Das ist die Anarchie des Internets.
    Herzlichst Bea Milana

  3. Sebastian sagt:

    Dem kann ich nur zustimmen. Allerdings sind z.B. die Twitter-Dauerwerber auch nicht schlecht in den Amazon-Top100 platziert. Wegen der Dauerwerbung oder wegen anderer Werbung?

    • Ob es an der Dauerwerbung liegt kann ich nicht sagen. Da aber das Prinzip dieser Werbeart meiner inneren Einstellung widerspricht, werde ich es auch nicht ausprobieren – selbst wenn das heißt, nicht in die Top 100 zu kommen.

  4. Linus Oskari sagt:

    Einer der Gründe, warum ich fast keine Werbung mache. Ich bin der Meinung, Leser kaufen sich mein Buch, wenn sie sich für den Autor interessieren, weil er interessante Inhalte abliefert. Ich will nicht nur auf meine Bücher reduziert werden.

  5. Hallo Matthias,

    ich glaube, alles ist die Frage der Ballance.

    Wenn ein Blogartikel mir wertvolle Info geliefert hat, bin ich bereit, dafür zu „zahlen“, sei es dadurch, dass der Blogbetreiber durch meinen Seitenaufruf eine Vergütung bekommt, sei es dadurch, dass ich mir seine Affiliate-Werbung ansehen muss, sei es dadurch, dass ich mir sein (indirekt oder auch direkt) beworbenes Buch zu diesem Thema kaufe.

    Er hat schließlich seine Zeit investiert, um einen Artikel zu schreiben. Also tausche ich meine Aufmerksamkeit (das ist in diesem Fall meine Währung) gegen seine Informationen (seine Ware) ein. Für mich eine win-win-Situation.

    Anders sieht es natürlich aus, wenn sein Artikel wirklich nur Werbung ohne Inhalt ist (also nur ein paar Stichwörter, alles andere „lesen Sie in meinem Buch XYZ“). Gut, dann ärgere ich mich darüber, klicke weg und komme nie wieder.

    Oder wenn ich zwangsweise für irgendwelche Newsletter anmelden muss, nur um einen Artikel lesen zu können. Ärgern. Wegklicken. Nie wieder kommen.

    Oder wenn der eigentliche Artikel gefühlte 10% des Bildschirms ausmacht, der Rest von (Affiliate)Werbung zugepflastert ist. Ärgern. Wegklicken. Nie wieder kommen.

    Ich war jedenfalls oft genug froh darüber, dass der Autor eines Artikels am Ende desselbigen sein Buch erwähnte, wo ich weiter führende Informationen dazu finden konnte. Erspart mir das rumstochern im Internet. Nicht immer ist es klar, welches der Bücher des Autors genau diesen Schwerpunkt behandelt.

    Ich habe viele Bücher auf diese Weise gekauft und habe keinen dieser Einkäufe bereut (im Gegensatz zu so manchem „Blindkauf“ mit oder ohne einer Empfehlung eines großen Online-Buchhändlers).

    Und das sage ich nicht, weil ich selbst einen Blog betreibe 🙂 Mein brechend volles Bücherregal kann ein Lied davon singen. Bin ich froh, dass es mittlerweile Ebooks gibt.

    Danke Dir für diesen Artikel. Ich hoffe, es findet ein Umdenken statt und zwar auf beiden Seiten, sowohl bei denen, die jegliche Art der (Selbst)Werbung verdammen aber auch bei denen, die damit übertreiben.

    Grüße,

    Mira Alexander

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