Wie Social Networks helfen, Texte zu verbessern

Das wichtigste, was sie als angehender Schriftsteller brauchen, ist Leser-Feedback. Das ist das einzige was ihnen zeigen kann, ob ihre Texte gut oder schlecht sind.

Glücklicherweise leben wir mittlerweile in einer derartig vernetzten Welt, dass jeder angehende Autor Leser finden kann – wenn er weiß, wo er suchen muss.

Dabei gilt ein einfacher Grundsatz:

Suchen sie Leser, keine Autoren!

Eine einfache Suche im Netz zeigt, dass es sehr viele Seiten gibt, auf denen sich angehende mit erfahrenen Autoren über technische und kreative Probleme des Schreibens austauschen. Wenn sie solche Fragen haben, sind diese Foren der geeignete Ort, um dort die Antwort zu finden.

Autoren neigen aber dazu, sich lieber um die eigenen Geschichten zu kümmern als um die von Kollegen. Leser dagegen sind da unbelastet. Sie können aus den angebotenen Geschichten die auswählen, die ihnen am besten gefallen und sich um diese kümmern.

Es gibt zwei Seiten die auf Grund ihres Bekanntheitsgrades für den Aufbau einer engeren Autor-Leser Bindung geeignet sind: scribd.com, das laut eigener Aussage das youtube für Texte werden will, eignet sich für international oder mehrsprachig ausgerichtete Autoren, bookrix.de für diejenigen mit deutschsprachiger Leserschaft. Es lohnt sich, auf beiden Plattformen aktiv zu werden.

Beginnen sie damit sich (kostenlos) zu registrieren. Dann erforschen sie die Community. Bei scribd.com lohnt es sich die Gruppen anzusehen, die sich auf deutschsprachige Texte konzentrieren. Lesen sie ein paar der dort veröffentlichten Geschichten und Bücher, bis sie einige finden, die ihrem Geschmack und dem, was sie schreiben, entsprechen.

Wenn sie einige gefunden haben, sehen sie sich die Follower oder Freunde des Autoren an. Bei bookrix.de können sie zusätzlich sehen, wer den entsprechenden Text als Favorit hinzugefügt hat. Sehr oft werden sie auf Mitglieder treffen, die selbst keine oder nur wenige Texte veröffentlicht haben, aber sehr viel lesen. Nun brauchen sie zu diesen nur noch Kontakt aufzunehmen – bei scribd.com folgen sie ihnen oder schicken eine Nachricht, bei bookrix.de senden sie eine Freundschaftsanfrage.

Nun laden sie ihren eigenen Text hoch und geben einige Metadaten. (Der Vorgang ist simpel. Beide Plattformen wandeln die Dokumente in online-Bücher um; bei bookrix.de sogar in ein optisch äußerst ansprechendes.) Jetzt senden sie an alle Personen aus ihrem Netzwerk eine Einladung, ihren Text zu lesen und die Bitte, ihn dann auch zu bewerten. Das geht mit Punkten, aber auch mit einem kleinen Kommentar. Bitten sie ausdrücklich um eine kritische Bewertung. Ein reines 5-Punkte-Lob hilft ihnen nicht, ihren Text zu verbessern.

Wenn sie Bewertungen erhalten, vergessen sie zwei Dinge nicht: 1. Sich zu bedanken – schließlich hat jemand etwas Zeit geopfert, um ihnen zu helfen. 2. Die alte Version des Textes durch eine anhand der Kritik überarbeitete Version zu ersetzen.

Zusammengefasst lautet die Vorgehensweise eines Web 2.0 – Autoren wie folgt:

1. schreiben
2. veröffentlichen
3. – 1000. überarbeiten

Ich wünsche ihnen viel Erfolg beim Aufbau einer eigenen Leserschaft!

Der Autor: Matthias Czarnetzki begann als Banker, wurde Journalist und studierte Informatik, bevor er feststellte, dass Schriftsteller mehrere Leben führen können, aber nur für eins Steuern zahlen müssen. Er ist unabhängiger Autor und unterstützt andere Indie-Autoren dabei, den gleichen Respekt zu erlangen wie Indie-Musiker und Indie-Filmemacher, so dass sie ihren traditionell verlegten Kollegen in nichts nachstehen. Noch Fragen?

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6 Kommentare zu “Wie Social Networks helfen, Texte zu verbessern
  1. Kontakt zu Lesern, das kann man nicht genügend oft betonen, wie wichtig das ist! Nur schreiben, am besten in der zugigen Dachkammer und auf die Entdeckung warten – das alte romantische Klischee -, son funktioniert Literatur nicht. Danke, Matthias, für den Text!
    Auch Lesungen sind ein gutes „Instrument“ zur Textverbesserung. Komme gerade von einer Schullesung und habe zum ersten Mal gefragt: Wenn ihr euch ein Buch wünschen würdet, dass ihr immer schon lesen wollt, wie soll es sein? Die Ergebnisse will ich bei meinem nächsten Handyroman umsetzen!
    Ja, Lesungen, aber das ist doch nur was für „erfolgreiche“ Schriftsteller, die in großen Verlagen publizieren, höre ich oft. Stimmt nicht! Viele Schulklassen sind dankbar, wenn sie mit einem Autor ein Projekt machen können. Für die Lehrer ist es aktuelles Unterrichtsmaterial, für die Schüler echt spannend, einem Autor zu begegnen und für den Autor eine Inspiration / Hilfe bei der Planung und Überarbeitung. Alle Seiten gewinnen dabei – was selten vorkommt. Von daher ist die Idee „Schullesung“ auf jeden Fall ausprobierenswert! Virtuelle Leser sind das eine, sie können auch sehr helfen, aber wer dann noch den Schritt ins reale Leben wagt, kann noch mehr gewinnen. Das Element der Körpersprache ist nicht zu verachten, da merkt man schnell, was dem anderen wichtig ist, was nur dahergesagt.

  2. Leser – Autor – Leser? Sind sie zu trennen? Dass ein Autor Leser ist, liegt in der Natur der Sache. Und der Umkehrschluss? Ich glaube sich über Onlineplattformen ein Bild einzuholen über seine „Schreibe“, mag eine gute Ergänzung sein und bedarf für mein Verständnis etwas Erfahrung als Autor/Autorin. Ich persönlich stehe auf die gute alte Schreibwerkstatt. Da bekommt man alles, was man braucht. Autoren, Leser, Schreiben und Lesen. Schreibwerkstätten sind so unterschiedlich, wie ihre Anbieter, doch im Allgemeinen liest man, was man zu Hause in der zugigen Dachkammer geschrieben hat, den anderen vor (Lesern und Autoren) und bekommt mehr als ein Feedback. Zum anderen erhält man dort Schreibanregung, kommt unter Menschen und kann Kontakte knüpfen. Und nicht zu verachten, gerade für Anfänger: Eine Schreibwerkstatt ist ein geschützter Raum. Was heisst die Feedback/Kritkrunden werden moderiert. Sicher sind Schreibwerkstätten nicht kostenlos, auch das liegt in der Natur der Sache;- Schreiben ist Handwerk und Dachdecker wird man auch nicht kostenlos. Ich persönlich möchte keine Minute Schreibwerkstatt missen. (Selbstverständlich gibt es Schreibwerkstätten, die unverschämte Preise haben, über die Qualität kann ich nichts sagen, da ich nicht jeden Preis zu zahlen, bereit bin). Doch die kann man ja meiden.)

    • Schreibwerkstätten sind wirklich eine sehr gute Möglichkeit, um fachlich qualifiziertes Feedback zu bekommen. Ich habe früher auch an Schreibkursen und Autorenzirkeln teilgenommen, was mir viel gebracht hat. Das war allerdings bevor ich aufs Dorf gezogen bin… Daher stammt meine Neigung, mich vorwiegend online zu vernetzen.

  3. Hallo in die Runde!

    Ein interessanter Artikel, Matthias, und eine spannende Kommentarrunde. Vielen Dank!

    Ich möchte nun noch meinen Senf dazu geben und meine, „Textarbeit/Feedback zum eigenen Text“ sollte so etwas wie ein Mix-Getränk sein: von allem etwas. Die Meinung der Crowd, z. B. über BookRix, ist wichtig, weil sich dort überwiegend Leser mit meinem Text befassen. Und für die schreibe ich schließlich. Dazu kann es nicht schaden, wenn man sich als Autor ein paar persönlich bekannte Beta-Leser aufbaut. In dieser Gruppe sollten dann auch andere Autoren sein, die dann auch auf´s Handwerkliche achten.

    Bei Menschen aus dem „Friends-&-Family“-Umfeld bin ich grundsätzlich zurückhaltend. Zu groß erscheint mir die Gefahr, dass meine Freunde alles einfach nur „gut“ finden, was ich schreibe. Ich habe mich daher einer realen Autorengruppe angeschlossen, von deren Mitglieder ich mir Feedback zu meinen Texten einhole.

    Das Thema „Schreibwerkstatt“ finde ich in so fern wichtig und richtig, als dass es nicht schadet, sich stetig weiterzubilden. Für mich ist das eine lohnende Investition in Qualität. Aus dem beruflichen Alltag kenne ich den japanischen Begriff des „Kaizen“. Er beschreibt eine japanische Lebens- und Arbeitsphilosophie, in deren Zentrum das Streben nach ständiger Verbesserung steht. Und Schrei-ben hört sich ja auch irgendwie so an wie Kai-zen … 🙂

    Viele Grüße an alle Schreibenden und Lesenden!

    Andreas Kriminalinski

  4. charly michel sagt:

    Danke Mathias,
    diese Runde, dank deines Artikels, hat mir doch den Mut eingeflößt, den ich benötigte, um mit meinem Roman an die „Leserschaft“ heran zu treten. Ich werde beide Plattformen ausprobieren.
    Zu Andreas möchte sagen, dass ich gerde „Yasunari Kawabata“ Ausgewählte Werke lese.
    Leider habe ich keine Erfahrung, wie man eine Webseite einrichtet!

    • Hi Charly,

      wenn du dein Schreiben ernst nimmst, lernwillig bist und auf Rat hörst, dann gibt es kaum etwas, was du falsch machen kannst. Der beste – aber auch der gnadenloseste – Lehrmeister ist dein Leser; sein Feedback entscheidet, ob dein Werk gut oder schlecht ist.
      Mittlerweile gibt es auch viele andere Plattformen, auf denen du mit deinen Lesern in Kontakt treten kannst, manche sind besser geeignet, wenn sie sich auf Literatur in deinem Genre spezialisiert haben. Google einfach mal!
      Oder du suchst in deiner Stadt nach einem Schreibkreis – da gibt es meistens welche. Auf wenn es sich nicht um Profi-Autoren handeln mag, ist ein anderer Blickwinkel auf dein Schreiben schon eine Menge wert!

      In diesem Sinne: viel Spaß beim Schreiben,
      Matthias

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