Leo N. Tolstoi – Krieg und Frieden

Ich bitte darum, nicht meine geistige Gesundheit anzuzweifeln, nur weil ich dieses Buch empfehle. In Ordnung, es ist 130 Jahre alt, es ist 1500 (äußerst eng beschriebene) Seiten stark und es gibt außerdem ein paar Verfilmungen. Warum also lesen? Vielleicht weil es einzigartig ist. Kein anderes Werk bietet einen derartig gewaltiges Bild einer ganzen Epoche, die Europa auch heute noch beeinflußt. Es sind die Hoffnungen und Träume der großen und der kleinen Menschen (die damals schon dieselben waren wie heute, Markenjeans und -schuhe ausgenommen), die ihr Denken und Handeln bestimmten.

Da gibt es die Franzosen, die Napoleon als ihren großen Befreier und Helden ihrer Revolution feiern, den russischen Adel, der seine Macht und seinen Reichtum gefährdet sieht und mittendrin den kleinen Mann von der Straße, der in die Schlacht geschickt wird und das ganze ausbaden soll (auch das ist heute immer noch so). Beide Welten existieren nebeneinander und Tolstoi wechselt so hemmungslos von einer zur anderen, daß der krasse Unterschied zwischen Glanz und Elend deutlicher nicht werden kann.

Zwar ist seitdem mehr als ein Jahrhundert vergangen, doch (leider) bleiben die Menschen dieselben. Und wenn Clancy in seinen Thrillern
Kampfjets und Atomunterseeboote aufeinander losjagt, sind es da eben Fußsoldaten mit Degen und Musketen. Vorderlader natürlich. Das Ergebnis ist dasselbe. Und gerade die Beschreibung der Grausamkeit und Sinnlosigkeit des Krieges war es, die mich hier ergriff und die vielleicht zum Nachdenken anregt, ob es nicht Zeit wird, uns zu ändern.

Der Autor: Matthias Czarnetzki begann als Banker, wurde Journalist und studierte Informatik, bevor er feststellte, dass Schriftsteller mehrere Leben führen können, aber nur für eins Steuern zahlen müssen. Er ist unabhängiger Autor und unterstützt andere Indie-Autoren dabei, den gleichen Respekt zu erlangen wie Indie-Musiker und Indie-Filmemacher, so dass sie ihren traditionell verlegten Kollegen in nichts nachstehen. Noch Fragen?

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