Welche Bücher gibt es über das Schreiben?

Es gibt eine Menge Bücher über das Schreiben. Generell denke ich, dass es nicht schadet, so viel wie möglich davon zu lesen – dümmer wird man davon nicht. Aber nehmen sie nicht alles davon für bare Münze. Was der eine Ratgeber für unverzichtbar hält, verwirft der nächste komplett. Aber lesen sie nicht nur das, was sie in ihrer eigenen Meinung bestätigt, sondern auch mal etwas komplett gegensätzliches. Sie sind der Meinung, das ausgeklügelte Plots, hervorragend ausgearbeitete Wendungen oder detailiert beschriebende Figuren alles sind – lesen sie Stephen Kings „On writing“ – der hält von alledem nichts und hat unverschämterweise trotzdem Erfolg. Auf der anderen Seite sind sie jemand, der nur aus dem Bauch raus schreibt? Freys „Wie man einen verdammt guten Roman schreibt“ behandelt den Entwurf von Figuren, Szenen, Handlungen und Konflikten. Nehmen sie davon etwas in ihre tägliche Arbeit auf – es wird garantiert nicht schaden.

Gibt es die universell gültige Anleitung fürs Schreiben? Das Regelwerk, dem man nur konsequent folgen muss, um schließlich seinen eigenen, unübertroffenen Roman in den Händen zu halten? Darin sind sich fast alle Schriftsteller einig: so etwas gibt es nicht. Alle Regeln, Hilfen, Tipps und Tricks sind nur für die eine Person gültig, die sie anwendet. Einer schreibt morgens, der andere tief in der Nacht. Einer schafft pro Tag ein festgelegtes Pensum, der andere wann er Lust und Laune hat. Jeder muss seinen eigenen Weg finden. Zu erfahren, wie Kollegen es anpacken, kann einem schon weiterhelfen, den einen oder anderen Trick kann man übernehmen. Aber zum Schreiben gibt es nur einen Weg: selbermachen.

Natürlich gibt es auch handwerkliche Grundsätze. Ein Tischler muss lernen, wie man Holz bearbeitet. Ob er später Bretterbuden oder Designermöbel herstellt, ist seinem Ehrgeiz überlassen, aber das Handwerk muss er erstmal lernen.

Dabei können Bücher helfen. Es gibt ein paar Sachbücher, die sich mit der deutschen Sprache beschäftigen – ein paar habe ich hier aufgelistet. Diese sind das Handwerkszeug. Das sollte jeder Schriftsteller beherrschen. Mittlerweile geben viele Schriftsteller unter ihren Romanwerken auch ein Buch heraus, in dem sie von ihrem Leben erzählen, der täglichen Arbeit, der Inspiration und was sie alles benötigen, um Schriftsteller zu sein. Sie laden uns ein, an ihrem Schreibtisch Platz zu nehmen. Diese Einladung sollte man nicht ausschlagen.

Ich habe im Lauf der Zeit eine paar Bücher zu diesem Thema gelesen – diese hier sind meiner Meinung nach eine Empfehlung wert: (Sollten keine Links auf die Amazon-Empfehlungsseiten erscheinen, ist wahrscheinlich ein Werbeblocker aktiv)

Sol Stein: Über das Schreiben

Eines der interessantesten Bücher über das „Handwerk“ Schreiben. Sol Stein bietet fundierte Ratschläge aus langjähriger Erfahrung als Lektor und Autor, ohne dabei starre Regeln aufzustellen. Eine der interessantesten Erkenntnisse: Als Verleger hat er Frederick Forsyths Roman „Der Schakal“ abgelehnt. Auch erfahrenen Verlegern unterlaufen Fehler…

Leider ist das Buch auf deutsch nicht ständig und normalerweise nur bei Zweitausendeins erhältlich. Vielleicht taucht bei Amazon ja mal das eine oder andere gebrauchte Exemplar auf.

Ludwig Reiners: Stilfibel

Dieses Buch ist ein Klassiker auf dem Gebiet der Stilkunde. Ludwig Reiners legt sein Hauptaugenmerk auf die Verständlichkeit von Sätzen – ein Hauptpunkt, damit der ganze Text vom Leser gut aufgenommen wird.

Stephen King: Das Leben und das Schreiben

Hier kann man mal einem erfolgreichen Autor über die Schulter schauen. Zwar bringt King auch ein Hinweise zum Schreiben mit ein, seine Berichte aus dem täglichen Leben finde ich aber ungleich interessanter.

Was immer man an üblichen Ratschlägen über Story und Handlungsaufbau, Personengestaltung und Dramatik gelehrt wird: King ignorierte es und wurde trotzdem erfolgreich. Auch dass er seine Absagen solange sammelte, bis der Nagel unter der
Last schließlich aus der Wand brach, gibt Hoffnung. Und den Rat: Nicht aufgeben!

Elizabeth George: Wort für Wort

Wie beim eben vorgestellten Buch liest man hier etwas über die Arbeitsweise eines Profis: Anders als King recherchiert George solange, bis die Niederschrift nur noch reines Handwerk ist. Für den einen oder anderen sicher die richtige Arbeitsweise.

Gabriele L. Rico: Garantiert schreiben lernen

Der Titel ist einfach nur dämlich, das Buch selbst allerdings nicht. Es handelt sich hier um eine Art der Ideensammlung: Clustering oder Mindmapping, angewendet auf’s Schreiben. Nützlich, wenn man mal nicht weiter weiß.

James N. Frey: Wie man einen verdammt guten Roman schreibt

Dieses Buch kann man lesen. Man muss es aber nicht. Hier hatte ich das Gefühl, dass Frey mehr Wert auf Bücher legt, die mal erfolgreich sind, aber genauso schnell vergessen. Wie zum Beispiel John Grisham: „Die Firma“. Darüber hatte Sol Stein auch was zu sagen – aber etwas grundsätzlich anderes.

Der Autor: Matthias Czarnetzki begann als Banker, wurde Journalist und studierte Informatik, bevor er feststellte, dass Schriftsteller mehrere Leben führen können, aber nur für eins Steuern zahlen müssen. Er ist unabhängiger Autor und unterstützt andere Indie-Autoren dabei, den gleichen Respekt zu erlangen wie Indie-Musiker und Indie-Filmemacher, so dass sie ihren traditionell verlegten Kollegen in nichts nachstehen. Noch Fragen?

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5 Kommentare zu “Welche Bücher gibt es über das Schreiben?
  1. Eine sehr schöne Liste. Ein paar Ergänzungen habe ich noch auf meinem Blog: http://marcusjohanus.wordpress.com/2012/02/04/top-10-schreibbucher/

  2. Darf ich noch auf ein weiteres Buch aufmerksam machen?

    Gute Geschichten schreiben – ein Schreibebuch von Detlef Knut

    Meine Meinung: Eine „Pflichtlektüre“ für (angehende) Autoren.

    Zusammengetragen aus zahlreichen Seminaren und Werkstätten, die der Autor in den letzten Jahren durchgeführt hat, sind hier wichtige Themenabschnitte zum literarischen Schreiben neu formuliert und ausgearbeitet. Talent zum Schreiben von Romanen ist eine Sache, jedoch ohne das Handwerkzeug zu kennen, wird auch der talentierteste Autor keine lesenswerten Geschichten oder Romane schreiben. Neben theoretischen und praktischen Hinweisen und Methoden, neben Kniffen und Tricks sind am Ende jedes Kapitels ein oder mehrere Übungen zum Vertiefen der im Kapitel erworbenen Kenntnisse enthalten. Ein Buchtipp in jedem Kapitel verweist auf weitere nützliche Sachliteratur zum Thema.

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    Detlef Knut
    Gute Geschichten schreiben – ein Schreibebuch
    ISBN: 978-3-943121-08-7
    ca. 150 S. – 19,0 x 12,0 cm
    (D) 11,99 € (A) 12,49 € (CH) SFr. 21,50
    1. Auflage Mai 2012

    http://www.editionoberkassel.de/?p=1022

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