Wieviel ist ein Buch wert, das jemand nicht mal stehlen will?

Buch-, Film- und Musikindustrie nähren seit Jahren mit mehr oder weniger drastischen Aktionen bei ihren Konsumenten die Vorstellung, dass das unerlaubte Kopieren ihrer Produkte direkt zum Untergang des Abendlandes führt. In seinem Artikel kommt Brian O’Leary aber auch zu einem anderen Schluss:

„Piracy really is the consequence of not meeting consumer demand.“

Der normale Nutzer ist bereit, für Content angemessene Preise zu bezahlen – wenn es ihn denn in ihrem Land gäbe. Statt dessen stößt er an vielen Stellen auf den YouTube-Hinweis: Dieser Content ist in deinem Land nicht verfügbar. Ein Publisher, der seinen Content leicht und preiswert (nicht unbedingt billig, nur eben seinen Preis wert) verfügbar macht, bekämpft Piraterie effektiver als einer, der ehrliche Kunden mit nicht wegschaltbaren juristischen Konsequenzen nervt.

Ein zweiter Punkt, der schon länger bekannt ist, lautet: Though e-book piracy is on the rise, it doesn’t necessarily come at the expense of legit e-book sales. Welche Bücher werden denn gestohlen? Solche die es wert sind. Ein Buch, dass auf keiner Piratenseite auftaucht, will wahrscheinlich auch keiner haben. Und das sollte mehr Sorgen machen als ein paar kostenlose Werbeexemplare Raubkopien.

UPDATE: Angereichert mit eigenen Erfahrungen mit dem deutschen eBook-Markt ist der Artikel Die eBook-Piraten von Matthias Brömmelhaus.

Der Autor: Matthias Czarnetzki begann als Banker, wurde Journalist und studierte Informatik, bevor er feststellte, dass Schriftsteller mehrere Leben führen können, aber nur für eins Steuern zahlen müssen. Er ist unabhängiger Autor und unterstützt andere Indie-Autoren dabei, den gleichen Respekt zu erlangen wie Indie-Musiker und Indie-Filmemacher, so dass sie ihren traditionell verlegten Kollegen in nichts nachstehen. Noch Fragen?

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3 Kommentare zu “Wieviel ist ein Buch wert, das jemand nicht mal stehlen will?
  1. Anonym sagt:

    Das ist mal ein intelligenter Ansatz!

    Hat es „Emily Bold – Gefährliche Intrigen“ geschadet, dass sie seit 06/2011 bei den Piraten mitsegelt (Googlesuche: „…“)? Oder ist sie zur Nr.1 bei Kindle Amazon geworden, WEIL sie dort vertreten ist?

    Ein Indie-Autor, der auf „digital“ setzt, muss dort sein, wo digitales Lesen stattfindet. Sonst macht er einen Riesenfehler, was die Vermarktung angeht.

    Ihr wisst gar nicht, wie groß diese Seiten sind! Das zur Menge der Leser gesagt. Gleichzeitig sind diese Leser auch sehr netzpräsent und einflussreich. Der zweite Punkt bleibt oft unerwähnt.

  2. Ich kann dem Denkansatz nicht ganz folgen. Meiner Meinung nach ist der (lit) Wert eines Buches nicht anhand seiner Verkäuflichkeit zu messen. Mit diesem Denkansatz beugt man sich der Maxime, dass allein die Verkäuflichkeit die Qualität eines Gegenstandes oder eines Werkes bestimmt. Und das ist selbstverständlich völliger Schwachsinn.

    Diebe kennzeichnen sich sehr oft nicht durch Kenntnisreichtum sondern in allererster Linie durch Hemmungslosigkeit und Gier. Die meisten Warez- und E-Book Leecher sind zeitgenössische Messies, auch Datenmessies genannt, die dem, was sie sammeln, an und für sich keine andere Bedeutung beimessen außer der einen, dass sie es „haben“.

    Nein, der Werk eines Buches wird nicht durch sein Aufscheinen auf Warezseiten bestimmt, sondern allein aufgrund seiner inneren, der literarischen Qualität. Die Marketingmanager der großen Medienkonzerne arbeiten mit Nachdruck daran, diesen Wertekanon aufzubrechen, und ich hoffe sehr, dass sie für immer scheitern.

    Liebe Grüße,
    Peter

    • Hallo Peter,

      der Gedanke war eher: was ist, wenn ein Buch so schlecht ist, dass es nicht mal jemand stehlen will? Der Verbreitungsgrad eines Buches – egal auf welchem Weg – ist ein viel besseres Messinstrument für die innere Qualität als der Preis, der drauf steht.

      Du hast natürlich Recht, dass eBook-Leecher auch dieses Maß verzerren.

      Viele Grüße,
      Matthias

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