Die Dinosaurier sind tot.

Die Erde vor einigen Millionen Jahren.

Eine Herde Dinosaurier steht in geschlossener Ringformation zusammen und blafft einige kleine Säugetiere an: „Ihr kommt hier nicht rein! Wir sind die größten, wir sagen, wo’s lang geht.“

Die Säugetiere ziehen ab. Vielleicht etwas enttäuscht, weil sie nicht dazugehören dürfen. Vielleicht mit einem Denen-werde-ich-es-zeigen-Gefühl im Bauch. Das läuft eine ganze Weile so, bis ein Meteorit am Horizont auftaucht und schnell größer wird. Dann schauen sich die Dinosaurier um und stellen fest, dass es die Säugetiere sind, die in ihren kleinen Nischen plötzlich wesentlich bessere Überlebenschancen haben.

Dieses Bild hat sich mir förmlich aufgedrängt, als ich diesen Post von Joe Konrath las. Dort regt sich Konrath über die Tatsache auf, dass viele Schriftstellervereinigungen eine Verlagsveröffentlichung als Kriterium ansehen, ab wann jemand ein professioneller Autor ist.

Das ist eine recht schwachsinnige Festlegung. Vor allem da durch dieses Vorgehen Autoren in den Rang eines Profis erhoben werden, die einen Agenten, einen Lektor und ein paar Kaufleute überzeugt haben. Dagegen werden Autoren wie John Locke – der mehrere hunderttausend Leser überzeugt hat, seine Bücher zu kaufen – als Hobbyschreiber abgetan.

Aber wie eine Herde Dinosaurier wollen sich die Großen der Branche – die sechs größten Verlage in den USA werden als Big Six bezeichnet – nicht in ihr Geschäft reinreden lassen. Sie halten an ihrer Rolle als Torwächter fest und glauben weiterhin bestimmen zu können, was veröffentlicht werden soll und was nicht.

Dabei haben sich die Zeiten geändert. Durch die neue Technologie gibt es die alten Gatekeeper nicht mehr. Und wer sagt jetzt, was gut ist und was nicht? fragen einige sofort. Die Antwort ist einfach: DU, lieber Leser.

OK, das erfordert Anstrengung. Der eigene Verstand muss benutzt werden. Die Zeiten, in denen der Leser einfach etwas mit der Das-da-ist-gut-das-musst-du-lesen-Garantie vorgesetzt bekam sind vorbei. Und das ist gut so.

Konrath hat übrigens ein neues Kriterium vorgeschlagen, an dem man einen professionellen Autor festmachen kann: wer es schafft fünftausend Bücher an seine Leser zu verkaufen, der ist ein Profi.
PS: Es würde mich interessieren, wie viele verlagsveröffentlichte Autoren sich nach dieser Festlegung nicht mehr Profis nennen dürften.

Der Autor: Matthias Czarnetzki begann als Banker, wurde Journalist und studierte Informatik, bevor er feststellte, dass Schriftsteller mehrere Leben führen können, aber nur für eins Steuern zahlen müssen. Er ist unabhängiger Autor und unterstützt andere Indie-Autoren dabei, den gleichen Respekt zu erlangen wie Indie-Musiker und Indie-Filmemacher, so dass sie ihren traditionell verlegten Kollegen in nichts nachstehen. Noch Fragen?

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