Wie veröffentliche ich meine Texte?

Im Internet:

Du kannst die Geschichten auf deine Homepage stellen und ordentlich
Werbung dafür machen. Über einen Counter bekommst du mit, wie oft sie
gelesen wurde. Das ist die einfachste Methode und ziemlich befriedigend,
wenn du testen willst, ob deine Geschichten ankommen.
Zweite Möglichkeit: ein Literaturportal. www.literaturcafe.de ist eine
gute Adresse; von dort aus findest du auch Links zu weiteren Portalen.
Die Geschichte sollte zu den dort bereits veröffentlichten passen.

Verlag/Zeitschriften:

Verlage veröffentlichen kaum Kurzgeschichten – ein einfacher Test in
einer Buchhandlung beweist das. Vergleiche die Anzahl der Romane mit der
Anzahl der Geschichtensammlungen. Besser ist es, du findest eine
Zeitschrift, die Geschichten druckt, die deinem Stil entsprechen und
schickst das Manuskript dort ans Lektorat (vielleicht rufst du auch
vorher an, mach etwas Werbung für dich). Ein Musteranschreiben könnte so
aussehen:

[Adresse Verlag]

Sehr geehrte Herr/Frau Lektor,

ich möchte Ihnen meinen Roman “[Titel]“ vorstellen, einen
[Kurzbeschreibung, z.B. 'packenden Arztroman'], den ich mir in Ihrem
Programm sehr gut vorstellen könnte.

Die Geschichte in Kürze:

[hier nun eingerückt eine Zusammenfassung IN ETWA SECHZIG WORTEN
(!! erstaunlich, aber diese Zahl hat Magie - je näher man rankommt,
desto kraftvoller wird die Zusammenfassung!!) - und diesen Absatz
eingerückt, damit er ins Auge fällt>
Ich schreibe seit [ein Absatz, wer man ist und was man bisher so gemacht
hat]

Vorliegendes Werk [ein Absatz, warum man geeignet ist, das
vorgelegte Werk zu schreiben… z.B. Du bist Arzt o. dgl., Fachwissen
usw.]

Mein Anliegen [ein Absatz mit Blahblah über die eigenen Ziele -
ein Verlag hat lieber Autoren, die noch weitere Bücher schreiben
wollen!!]

[Schlußformel, 'würde mich freuen' etc.]

Mit freundlichen Grüßen

Dieses Musterexemplar stammt von Andreas
Eschbach
, der noch ein paar weitergehende Tipps zum Thema
veröffentlichen hat. Sein wichtigster Ratschlag: durchhalten und von
Absagen nicht entmutigen lassen. (Stephen King hat seine Absagen an
einen Nagel gespießt, der in der Wand seines Arbeitszimmers steckte. Der
Nagel ist irgendwann abgebrochen, weil es zuviele wurden; er hat
trotzdem weitergemacht.)

Literaturwettbewerbe:

Zum Einstieg auch nicht ganz schlecht sind Literaturwettbewerbe. Oft
suchen Firmen/Städte/Regionen/Bund per Wettbewerb Beiträge, von denen
die Besten in Anthologien veröffentlicht werden, manchmal gibt es auch
ein Preisgeld dazu. Selbst wenn nicht, dann sind solche
Veröffentlichungen gut für die Reputation, da sie sich in einem
Verlagsanschreiben gut verwenden lassen. Welche Wettbewerbe aktuell
laufen, läßt sich leicht über Google oder die örtlichen Bibliotheken und
Buchhandlungen herausfinden. Eine der umfangreichsten Sammlungen von
Literaturwettbewerben findet man im Netz unter Uschtrin; wer sich für den Newsletter
anmeldet verpasst auch keinen mehr.

Ein Wort zur Vorsicht sei doch angebracht: wieviele Bücher mit
Kurzgeschichten stehen in deiner Bibliothek? Wieviele Zeitschriften mit
Shortstories liest du im Monat? Es sind, verglichen mit der Anzahl der
Romane verschwindend wenig. Genau das ist das Problem, wenn man mit
einer Kurzgeschichte zum Verlag geht: der Verleger kann daraus kein Buch
machen. Wer geht schon wegen eines Fünf-Minuten-Films ins Kino? Und die
Zeitschriften, die literarisch anspruchsvolle Geschichten
veröffentlichen sind an einer Hand abzuzählen. Auch von jemanden, der
ein paar Jahrzehnte im Sägewerk tätig war. Um einen Text in einer der
wenigen verbliebenen Zeitschriften zu veröffentlichen, muss man schon
verdammt gut sein. Als Schriftsteller wahrgenommen wird man nur, wenn
man mindestens ein Buch geschrieben hat.

Diese Entwicklung ist nicht nur in Deutschland zu beobachten. Sogar
Stephen King – der sich vor seinem Druchbruch mit eben Kurzgeschichten
über Wasser hielt – hat festgestellt, dass die Magazine, die früher
seine Stories veröffentlicht hatten, mittlerweile fast nur noch
„erotische Literatur mit expliziten sexuellen Darstellungen“, also
Ruckelgeschichten veröffentlichen.
Kurzgeschichten sind schon gut – aber sie sind erst der Anfang. Oder
eine Übung für zwischendurch. Bücher sind das Wahre!

Der Autor: Matthias Czarnetzki begann als Banker, wurde Journalist und studierte Informatik, bevor er feststellte, dass Schriftsteller mehrere Leben führen können, aber nur für eins Steuern zahlen müssen. Er ist unabhängiger Autor und unterstützt andere Indie-Autoren dabei, den gleichen Respekt zu erlangen wie Indie-Musiker und Indie-Filmemacher, so dass sie ihren traditionell verlegten Kollegen in nichts nachstehen. Noch Fragen?

Veröffentlicht in Schreiben Getagged mit: ,

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*