Teaser, Trailer, Merchandising – Vermarkten Sie ihr Buch wie einen Film!

Wann ist die richtige Zeit, ihr Buch bekannt zu machen? Wenn es fertig
geschrieben ist, das Lektorat hinter sich und die Druckerei den
Liefertermin schon bestätigt hat? Tut mir leid – aber zu diesem
Zeitpunkt ist es fast schon zu spät. Glauben sie mir, denn ich habe
diesen Fehler selbst gemacht (deshalb brauchen sie ihn auch nicht zu
wiederholen).

Viele Schriftsteller sprechen nicht gern über das Manuskript, an dem sie
gerade arbeiten. Oft hat das ganz natürliche Gründe – vielleicht möchte
man den Lauf der Geschichte noch nicht zu früh festlegen, oder man hat
das Gefühl, das die Sache noch nicht reif ist. Und deshalb werden
Nachfragen von Freunden, Bekannten und Arbeitskollegen über das Buch, an
dem man gerade schreibt, mit allgemeinen Floskeln abgewehrt. Tun Sie
das nicht! Wenn jemand Interesse an ihrer Geschichte hat, dann pflegen
und nähren Sie es. Füttern sie ihren zukünftigen Leser mit kleinen
Appetithäppchen! Im Idealfall wird er an dem Tag, an dem ihr Buch
endlich erscheint, zur nächsten Buchhandlung oder an den nächsten
Rechner stürmen, um es zu bestellen.

Die im Titel erwähnten Teaser und Trailer werden von Filmproduzenten und
Fernsehsendern dazu eingesetzt, beim Publikum Interesse zu erwecken.
Videotrailer zu Büchern sind groß im Kommen, aber ich werde in einem
späteren Newsletter mehr dazu schreiben.

Der Unterschied zwischen Teasern und Trailern liegt in ihrer
Ausführlichkeit. Ein Teaser ist ein Lockmittel – nur dazu da,
Aufmerksamkeit zu erregen. Erinnern Sie sich noch an eine Plakatwerbung
vor ungefähr vier Jahren? Der 1. August ist der Tag der Redefreiheit
hieß es da und alle fragten sich, warum dieser Tag und was er bedeutet.
Genau das war der Zweck des Teasers: neugierig zu machen. Später folgte
die Auflösung des Rätsels; eine Mobilfunkfirma führte einen neuen
Gesprächstarif ein. Darin liegt auch die Gefahr eines Teasers: wenn er
mehr verspricht, als er hält.

Haben Sie ein Twitter-Konto oder eine Facebook-Seite? Veröffentlichen
Sie einzelne Sätze aus ihrem Roman als Kurzmeldung. Zum Beispiel: „Aber
du kannst doch nicht einfach Menschen umbringen! – Das haben meine Ärzte
mir auch immer gesagt. Wir konnten uns nie darüber einigen.“ Neugierig
geworden?
Hängen Sie einen Link auf ihre Website an, auf dem die
Lösung gefunden werden kann – und warten Sie ab, wie viele aus Neugier
diese Seite besuchen.

Ein Trailer ist länger und gibt einen besseren Vorgeschmack auf das
fertige Produkt. In Kinotrailern sehen wir genug vom Film, um
abzuschätzen, ob er etwas für uns ist. Das Buch „Der Zeitdieb“ von Terry
Pratchett enthält in der englischen Taschenbuchausgabe auch die ersten
fünfzig Seiten des Folgeromans „Die Nachtwächter“. Genug um
herauszufinden, ob dieses Buch auch etwas für mich ist.
Und was hat es mit Merchandising auf sich? Natürlich können sie
T-Shirts, Tassen oder Schlüsselanhänger mit dem Titel ihres Buches und
seiner ISBN herstellen lassen – aber ob sie damit Leser gewinnen oder
nur Geld vernichten ist fraglich. Aber sicher werden sie beim Schreiben
ihres Romans Ideen und Szenen haben, die in die endgültige Fassung nicht
reinpassen. Was hindert Sie, daraus eigenständige Kurzgeschichten zu
machen? Diese können sie auf ihrer Website oder in Lesecommunities
veröffentlichen, ausdrucken und an Freunde verteilen, zu Wettbewerben
einreichen und und und… Machen Sie die zukünftigen Leser ihres Buches
vertraut mit seinen Haupt- und Nebenfiguren und schaffen Sie sich so
eine kleine Fangemeinde.

Der Autor: Matthias Czarnetzki begann als Banker, wurde Journalist und studierte Informatik, bevor er feststellte, dass Schriftsteller mehrere Leben führen können, aber nur für eins Steuern zahlen müssen. Er ist unabhängiger Autor und unterstützt andere Indie-Autoren dabei, den gleichen Respekt zu erlangen wie Indie-Musiker und Indie-Filmemacher, so dass sie ihren traditionell verlegten Kollegen in nichts nachstehen. Noch Fragen?

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