Erfolgstipp für Autoren: Hört auf, Bücher zu schreiben!

Oder: sind eBooks richtige Bücher?

Viele Schriftsteller haben einen Traum: das eigene gedruckte Buch in den Händen zu halten. Das kann ich verstehen. Fünfhundert Jahre lang hat das gedruckte Buch uns begleitet, ist Teil und Fundament unserer Kultur geworden – so sehr, dass sie aus unserem Leben nicht wegzudenken sind. Aber: Das Buch ist immer nur ein Überträger gewesen, ein Container für Ideen, für Geschichten und Geschichte. Vorher waren es Erzähler am Lagerfeuer. Und in Zukunft? Da werden es eReader sein.
Nimmt der Wert des Buches ab, wenn es nur noch digital vorliegt? Gerät damit die gesamte Kultur ins Wanken? Wohl kaum. Stephen King hat einmal die Frage gestellt: Worin liegt der Wert eines gedruckten Buches? Das Material ist es nicht. Es ist der Inhalt, der seinen Wert ausmacht.
Das eBook ist hat durch seine digitale Natur die Fähigkeit, den entlegensten Winkel der Erde zu erreichen, ohne hohe Kosten zu verursachen. Das ist gut für die vielen Autoren, die ihre Geschichten in die Welt setzen wollen – das ist schlecht für alle, die hohe Auflagen brauchen, um rentabel zu sein. In Zukunft wird es wenige Massenmärkte geben – aber eine Masse von Nischenmärkten. Was ich persönlich für eine großartige Zukunft halte und was auch eine großartige Nachricht für alle Autoren sein sollte. Amazon hat mit seinem Kindle nicht nur einen eReader auf den Markt gebracht, sondern auch eine Plattform hergestellt, durch die jeder Schriftsteller seine Leser finden kann.
Wird das gedruckte Buch aussterben? Ich glaube nicht. Genauso wenig wie die Vinyl-Schallplatte ausgestorben ist und genauso wenig, wie die CD’das verschwunden sind. Das Papierbuch wird es weiterhin geben – aber es wird vielleicht nicht mehr die Hauptrolle spielen. Ich selbst werde in Zukunft meine Bücher hauptsächlich als eBooks veröffentlichen und gedruckte Ausgaben über PoD-Dienstleister zur Verfügung stellen – für Leser, die es in der Hand halten wollen (hoffentlich, weil sie es so unglaublich gut finden). Als Souvenir. Als etwas Besonderes. Um die Geschichten nach draußen zu bringen, zum Leser, ist das eBook besser geeignet, denn es ist eine Geschichte in (digitaler) Reinform.
Deshalb konzentrieren sie sich beim Schreiben nicht darauf, das Buch für einen Verlag interessant zu machen, der es druckt und in den Buchhandel bringt! Befreien sie ihren Kopf von diesen Altlasten! Konzentrieren sie sich auf ihre Idee, auf ihre Geschichte! Sorgen sie dafür, dass es die beste Geschichte wird, die sie je geschrieben und die ihr Leser je lesen wird! Packen sie ihren Text in ein eBook – und schicken sie es raus in die Welt! Übrigens: Nicht nur ihre Leser, auch eine Menge Bäume werden begeistert sein.

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Der Autor: Matthias Czarnetzki begann als Banker, wurde Journalist und studierte Informatik, bevor er feststellte, dass Schriftsteller mehrere Leben führen können, aber nur für eins Steuern zahlen müssen. Er ist unabhängiger Autor und unterstützt andere Indie-Autoren dabei, den gleichen Respekt zu erlangen wie Indie-Musiker und Indie-Filmemacher, so dass sie ihren traditionell verlegten Kollegen in nichts nachstehen. Noch Fragen?

Veröffentlicht unter ePublishing, Schreiben, Verlegen Getagged mit: , , , , , ,
6 comments on “Erfolgstipp für Autoren: Hört auf, Bücher zu schreiben!
  1. Ich finde es toll, dass man durch das ebook nicht die Zustimmung eines Verlags braucht. Aber ich finde es immer noch besser ein Buch in der Hand zu halten, sonst fühlt es sich so an als hätte man das Buch nie gelesen. Es gerät in Vergessenheit. Hoffentlich bleibt das Buch noch über Jahunderte besthen. Die Modernisierung vieler Sachen, ist nicht alles im Leben.

  2. Es gibt viele gute Bücher, die nie verlegt werden.
    Weil die Verlage feige sind … Man denke nur an die vielen Ablehnungen, die die rowland bekommen hatte …
    Und weil die Verlage konservativ sind: Was nicht in eine schon existeirende Reihe passt, was nicht mainstream ist, hat fast keine Chance. So wird Kreativität geknebelt und bestraft.

  3. Angelika Greber sagt:

    Wenn mir jetzt noch jemand sagen kann was ich tun muß um mein Buch als Ebook bei Amazon usw. zu vermarkten dann kann es schon bald als Download gekauft und gelesen werden!

    Liebe Grüße Angelika

  4. Ingo Behring sagt:

    Bis zur hauptsächlichen Verbreitung der Inhalte über eBook wird es noch ein weiter Weg sein. Probleme, die ich dabei sehe:
    -Ein Buch als Datenträger ist sicherer als ein Speicherchip. Ich denke, es gehen wesentlich mehr Daten durch defekte Chips verloren als durch zerstörte Bücher.
    -Fachbücher kann man in Analogform bearbeiten: Schnell etwas nachschlagen, mit Fähnchen übersichtlich markieren, Passagen anstreichen. Bei eBook- Readern gibt es zwar ähnliche Funktionen, bei meinen Versuchen habe ich aber schnell aufgegeben, da es trotzdem zu kompliziert und unübersichtlich ist. Wenn ich ein Buch nicht nur zum Vergnügen lese, ist ein eBook daher oft ungeeignet. Hier muss das System noch geändert werden, sofern jemandem etwas dazu einfällt.
    -Auch bei Unterhaltungsbüchern (so wie meines) ist es durchaus keine “aussterbende Randgruppe”, die aus irgendwelchen Gründen lieber ein Buch in Papierform in den Händen hält. Von meinen ersten 10000 verkauften Büchern waren gerade einmal 205 als eBook abgesetzt worden. Hier tut die Buchpreisbindung, die nach meinen Infos im kommenden Koalitionsvertrag auch für eBooks festgeschrieben wird, ihr übriges. Weil die Verlage wissen, dass man dann von ihnen durch Selfpublishing und Werbung über einen Online- Händler wie Amazon nicht mehr abhängig ist, wenn man ein Buch erfolgreich an den Markt bringen möchte, werden sie auch noch lange gegen das eBook arbeiten.
    Es ist meines Erachtens also nicht nur in den Köpfen der Verlage ein großer Schritt, sondern auch in der technischen Umsetzung noch einiges zu verbessern.
    Zudem wird in unserer Gesellschaft der Wert einer Ware immer noch am Preis gemessen. Das kann man schön an den gratis zur Verfügung gestellten Inhalten im Netz sehen. Fachartikel werden ohne Beachtung der Urheberrechte kopiert und im Sinn verändert, Bilder bedenkenlos geklaut (ist ja umsonst, dann erhebt scheinbar auch keiner sein Recht darauf) oder Abhandlungen einfach nicht ernst genommen. Hintergedanke: Wenn ein Text Gehaltvoll ist, will der Urheber (oder besser: Der Inhaber der Verwertungsrechte) damit natürlich Geld verdienen. In einem Text, für den der Urheber nichts haben möchte, steckt auch keine große Arbeit. Das müssen Blogger oft schmerzlich erfahren.
    Zudem sehe ich noch ein weiteres Problem: Ein großer Teil der Bücher im Selfpublishing- Bereich werden zu Recht nicht von den Verlagen genommen. Ich bin auch kein Meister der Eloquenz, musste in Leseproben aber schon so manchen unglaublichen Blödsinn und sprachlich krudes Zeug sehen.”Lesen” ist da der falsche Ausdruck! Durch die Verlage wird im Regelfall ein “Mindeststandart” gewahrt (Ausnahmen bestätigen die Regel). Würden alle Bücher gleichwertig nebeneinander gehandelt, würden gute Bücher durch die entstehende Flut und Unübersichtlichkeit des Marktes zwischen all dem Ramsch, Verschwörungstheorien und sprachlichen Unzulänglichkeiten untergehen. Schließlich würden nicht nur mehr Romane eine Chance erhalten, sondern auch mehr zum Beispiel fachlicher und gesellschaftspolitischer Unfug. Ich kann hierzu nur jedem empfehlen, sich mal kreuz und quer durch einige Bücher zu klicken, die von Selfpublishern auf den Markt geworfen wurden. Man wird sich wundern, für was alles Speicherplatz verschwendet wird.
    eBooks sind ohne Zweifel eine Bereicherung, meiner Ansicht nach aber nicht tauglich, das “Analogbuch” wirklich abzulösen.

    • Interessant finde ich vor allem das umgekehrte Verhältnis zwischen Papier- und Digitalbüchern: bei mir kommen auf 1000 verkaufte eBooks nur 25 Papierexemplare. Das liegt aber wahrscheinlich auch an der Verlagsstrategie: rororo bietet in Ihrem Fall beide Versionen zum gleichen Preis an. Wenn man bedenkt, dass der Leser zum E-Book noch in einen E-Reader investieren muss und für den Preis kein Eigentum, sondern nur eine “Leselizenz” erwirbt, wird die Digitalversion doch ziemlich unattraktiv. Um genau zu sein sagt ein Verlag mit einer solchen Preispolitik recht deutlich: “Kauft keine E-Books!”
      
      Ich denke eher, dass sich eBooks zu Papierbüchern verhalten wie MP3 zu CD. Es gibt viele, die noch etwas Materielles in der Hand halten wollen – nach den gut gefüllten Abteilungen bei diversen Elektronikmärkten zu urteilen, ist die CD noch lange nicht tot; genauso wird das Papierbuch noch längere Zeit erhalten bleiben. Allerdings sehe ich in den Fußgängerzonen, Straßen- und U-Bahnen nur noch sehr selten Menschen mit CD-Playern rumlaufen.

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