Buchallegorien – Vor- und Nachteile

 

Seit einigen Wochen lässt sich auf Literaturcafe.de der Praxistest eBook verfolgen. Wolfgang Tischer hat sein erstes eBook auf Amazons Kindle veröffentlicht und berichtet ständig aktuell über seine Erfahrungen.

Kurz vor der Veröffentlichung der nächsten Auflage des eBooks stieß er auf ein Problem, dass mir vor einem halben Jahr auch begegnet ist: zwar kann ein Leser ein ein Mal gekauftes Buch immer wieder herunterladen – dabei erhält er aber immer nur die Version, die zum Zeitpunkt des Kaufes gültig war.

Stille Korrekturen von Rechtschreibfehlern, Aktualisierungen oder Erweiterungen von Sachbüchern – davon ist der Käufer bei Amazon ausgeschlossen – im Gegensatz zu Apple, bei dem der Leser die jeweils aktuellste Fassung bekommt.

Hier schlägt sich wohl die unterschiedliche Herkunft der beiden Firmen nieder. Apple, als Hard- und Softwarehersteller, ist es gewohnt, das seine Kunden immer die neuste und aktuellste Version des Produkts bekommen.

Amazon ist ein – wenn auch sehr moderner – Buchhändler. Und Buchhändler verdienen ihr Geld mit dem Verkauf immer neuer Bücher. Man stelle sich ein Fachbuch vor, dessen Inhalt sich ständig aktualisiert, ohne dass der Leser für die neuste Auflage Geld bezahlen muss! Ein Skandal – zumindest für die Profitmarge. So ist auch die Leihfunktion für eBooks, die seit neustem beim Kindle verfügbar ist, an einem physischen Buch orientiert: der Käufer kann das Buch während der Ausleihe selbst nicht lesen, die Leihfrist ist auf zwei Wochen beschränkt – und jedes Buch kann nur ein einziges Mal verliehen werden. Das freut wahrscheinlich nur Verlage, die nicht begriffen haben, dass eine solche Funktion sich so weit ins digitale Abseits stellt, dass selbst Hubble es nicht mehr entdecken kann.

Für Publisher auf der Kindle-Plattform bedeutet dies: Erweiterung des Inhalts zwingt zu einer neuen Ausgabe, da sonst Käufer der älteren Ausgabe nicht die Möglichkeit haben, jemals die neuen Inhalte zu sehen. Diese neue Ausgabe müsste neu gekauft werden – es sei denn, man bietet den Käufern der alten Ausgabe an, sich bei einem Update-Service anzumelden (eine Art Newsletter) und ihnen die neue Ausgabe über Amazons Dokumentenservice kostenlos zu schicken. Das würde zwar keinen Gewinn bringen, wäre aber extrem Leserfreundlich.

Es wird Zeit zu realisieren, dass eBooks zwar Bücher sind – aber auch viel mehr als das! Und sie warten darauf, dass ihre Möglichkeiten genutzt werden, statt nur eine Allegorie auf Papierbücher zu sein.

UPDATE: Mittlerweile hat Amazon einen Updateservice für eBooks eingeführt. Der erfordert aber die Mitarbeit der Autoren. Warum das wichtig ist und unbedingt genutzt werden sollte, steht hier: Amazon führt automatische Aktualisierung von Kindle-Books ein

 

 



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Der Autor: Matthias Czarnetzki begann als Banker, wurde Journalist und studierte Informatik, bevor er feststellte, dass Schriftsteller mehrere Leben führen können, aber nur für eins Steuern zahlen müssen. Er ist unabhängiger Autor und unterstützt andere Indie-Autoren dabei, den gleichen Respekt zu erlangen wie Indie-Musiker und Indie-Filmemacher, so dass sie ihren traditionell verlegten Kollegen in nichts nachstehen. Noch Fragen?

Veröffentlicht unter Allgemein, dns, ePublishing, Lesen, Verlegen

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