Empfohlene Preisgestaltung für Kindle-Books

29. Mai 2011
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Heute habe ich im Podcast von Joanna Penn ein Interview mit Steve Windwalker, dem Kopf hinter kindlenationdaily.com/ gehört. Steve begleitet seit der Einführung des Kindle Autoren bei der Veröffentlichung von eBooks. Ein Satz zum Thema Preisgestaltung blieb sofort bei mir hängen: “There is no shortage of books. But there is a shortage of readers.”

Für Verlage liegt die Hauptpriorität bei der Preisfestlegung in der Maximierung des Gewinns. Autoren wollen durch den Preis des Buches eine Anerkennung ihrer oft jahrelangen Arbeit erhalten. Drei Jahre an einem Buch schreiben und es dann für 99 Cent verkaufen? Keine Chance!

Die einfache Wahrheit lautet: keine dieser Begründungen interessiert den Leser. Er möchte einfach für eine Weile unterhalten werden. Und – wie er es von allen anderen Kosumgütern gewöhnt ist – das zu einem möglichst niedrigen Preis. Windwalker hat seit dem Start seiner Website viele Projekte beobachtet und bemerkt, dass die am erfolgreichsten sind, die Preise zwischen 99 Cent und 2.99 Dollar haben. Wie sich die Preisgestaltung auf die aktuellen Verkaufszahlen auswirkt, beschreibt Derek Canyon auf Adventures in ePublishing, zusammen mit Diagrammen über Preise, Verkaufszahlen und Gewinn.

Einen simplen Fakt sollte man nicht vergessen: der Preis eines Buches ist zweitranging. Der Preis mal Anzahl der Leser ist die entscheidende Größe. Und die Anzahl der Leser wird steigen, wenn der Preis sinkt. Das ist Marktwirtschaft. Hat das etwas mit Selbstverramschung zu tun?

Das kommt ganz auf das Selbstbild des Autors an. Sieht er sich als Künstler, der respektiert, geachtet und dem entsprechend bezahlt werden möchte, dann ist es Selbstverramschung. Sieht er sich als Dienstleister des Lesers an, der liefern möchte, was der Kunde/Leser haben will, dann ist der Preis sinnvoll – weil man dadurch Leser an sich bindet, sich einen guten Ruf erwirbt, der mehr Leser verschafft. Nach fünfzehn Jahren Erfahrung als Dienstleister für Softwareentwicklung halte ich mich an das zweite Modell.

Und sie?


 

Das Interview mit Steve Windwalker kann hier heruntergeladen werden (englisch): htntp://www.thecreativepenn.com/2011/05/18/kindle-nation-daily-steven-windwalker/

Ein anderer Artikel zu dem Thema, der die Preisgestaltung von einem anderen Blickwinkel beleuchtet, stammt vom Wiener Schriftsteller Richard K. Breuer und ist hier zu finden: http://1668cc.wordpress.com/2011/04/27/was-soll-das-ebook-kosten-ha/

Einen längeren Artikel über den Long Tail gibt es im Blog von Seth Godin: http://sethgodin.typepad.com/seths_blog/2011/05/kingmaker.html Der Long Tail interessant, da es bei digitalen Veröffentlichungen nicht mehr auf schnell verkaufte Bestseller ankommt, die in wenigen Wochen erfolgreich sein müssen, sondern auf langanhaltende Verkäufe – die sich auch mit niedrigen Verkaufsmengen rechnen.

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12 Responses to Empfohlene Preisgestaltung für Kindle-Books

  1. Karl Marx on 2. Juni 2011 at 17:23

    Dem Artikel stimme ich voll und ganz zu! Die “Künstler” sollen sich doch mit Ruhm und Ehre zufrieden geben (die Softwareentwickler sowieso). Wozu brauchen die überhaupt noch Kohle, Anerkennung kriegen sie doch auch so – manchmal wenigstens. (Na ja, eher nicht…) Wieso sollen wir unser gutes Geld an fremde Leute geben? Ob der Autor davon leben kann, das interessiert uns ebensowenig, wie die 1,50 für den polnischen Spargelstecher oder ob der Versager, der die Autoteile zusammenschraubt, eine Krankenversicherung hat. Mein Nachbarn sind beide Lehrer (Gym) die gehen nächstes Jahr in Pension (zusammen über 6000€, 70% ihrer privaten Krankenversicherung zahlt dann Vater Staat, satte Zuschüsse, wenn sie mal ins Altersheim müssen). Das haben sie sich verdient, wo sie doch jahrelang die frechen Blagen ertragen mussten. Warum sollen die jetzt unnötige Summen an Kellner, Zimmermädchen, Schriftsteller, Tankwarte u.s.w abgeben, die doch alle zu blöd waren, sich im Staatsdienst zu positionieren? Ehre, wem Ehre gebürt (vielleicht), aber damit solls dann auch gut sein! Wenn man schön artig ist und den Reichen die Taschen hinterherträgt und die Türen aufhält, na da ist doch auch der eine oder andere Cent drin, oder?

  2. Matthias Czarnetzki on 3. Juni 2011 at 21:42

    Aha.

  3. PvC on 10. Juni 2011 at 18:05

    Wie lange liest man einem Buch, wie oft, wie lange hängt einem eine Geschichte nach? Was kostet eine Kinokarte, was eine Eintrittskarte ins Konzert? Was kostet ein Fastfood-Menu, was lege ich für ein gutes Essen hin? Was ist mir ein Buch wert? Was kostet eine Music-CD, was kostet eine DVD, was kostet ein Buch?

    Geiz ist geil. Aber Wertschätzung ist nicht automatisch gering im Publikum. Es liegt in der Hand der Anbieter, ihr Publikum zu erziehen. Ich kann ganze Massen dazu erziehen, etwas sehr gering zu schätzen. Und mir meinen Markt auf alle Zeiten ruinieren. Einmal Billigheimer, immer Billigheimer.

    Ein Buch sollte nicht billig und nicht teuer sein, sondern wertig. Und dem muss ein Preis entsprechen.

    Vielleicht trennt sich aber auch so ganz schnell die Spreu vom Weizen: Für 99 Cent gibt’s die Hobbyisten, die Profis verlangen mehr?

  4. Matthias Czarnetzki on 10. Juni 2011 at 20:34

    Ob man den Wert einer Geschichte an ihrem Preis ablesen kann? Interessanter Gedanke – den ich so nicht betrachtet habe.

    Ich bin bei meinen Überlegungen davon ausgegangen, dass mir der Verkauf eines eBooks für 2.99 mehr einbringt als der Verkauf des Taschenbuchs für 18.90 – warum sollte ich also mehr verlangen?

    Der Preis ist aber eine Schwelle für den Leser – und mir liegt im Augenblick mehr daran, viele Leser zu erreichen statt hohe Gewinne einzustreichen.

  5. PvC on 11. Juni 2011 at 11:01

    Das wäre natürlich ein Ansatz. Ein anderer Ansatz wäre, von sich selbst weg strukturell und politisch zu denken, die Marktmechanismen auf lange Frist und nachhaltig zu betrachten.

    Etwas hinkendes Beispiel aus der Branche: Ein Autor liest ohne Honorar, weil er eben auf Teufel komm raus irgendwo auftreten möchte und sich ausrechnet, dass solche Lesungen mehr Menschen anziehen *könnten*.

    Er vergisst, dass er – und alle anderen, die so handeln – zunächst die Marktpreise für diejenigen kaputtmachen, die von Honoraren ihr Brot bezahlen müssen. Ist ihm egal, solange nur er sich Erfolg ausrechnen kann. Das geht ein Weilchen gut, dann schlägt das System zurück: Eines Tages will dieser Autor endlich auch mal Geld verdienen. Er klopft bei Veranstaltern an und die lachen ihn aus: “Es gibt so viele Kollegen, die bereit sind, kostenlos aufzutreten, tut uns leid.” Und dann bleibt das Publikum langsam aus: “Guck mal, das ist einer von diesen Möchtegerns, der bietet sich überall wie Sauerbier umsonst an.”

    Es geht nicht um den Unterschied zwischen 2.99 und 18.90, sondern darum, Bücher und ARBEIT nicht unter WERT zu verkaufen. Wenn Bücher nichts mehr wert sind, kann auch das, was drinsteht, nichts mehr taugen. Und wer sich heute ohne guten Grund für 99 Cent verkauft, wird morgen eine winzige unfindbare Nummer in einem Heer von 99-Cent-Möchtegerns sein. So baut man weder Wert noch eine Marke auf. Es sei denn, die mit der Geiz-ist-geil-Mentalität sind tatsächlich unser sehnlichst erhofftes Zielpublikum.

  6. PvC on 11. Juni 2011 at 11:06

    “Ob man den Wert einer Geschichte an ihrem Preis ablesen kann?”

    Das meine ich übrigens nicht. Ich will darauf aufmerksam machen, dass man Arbeit und schöpferische Leistungen nicht UNTER Wert verkaufen sollte. Wenn Bücher weniger kosten als ein Doppelwürger, läuft kulturell etwas sehr falsch. Und diese Welt gestaltet jeder Einzelne von uns aktiv mit!

  7. Matthias Czarnetzki on 12. Juni 2011 at 13:53

    Ich habe, als ich Mitte Zwanzig war, einmal ausgerechnet, wie viele Bücher ich bis zu diesem Zeitpunkt gelesen hatte. Es müssten so um die zweitausend gewesen sein – ein Schnitt von 2 Büchern pro Woche. Hätte ich die alle kaufen müssen, wäre das unmöglich gewesen – aber es gab ja Bibliotheken, drei davon konnte ich bequem mit dem Fahrrad erreichen. Hätte ich nur Bücher lesen können, die ich mir vorher gekauft hatte – neunzig oder fünfundneunzig Prozent meiner Bildung wären mir verwehrt geblieben.

    Kann sein, dass etwas falsch läuft, wenn ein Buch weniger kostet als ein Doppelwürger – aber es läuft noch mehr falsch, wenn Geld den Zugang zur Kultur verwehrt. Natürlich ist der Standpunkt eines Autoren/Übersetzers davon geprägt, dass er von seiner Arbeit leben will – mehr dazu schreibt Petra von Cronenburg hier. Aber es ist meine Überzeugung, dass Wissen/Geschichten/Kultur für alle so gut und günstig wie möglich erhältlich sein müssen; deshalb befürworte ich auch Open Access bei wissenschaftlichen Publikationen, aber das ist ein anderes Schlachtfeld.

    Übrigens: wäre es nicht schade, wenn sich jemand für Nijinsky interessieren würde, aber sich €15.50 schlicht und einfach nicht leisten kann? (Wobei das für ein Hardcover ein wirklich sehr günstiger Preis ist!)

  8. Petra on 13. Juni 2011 at 12:12

    Du sagst es doch selbst: Es gibt Bibliotheken! Wenn Bildung am Geld scheitert, dann an ganz anderen Stellen, aber nicht an Büchern, sondern schon in der Schule.

    Bücher hat man sich schon immer legal ausleihen können. Heute gibt es sogar Tauschbörsen im Internet. Wo also liegt das Problem?
    Wenn sich E-Books (noch) nicht verleihen lassen, hängt das an technischen Problemen und am Aushandeln zufriedenstellender Verträge, die nicht nur von einer Seite diktiert werden.

    Übrigens: Wäre es nicht schade, wenn mir beim Bäcker der Duft eines Spezialbrotes um die Nase weht, das ich mir schlicht nicht leisten kann (weil alle meine Bücher umsonst haben wollen?)? Meinst du, der leiht es mir zum Frühstück?

  9. Marius on 17. Juni 2011 at 16:22

    Ich hab einfach noch eine kurze Nachfrage:
    Ist es möglich ein eBook über die bekannten Wege auf Amazon für den Kindle auch kostenlos anzubieten?
    Danke schonmal für eine Antwort. :)

  10. Matthias Czarnetzki on 18. Juni 2011 at 14:20

    Nein, Amazon bietet über KDP keine kostenlosen Veröffentlichungen an.

  11. Bruce Mangee on 2. Juli 2011 at 10:54

    Ihr vergesst einen Faktor. Sobald wir ein Buch in digitaler Form haben ist es leicht kopierbar. DRM ist eigentlich kein Problem, für manche eher so etwas wie puzzeln.
    Also sollte man eine Preis finden den die Masse als angemessen empfindet. Findet man den nicht, dann wird illegal kopiert. Wer sich dieser Tatsache verschließt wird verlieren. Man sieht es derzeit an der Musik und Filmindustrie.

    Ein weiterer Punkt sind die Verwertungsgesellschaften. Der Autor gibt meist alle seine Rechte an seinem Werk an eine Verwertungsgesellschaft ab. Wer das nicht tut wird halt nicht verlegt. Das ist Autorenalltag, für wenig bekannte Autoren.
    Ebooks geben wieder die Chance den Autor komplett an seinem Werk verdienen lassen zu können und die 3 Euro wären dann sogar in den meisten Fällen mehr als er mit einer Verwertungsgesellschaft bekommen könnte.

    Früher war der Aufwand ein Buch zu kopieren recht aufwändig. Das kopieren von Sachbüchern (600-1000 Seiten) hat da schon mal eine Stunde gedauert. Das knacken eines Kindle DRM dauert dank schneller CPU/GPU keine 2min.
    Wer diese Tatsache ignoriert und entweder auf die Justiz oder die Moral des Kunden hofft und Ebooks weiter mit 2 Euro weniger, als ihren Einband verkauft, der wird verlieren …

  12. Matthias Czarnetzki on 3. Juli 2011 at 19:31

    Genau diese Preisfindung ist im Augenblick in vollem Gange. Ich selbst gehe davon aus, dass günstige Preise viele Käufer anziehen und dadurch genug Honorar entsteht, um den Autoren ein Auskommen zu ermöglichen. Andere Verlage verlangen für eBooks genau so viel wie für ihre Taschenbuch/Hardcoverausgaben, um dadurch ihre Gewinnmargen zu erhalten. Ob der Leser die nicht weitergegebenen Einsparungen durch den Wegfall der Druck- und Transportkosten akzeptiert, wird sich sehr schnell zeigen. Ich glaube es eher nicht.

    Und zum Punkt DRM: wenn ich ein Buch kaufe, dann möchte ich es so wie ich will verleihen, verschenken oder weiterverkaufen. Genauso sehe ich es mit Musik im MP3-Format: was ich mir kaufe, möchte ich auch in Zukunft so nutzen, wie ich es möchte. Und wenn ich sie eben im OGG-Format hören will, dann möchte ich auch gern das einmal bezahlte Musikstück entsprechend konvertieren können. Deshalb kaufe ich nur dort digitale Musik, wo auf DRM verzichtet wird. Bei meinen eBooks fange ich diesen Unsinn gar nicht erst an – DRM heißt Dont Read Me! Meine Bücher sind und bleiben DRM-frei.

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