Ich möchte schreiben, finde aber keine Zeit dazu.

Ausrede Nummer 1 würde ich sagen. Um ehrlich zu sein, ich finde auch
keine Zeit zum Schreiben. Ich nehme sie mir.

Zum ersten gilt: Schreiben ist eine Sache, die man täglich tun sollte.
Es mag schwer sein, sich daran zu halten – aber wenn es leicht wäre,
würde es wahrscheinlich auch mehr Schriftsteller geben.

Zwei Dinge sind nötig: ein Plan und Disziplin. Schreiben sie täglich und
zwar zu einer festgelegten Zeit und lassen sie sich durch nichts davon
abbringen. Wenn das Telefon klingelt: es gibt Anrufbeantworter. Wenn es
an der Tür klingelt: wenn es wichtig ist, probiert ihr Besucher es
später wieder. Wenn das Essen im Ofen verbrennt: dann war ihre Planung
ungünstig.

Vielleicht hilft ihnen diese Erfahrung. Es ist meine eigene.
Normalerweise bevorzuge ich es Abends zu schreiben. Den ganzen Tag habe
ich über den Fortgang meiner Geschichte nachgedacht, mir Stück für Stück
zusammengesetzt und es dann zu Papier gebracht. Das klappte wunderbar
während meines Abiturs, während des Zivildienstes, während meines
Studiums. Dann begann ich zu arbeiten – ganztags. Abends war mein Hirn
Brei. Nichts ging mehr. Meine Schreibleistung fiel nach unten und
näherte sich bedrohlich der Nullmarke. Ebenso wie meine Laune. Denn
nichts macht mir mehr Spaß als zu schreiben. Fast nichts, wenn ich
nochmal drüber nachdenke. Irgendwie musste ich das Problem lösen,
schließlich beschwerte sich meine Frau schon, dass ich grummelig und
fast unausstehlich wurde. Die Lösung war schließlich ganz einfach: Ich
stellte meinen Wecker eine Stunde zurück. Statt um Sieben klingelt er
jetzt um Sechs und schon hatte mein Tag eine Stunde mehr. Besser noch:
dadurch, dass ich quasi zum Frühstück schon mein Tagewerk erledigt habe,
steigt der Zufriedenheitsfaktor enorm. Und die neugewonnene
Regelmäßigkeit erhöht meine Produktivität auf ein nie gekanntes Niveau.
Nur eine Seite täglich (von Montag bis Freitag) minus dem durch
Überarbeitung eliminierten Ausschuß bringt: einen Roman in zwei Jahren.
Und das mit nur einer Stunde täglich.

Der Autor: Matthias Czarnetzki begann als Banker, wurde Journalist und studierte Informatik, bevor er feststellte, dass Schriftsteller mehrere Leben führen können, aber nur für eins Steuern zahlen müssen. Er ist unabhängiger Autor und unterstützt andere Indie-Autoren dabei, den gleichen Respekt zu erlangen wie Indie-Musiker und Indie-Filmemacher, so dass sie ihren traditionell verlegten Kollegen in nichts nachstehen. Noch Fragen?

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4 Kommentare zu “Ich möchte schreiben, finde aber keine Zeit dazu.
  1. SEO Blog sagt:

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  2. geld verdienen sagt:

    Schöner Artikel – davon will ich gerne mehr lesen!

  3. Wenn ich eigentlich zu erledigt zum Schreiben bin, ist einer meiner Lieblingstricks: Ich nehme mir ein ganz kleines Blatt Papier (z. B. eine Seite aus einem DinA6-Notizbuch) mit dem festen Vorsatz, das vollzuschreiben. Meistens dauert’s nur ein paar Minuten und ich kritzele erst noch die Rückseite voll und greife dann nach einem meiner großen Blöcke und schreibe weiter. Funktioniert nicht immer, aber erstaunlich oft.

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