Das van Cronenburg-Imperium

Was? Sie haben noch nie vom van Cronenburg-Imperium gehört? Jenem Film-, Literatur-, Kunst- und Kulturimperium, welches vor zwanzig Jahren im Umbruch Osteuropas entstand und sich von Polen aus Richtung Westen ausbreitete, bis die Eroberung Hollywoods zum Greifen Nahe war? Eine halbe Flasche mehr Wodka und es wäre vielleicht nicht nur ein Traum geblieben. So existierte es nur für eine Nacht in den Köpfen einiger Träumer, wie Petra van Cronenburg in diesem Blogartikel vergnüglich beschreibt.

Damals war alles im Umbruch. Alles war möglich, nichts zu gewagt. Manche haben die Chance genutzt – andere nicht.

Heute ist wieder alles im Umbruch. Manche nutzen diese Chance – andere nicht.

Still und leise hat sich in den letzten Jahren die Welt des Buches gründlich umgekrempelt. Verlage – früher Torwächter und unumschränkte Herrscher darüber, was als Buch erscheint und was nicht – verlieren an Bedeutung und müssen sich eine neue Rolle suchen, wenn sie nicht ganz von der Bildfläche verschwinden wollen. Das Buch verliert seine Papierfesseln und wird digital – ein einem Maß, dass seine alten Hütern unheimlich erscheint. Ebooks treten ihren Siegeszug an und mit Amazon, Apple und Google erscheinen plötzlich neue Spieler auf dem Markt, die sich unverschämterweise nicht an die alten Regeln halten wollen. Die gute Nachricht lautet: Sie müssen das auch nicht!

Petra van Cronenburg beschreibt ihre Zeit als Verlagsautor als jemand, der nur schreiben brauchte – den Rest erledigte der Verlag. Das war früher. Heute erwartet der Verlag von seinen Autoren eine aktive Beteiligung am Marketing. Lesungen, Signierstunden, Social Networking. Ist der Autor bereit, das zu tun, dann zeigt der Verlag auch mehr interesse, etwas für sein Buch zu tun.

Nur: hat der Autor dann den Verlag noch nötig?

Selbstverlegten Autoren haftet hierzulande noch der Ruf des Verlierers an. Der hat es nicht geschafft. Kein Verlag wollte ihn veröffentlichen – war wohl nicht gut genug. Diese Meinung wird auch heute noch oft verbreitet. Von wem? Von dem, der am meisten zu verlieren hat. Nur wer in einem Verlag publiziert, der ist ein richtiger Autor!

Mir wollte das nie richtig einleuchten. Als freiberuflicher Softwareentwickler war/bin ich es gewohnt, alles selbst in die Hand zu nehmen. Für Dinge, die ich nicht kann – oder die mir nicht liegen, gibt es Experten, die ich anheuern kann. Und ein Job ist dann gut, wenn der Kunde zufrieden ist. Warum sollte das bei Büchern anders sein?

Das Internet hat die Spielregeln geändert. Selbermacher haben es in der Hand: Jeder Autor kann und sollte direkt mit seinen Lesern in Kontakt treten. Es braucht keinen Dritten mehr, der sagt, was der Markt gerade will. Wann ist ein Buch gut? Wenn der Leser sagt, es ist gut. Schreiben sie für Leser, nicht für Autoren, nicht für Kritiker, nicht für Verlage.

Oft heißt es, dass selbstverlegte Bücher schlechter sind als Verlagsbücher. Oft ist das auch wahr. Und? Niemand wird gezwungen, schlechte Bücher zu lesen. Und niemand wird gezwungen, schlechte Bücher zu schreiben. Jeder Autor ist es sich selbst und vor allem seinen Lesern schuldig, das verdammt beste Buch abzuliefern, dass die Welt je gesehen hat! Es gibt keine Entschuldigung für ein schlechtes Buch! Auch nicht, dass die anderen nicht besser sind.

Mit Internetforen, Büchercommunities, Facebook, Twitter, Google und welchen Plattformen und Werkzeugen auch immer ist es jedem möglich, seine Leser zu finden. Diese neue Welt ist voller Chancen – nutzen sie sie!

Übrigens Petra van Cronenburg ist gerade dabei, ihr zweites Imperium aufzubauen. Diesmal nicht nur in ihren Träumen. Viel Glück!

Der Autor: Matthias Czarnetzki begann als Banker, wurde Journalist und studierte Informatik, bevor er feststellte, dass Schriftsteller mehrere Leben führen können, aber nur für eins Steuern zahlen müssen. Er ist unabhängiger Autor und unterstützt andere Indie-Autoren dabei, den gleichen Respekt zu erlangen wie Indie-Musiker und Indie-Filmemacher, so dass sie ihren traditionell verlegten Kollegen in nichts nachstehen. Noch Fragen?

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Ein Kommentar zu “Das van Cronenburg-Imperium
  1. Huch, tu ich das? Davon weiß ich ja noch gar nichts. 😉 Mäzene und Sponsoren – bitte nichts wie in mein Blog und fleißig spenden! Sonst wird das mit dem Imperium nie etwas.

    „Brotberuflich“ mache ich ja auch PR und will aus dieser Sicht nicht alle Illusionen nehmen – aber Social-Media-Strategien und der Erfolg von Kampagnen dort sind mindestens so schwierig wie herkömmliche Buch-PR, wenn nicht sogar unberechenbarer. Man sollte sich da nicht zu viel Verkäufe vorstellen. Außer beim E-Book findet der Hauptverkauf noch im echten Leben statt.

    Ich kann wie du nur jedem Selbermacher den Tipp geben, sich gründlich in allen Bereichen fortzubilden und bei den tragenden Teilen (Lektorat, Layout, Cover, Pressearbeit) zu Profis zu greifen. Die meisten PoD-Hersteller bieten das auch im Baukastensystem an – man sollte einfach nicht am falschen Ende sparen. Denkbar sind auch Kooperativen unter Selbermachern mit unterschiedlichen Fähigkeiten, um Kosten gering zu halten. Im Ausland funktioniert das schon.

    Und ganz ehrlich: Manchmal ist der Aufwand, ein wirklich gutes Buch zu schreiben und den Bewerbungsparcours bei Verlagen und Agenturen durchzuhalten, nichts gegen die Maloche, ein gutes Buch selbst zu produzieren 😉

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