Astrid Lindgren – Ronja Räubertochter

Es ist erstaunlich, wie doof man plötzlich dastehen kann, wenn man Astrid Lindgren nicht kennt. Da wanderte ich doch kürzlich ganz arglos durch Frankfurt und wurde plötzlich von einem Wesen angefallen, welches einer Soziologiestudentin erstaunlich ähnlich sah. Wie aus der Pistole geschossen kam sofort die Frage: „Was fällt ihnen zu dem Wort SPUNK ein?“ (Nicht erst das sonst übliche: „Darf ich ihnen eine Frage stellen?“, nein, gleich die harte Tour.) Einem unbedarften Passanten hätte das seine eigene Unwissenheit schonungslos vor Augen geführt und sein Selbstbewußtsein schwer geschädigt, wenn nicht gar endgültig zerschmettert.

Doch wie gesagt, zum Glück kannte ich Astrid Lindgren. Oder besser, Pippi Langstrumpf, um genau zu sein die Version, die vor langer Zeit, nämlich in meiner glücklichen Kindheit im TV (damals noch Fernseher) lief. Da betätigte sich die Göre in einer Folge als Wortschöpferin und ratet mal, welches Wort sie erfand. Bravo. 100 Punkte. Richtig geraten.

Es war Spunk. Und somit war Astrid Lindgren die richtige Antwort auf die oben gestellte Frage. Sichtlich enttäuscht, in mir kein wehrloses Opfer gefunden zu haben, zog die junge Frau wieder ab, um sich dem nächsten zuzuwenden.

Aus der langen Reihe von Büchern, die Astrid Lindgren in den letzten fast hundert Jahren geschrieben hat, gefällt mir persönlich Ronja Räubertocher am besten. Es war das erste, was ich von ihr in die Hände bekam und auch nicht mehr weglegen konnte, da Ronja das wilde und aufregende Waldleben führte, das ich als anständiger Stadtjunge auch gern geführt hätte. Leider fiel das wegen mangelder Nebelwälder, Wasserfälle und tiefer Schluchten aus.

Aber wenigsten die Phantasie bleibt uns. Und Astrid Lindgren.

Der Autor: Matthias Czarnetzki begann als Banker, wurde Journalist und studierte Informatik, bevor er feststellte, dass Schriftsteller mehrere Leben führen können, aber nur für eins Steuern zahlen müssen. Er ist unabhängiger Autor und unterstützt andere Indie-Autoren dabei, den gleichen Respekt zu erlangen wie Indie-Musiker und Indie-Filmemacher, so dass sie ihren traditionell verlegten Kollegen in nichts nachstehen. Noch Fragen?

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