Mary Shelley – Frankenstein

Kenneth Brannagh ist berühmt für seine bombastischen, ziemlich authentischen Verfilmungen klassischer Werke, wofür er ja ab und zu auch mal mit dem Oskar kassiert. Manchmal zwar nur den für die besten Kostüme, aber das ist schließlich besser als nichts. So verfolgte ich kürzlich gespannt seine Version des Klassikers Frankenstein und war begeistert. Der Film hob sich von der Masse der B-Movies ab, die den Stoff nur zu billigem Horror degradieren.

Hier stand das im Mittelpunkt, was die Autorin mit dem Buch wohl auch bezweckt hat: die Frage nach der Verantwortung des Wissenschaftlers. Das Monster, oder besser Frankensteins Kreatur, ist nicht von Natur aus böse. Sie hätte ein ganz normales Leben führen können, wenn der Mensch, oberflächlich wie er prinzipiell ist, sich nicht von der äußeren Gestalt beeinflussen lassen und daraus gleich die inneren Werte ableiten würde.

Frankenstein erschuf einen Körper, der Rest war ihm egal. Heute weiß man, dass seelische Vernachlässigung das Schlimmste ist, was man einem Menschen antun kann. Und heute ist man mittels Genforschung (zumindest theoretisch) in der Lage, ein solches künstliches Wesen zu schaffen, das für Shelley noch ein reines Phantasiegebilde blieb.

„Das Buch will mit Bedacht gelesen sein – um des Wohlklanges der Sprache willen und weges des Reichtums an Gefühlen und Gedanken, der viele Empfindungen auslöst“, heißt es auf dem Klappentext einer älteren Ausgabe. Für dieses Buch sollte man sich wirklich Zeit nehmen, um die vielen Nuancen der Beweggründe nachzuvollziehen, warum die Menschen dies oder das tun.

Eine Frage bleibt zum Schluss: Wer nun eigentlich das Monster war.
Frankenstein oder seine Kreatur?

Nicht einmal einen Namen hat er ihr gegeben.

Der Autor: Matthias Czarnetzki begann als Banker, wurde Journalist und studierte Informatik, bevor er feststellte, dass Schriftsteller mehrere Leben führen können, aber nur für eins Steuern zahlen müssen. Er ist unabhängiger Autor und unterstützt andere Indie-Autoren dabei, den gleichen Respekt zu erlangen wie Indie-Musiker und Indie-Filmemacher, so dass sie ihren traditionell verlegten Kollegen in nichts nachstehen. Noch Fragen?

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Ein Kommentar zu “Mary Shelley – Frankenstein
  1. Betty Berger sagt:

    Ja, kann ganz zustimmen. Auch für King Kong und selbst die manchmal geschmähten Jack-Arnold-Filme trifft das meiner Meinung nach zu: erst die Einsamkeit des Monsters, daß es halt von niemandem ‚liebgehabt‘ wird nur weil es so anders ist, führt zum Ausbruch, zur Katastrophe. Und sehr gefällt mir der Hinweis, ein Buch doch auch mal wieder mit Bedacht zu lesen, „um des Wohlklanges der Sprache willen und weges des Reichtums an Gefühlen und Gedanken, der viele Empfindungen auslöst“. Kein schlechter Grund, ein Buch zu lesen.

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