Zivilcourage – warum hinschauen, wenn man wegschauen kann? – Eine Diskussion

Nach meinem Post Zivilcourage – warum hinschauen, wenn man wegschauen kann? habe ich viele Reaktionen erhalten. Zivilcourage ist eine gute Sache – theoretisch. Denn es gibt eine Menge Bedenken. Darüber habe ich mit Nina Meier auf Facebook eine Diskussion geführt, die ich für so interessant halte, dass ich sie hier wiedergeben möchte:

Nina Meier: Ich kenne jemanden, der genau zwei Mal Courage bewiesen hat:

1. Eine Frau wurde von zwei muslimischen Männern angepöbelt und unter Druck gesetzt, er schritt ein, weil sie schrie! Die Konsequenz: Er hat jetzt eine 10 cm lange Narbe auf der Stirn, weil er gerade noch der Messerspitze ausweichen konnte, welche ihn ins Auge treffen sollte.

2. Er war als Taxifahrer unterwegs und sah, wie ein Junge von zwei anderen Typen verprügelt wurde, ließ ihn ins Auto flüchten und fuhr los. Er wimmelte die Verfolger mit Pfefferspray ab. Konsequenz: Vor Gericht bekam er ärger, da die beiden anderen sich „Scheinzeugen“ geholten hatten, welche Falschaussagen machten. Man drohte ihm mit einer Anzeige, obwohl er nur Hilfe geleistet hat.

3. Kann man das Anliegen : Zivilcourage auch mal jenen vortragen, wo 1. Leute sind, die die Zivilcourage überhaupt notwendig machen und 2. Gerichte sind, die politisch korrekt handeln wollen, aber dabei die Gerechtigkeit in ihrer simpelsten Form vergessen?

Denn ich kann jeden verstehen, der null Bock hat, sich killen zu lassen, oder ne Anzeige zu bekommen, nur weil er helfen wollte! Und das kann nicht moralisch verwerflich sein!!!

Matthias Czarnetzki: Mit deinen Bemerkungen über Zivilcourage hast du (leider) recht: juristisch gesehen ist Zivilcourage in Deutschland nahezu Selbstmord. Brigitte Heinisch bekam ja auch erst vor dem europäischen Gerichtshof recht. Und kürzlich wurden zwei Sicherheitsleute freigesprochen, die seelenruhig zugeschaut haben, wie ein Mann zusammengeschlagen wurde – ein juristisch korrektes Verhalten, da niemand ihnen zumuten kann, sich selbst in Gefahr zu bringen. Aber der Staatsanwalt gab zu, dass es moralisch das Allerletzte war.

Sollte man aber auf Zivilcourage verzichten, bloß weil unsere Gesetze keine Moral unterstützen? Dann kommen wir in eine Abwärtsspirale, deren Ende eine Gesellschaft ist, in der ich nicht leben möchte.

Auf der anderen Seite ist auch richtig, dass viele, die zur Zivilcourage ermuntern, gleichzeitig empfehlen, Selbstverteidigungstechniken zu lernen. Aber auch ohne kann man per Handy die Polizei rufen, wenn man Zeuge eines Verbrechens wird. Oder man kann einfach genug Leute zusammentrommeln, aufmerksam machen, bis die Täter merken, dass sie in der Minderheit sind.

Aber wenn wir wegschauen, dann überlassen wir unsere Gesellschaft solchen Minderheiten.

Nina Meier: Ich muss leider feststellen, dass unsere Gesellschaft auch etwas ganz besonderes unter „Moral“ versteht, nämlich dass jede Verteidigung europäischer Kultur – beispielsweise die Aufklärung – zum Rassismus verklärt wird, selbst wenn durch das, was du „Verhalten von Minderheiten“ nennst, mit bloßer Gewalt eine Religion eingeführt wird, die alles zerstört, was nicht exakt in ihren Rahmen passt. Weiter versteht man unter Moral diese seltsame Form des Feminismus´, in der Frauen Männer diskriminieren und es plötzlich vorziehen, Titten gegen Pimmel und Pimmel gegen Titten einzutauschen – bis es keine Männer und Frauen mehr gibt, sondern nur noch „FRÄNNER“ (der Gleichheit zugunsten trägt dann jeder einen Pagenschnitt – alles andere ist politisch nicht korrekt), denn wozu lernen jetzt schon Kinder im Kindergarten, dass sie ihre(n) Spielkameraden/Spielkameradin nicht „sie“ oder „er“ sondern „HEN“ nennen sollen? Grimm`s Märchen werden bald als „konservativ“ verboten werden, bis auch sie – wie der Rest unserer Sprache – „vergendert“ worden sind….schade, ich persönlich mag klassische Literatur. Ich finde, dass wir politisch und moralisch gesehen auf einem primitiven Weg sind, wo Gerechtes ins Böse verkehrt, Böses und Korruptes aber heilig gesprochen und blind angestrebt wird.

Klar ruft man die Polizei, wenn es brenzlig wird – aber je nachdem, worum es geht, wird sie sich viel Zeit lassen, bis sie eingreift….zu viel. Es werden sich auch nicht eine große Menge von Menschen dazu bringen lassen, gemeinsam einzugreifen – denn die gesamte Situation in diesem Staat finden derartig viele Menschen unangenehm, dass diese schon deswegen nur noch auf sich selbst aufpassen.

In diesem Punkt muss ich Hobbes Recht geben, der davon ausgeht, dass der Mensch nicht primär gut, sondern von Natur aus das ist, was unsere Moralvorstellung als „böse“ betrachtet – vielleicht wären Menschen wirklich gut, wenn sie nicht alles in moralische Ideologien übersetzen würden.

Ich denke, das Ideal der Hilfsbereitschaft (ein schönes Ideal) ist unter anderem nur dann möglich, wenn die Leute sich auf ihre Währung verlassen können, wenn die Menschen aufhören, ihre eigene Kultur anderen Kulturen zu unterwerfen – , wenn die Gedanken und Prioritäten bezüglich der „Werte“ neu gedacht und gesetzt werden (ohne einen neuen Menschen dafür erschaffen zu wollen!) und der Individualismus der Gleichheit vorgezogen wird.

…auf jeden Fall habe ich Respekt davor, dass du noch in einer Gesellschaft lebst, in der du leben willst.

Matthias Czarnetzki: Das schaffe ich, indem ich versuche den kleinen Teil der Gesellschaft, in der ich lebe, etwas besser zu machen, als er ohne mich wäre.

 

Der Autor: Matthias Czarnetzki begann als Banker, wurde Journalist und studierte Informatik, bevor er feststellte, dass Schriftsteller mehrere Leben führen können, aber nur für eins Steuern zahlen müssen. Er ist unabhängiger Autor und unterstützt andere Indie-Autoren dabei, den gleichen Respekt zu erlangen wie Indie-Musiker und Indie-Filmemacher, so dass sie ihren traditionell verlegten Kollegen in nichts nachstehen. Noch Fragen?

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Ein Kommentar zu “Zivilcourage – warum hinschauen, wenn man wegschauen kann? – Eine Diskussion
  1. Vera Reinhard sagt:

    Frau Meier kennt also jemanden, der schon mal Zivilcourage gezeigt hat – alle Achtung! Und dann bekam der arme Mann auch noch in beiden Fällen Probleme, was natürlich beweist, dass man am besten in das nächste Mauseloch schlüpft, wenn irgendwo Gefahr droht.
    Aber ich bin zynisch, Entschuldigung. Bleiben wir sachlich: Ich glaube Frau Meier nicht.
    Ich glaube ihr nicht, weil der 2. von ihr geschilderte Fall ersichtlich erfunden ist. Sie sagt, der Mann habe vor Gericht Ärger bekommen, ihm sei mit Anzeige gedroht worden. Nun gehen die Anzeige (und das Ermittlungsverfahren) dem Gerichtsverfahren zwingend voraus. Vor Gericht droht niemand mit Anzeige, da gibt es eine Verhandlung und die endet mit einem Urteil. Das Urteil kann ein Freispruch sein oder eine Verurteilung zu irgendwas. Aber nie eine Anzeige. Frau Meier erzählt also Quatsch.
    Da der Mann, auf den sie sich beruft, angeblich ein Bekannter ist, hat der Unsinn, den sie zu dem 2. Fall erzählt, auch Auswirkungen auf die Glaubhaftigkeit des 1. Falls. Zu deutsch: Man fragt sich, warum der der Wahrheit entsprechen sollte, wenn der zweite erlogen war. Und tatsächlich findet sich auch im ersten Fall ein Moment, das Zweifel an der Richtigkeit dieser Schilderung weckt: Frau Meier berichtet, Täter seien zwei muslimische Männer gewesen. Nicht zwei arabisch, türkisch, indonesisch oder afrikanisch aussehende, sondern zwei muslimische Männer. Aber woran sieht man jemandem die Religionszugehörigkeit an, wenn derjenige gerade mit einem Kumpel eine Frau bedrängt?

    Bleiben die Fakten: Frau Meier behauptet jemanden zu kennen, der Zivilcourage gezeigt und dabei Schlimmes erlebt hat. Die Geschichten, die sie erzählt, sind allerdings nicht glaubhaft. Nun kann es sein, dass ihr Bekannter sie belogen hat, um Eindruck zu schinden z.B. Oder weil ihm der Schnitt in der Augenbraue peinlich war. Ist ja irgendwie auch heldenhafter, eine Frau gegen zwei Moslems zu verteidigen, als einzugestehen, dass man sich im Suff an der Scherbe einer Bierflasche geschnitten hat.
    Böse Unterstellung, ich kenne den Bekannten nicht und sollte nicht so hässliche Dinge über ihn sagen.

    Aber es bleibt festzustellen, dass Frau Meier Quatsch erzählt. Und sie erzählt ihn mit einem bestimmten Hintergrund und einer Absicht: Sie sagt nämlich auch, dass unsere Welt immer schlimmer und gefährlicher wird, weil Massen böser Menschen bei uns einrücken, Frauen keine Frauen mehr sind und Männer keine Männer. Kurz: Frau Meier hat selber Angst.
    Frau Meier würde nie selber Zivilcourage zeigen und sie kennt vermutlich auch niemanden, der je welche gezeigt hat.

    Frau Meier hätte natürlich auch auf Dominik Brunner verweisen können, der in München von Jugendlichen niedergestochen wurde, als er sich in eine Schlägerei eingemischt hat. Das ist ein gut dokumentierter Fall. Genauso der des Ladenbesitzers aus Hamburg, der einem Dieb nachsetzte und von dem erstochen wurde.
    Es gibt solche Fälle. Wer sich in Gefahr begibt, kann darin umkommen.
    Es gibt aber auch die anderen. Die, in denen sich jemand einmischt und dadurch Schlimmeres verhindert. Oft reicht es, die 110 zu wählen. Das ist nichts, womit man sich großen Risiken aussetzt, aber trotzdem schon Zivilcourage, die die Welt ein Stück besser macht. Natürlich wird man als Beteiligter auch in solchen Fällen von der Polizei befragt. Das ist nichts Schlimmes, sondern Ausdruck des Rechtsstaats, in dem wir zum Glück leben. Wie sollten die Täter auch sonst ermittelt und verurteilt werden?

    Man darf sich nur nicht von Menschen, wie Frau Meier irre machen lassen.

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